Weil man das so *macht*

Guten Morgen, ihr Lieben 🙂

Ich glaube, ich hatte das Thema schon mal.
Aber ich habe auch erst vor wenigen Tagen noch im Awesome blogger award geschrieben:

„Und ich muß in dieser Not nicht verhärmt, bitter und ekelhaft werden – im Glauben, mich wehren zu müssen.
Ich darf im Alter liebend sein. Das ist doch wundervoll.“

WEIL MAN DAS SO *MACHT*

Gestern war wieder ein eher fauler Tag.
Es war Sonntag.
Feiertag noch dazu.
Und sonntags macht man nichts.

Sonntags ist man ruhig.
Da arbeitet man nicht und da macht man schon garkeinen Lärm.
Wenn man raus geht, tut man stille Dinge.
Sonntags stört man niemanden.
Und schon 5x nicht zur Mittagsruhe – das darf man auch unter der Woche nicht.

Weil schließlich hat man das so gelernt.
Schließlich war das schon immer so.
Schließlich gehört man zu den anständigen Leuten.

– irgendwo tief in meinen Hirnwindungen höre ich sie sogar jetzt noch zetern.
Aber ich will nicht vorgreifen….

Gestern…. mittags gegen 12 oder 1, klongte es im Treppenhaus.
Das Baby nebenan – das längst zum Kleinkind wird – schrie schon wieder derart gilfend.

Auf der Straße plötzlich Geräusche, die man sonst eher freitags hört.
Allenfalls samstags.
Aber niemals!!!!! Niemals an einem Sonntag.

Unsere Nachbarn
jene, von denen wir nichtmal wissen, aus welchem Land sie kommen
wie viele von ihnen eigentlich in dieser 3-Zimmer-Wohnung leben
noch nie irgendwen von ihnen wirklich gesprochen haben
machten Kehrwoche.

Mit unserer Kehrmaschine der Hausgemeinschaft fuhr sie in aller Seelenruhe den Gehweg hoch und runter.
Laut rumpelnd und scheppernd.

Es ist SONNTAG!!!!!
Noch dazu FEIERTAG!!!!
Verdammt nochmal auch noch MITTAGSRUHE!!!!!

Hat denen eigentlich wirklich KEINER was beigebracht????
Ham die überhaupt keinen ANSTAND????
Was glauben die denn???? Dass die hier ALLES dürfen????
Bloß, weil die wahrscheinlich keine Christen sind????
Das steht doch im MIETVERTRAG!!!!
RUHE!!! Verdammt!!!

Sowieso…
die übliche Waschmaschine hatte schon bei ihnen laut geschleudert.
Schon sehr früh.
Wie immer sonntags.
Bloß gesaugt, das hatten sie gestern (noch?) nicht.
Nicht so, wie sonst – früh vor 8.

Der Mann und ich tendierten zum Hyperventilieren.
Es ist irgendwie immer so.
Jeden Sonntag regen wir uns auf.

Aber eigentlich, regen wir uns fast täglich über die auf.
Weil irgendwas ist immer.

Gestern fielen auch bei uns wieder die ziemlich typischen Sätze.
„Und da wundern die sich, wenn man zum Rassisten wird“
„Und da wundern die sich, wenn ihnen Skins die Fresse polieren?“
„Und da wundert sich irgendwer, über immer mehr Fremdenhass?“



Wir hatten das Thema schon öfter.
Sie leben ja seit gut 1 Jahr hier im Haus.
Und anfangs dachten wir noch, man könnte sich vielleicht freundlich kennenlernen.
Sie schienen nett zu sein.
Wir hatten ein älteres Paar gesehen, ein jüngeres und ein Baby.

Inzwischen aber sicher noch 2 einzelne jüngere Frauen.

Oft kommt auch Besuch – meist mit 2 oder 3 Autos.
Meist Männer.
Die bleiben dann einige Tage.
Keine Ahnung, wo die immer schlafen auf 70qm.

Irgendwie ist gruselig.
Sie huschen unsichtbar im Haus herum.
Oft auch mitten in der Nacht oder sehr früh morgens.

Man weiß nichts.
Man kennt sie nicht.

Es ist bei uns unterschiedlich – es hängt von unserer eigenen Stimmung und Verfassung ab.
Mal regt sich mehr der Mann auf, mal mehr ich.
Mal regen wir uns mehr auf, mal weniger.

Gestern fingen wir jedenfalls wieder an zu schüren.
Er mehr, als ich.
Es nervt, ärgert und macht wütend.
Warum kommen Menschen nach Deutschland und ignorieren uns dann?
Die deutschen Menschen, Gepflogenheiten, Glauben, Gesetze – ALLES?!
Sie grenzen sich völlig ab, kochen ihr eigenes Süppchen und tun so, als sei außer ihnen keiner da.
Aber deutsches Geld nehmen sie gern.

Nun gut….
Irgendwann kam mir mein Blogsatz wieder in den Kopf.
„Ich darf in Liebe alt werden.“

Was passiert da eigentlich?
Überhaupt – und warum?

„Früher war alles besser“…..

Gestern war es vor allem der Mann gewesen, der immer wieder neue alte Sätze in die Küche entleerte.

Als ich das bemerkte, fragte ich ihn,
was genau denn früher besser gewesen sei?
Und wie vieles eigentlich?

Es ist schon ganz schön heftig.
Sich einmal SELBST an der Nase zu packen.
Und mit den Fingern in den Nasenlöchern durch die gesamte Küche zu ziehen.
Bildlich.

Wir kamen drauf.
Kamen drauf, dass wir lauter Sätze sagen, die „die Alten“ früher immer gesagt hatten.
Die hatten uns das BEIGEBRACHT.
Eingehämmert.
Aufgezwungen.
Uns als Kinder damit weh getan; uns verletzt; uns reduziert, erniedrigt und verwundet.

Was man alles nicht durfte
Man nicht sagen sollte
Man nicht sein durfte
Man nicht wollen durfte
Man nicht tun konnte
Man nicht erlaubt bekam


Da sind so derart viele Sätze,
die nach wie vor in der letzten Gehirnwindung ihr Unwesen treiben.
ANSTAND nannten die das damals.
Wie ein Gefängnis hatte es sich angefühlt.
Gründe, damit man es hätte nachvollziehen können, gab es meist keine.

Der Mann und ich redeten über Veränderungen.

Darüber, dass vielleicht mit ein Grund für all diese Veränderungen ist,
dass die Kirche so viel Macht verliert.

Früher ging man sonntags in die Kirche.
Mit der Sonntagskleidung.
Mit dem guten Zeug.
Das zog man sonst nie an.

Moral wurde hoch gehalten, Anstand und gutes Benehmen.
Feste Regeln.
Und was der Nachbar dachte, war womöglich das Allerwichtigste.
Nur den Schein wahren!!!!!
Damit keiner was merkt.

Läden, Geschäfte, Firmen hatten noch völlig andere Arbeitszeiten.
Abends um 18h war Feierabend.
Samstags um 12.30.
Mittwochs nur bis 13h – höchstens.
Sonntag war heilig – da arbeitete kaum jemand.

Menschen hatten höhere Löhne und mehr Zeit.
Zeit, auch um unter der Woche zu tun, was sie zu tun hatten.
Und oft eigene Häuser, bei welchen es auch wirklich genug GAB, das zu tun war.

Im TV gerade mal 3 Programme.
Man arbeitete viel – oder ruhte davon aus.

Inzwischen?
Wen interessiert noch die Kirche?
Wen interessieren noch kirchliche Feiertage? – außer deshalb, weil man frei hat?

Wen interessiert noch Moral und Anstand?
Mittagsruhe?
Ruhezeiten überhaupt?

Wäre das denn wirklich anders,
wenn hier keine Menschen aus anderen Ländern wären?

Und sowieso….
wer hat denn gemacht, dass sie da sind?
Wie ist das denn entstanden?
Auch die Politik, Gesetze; die „Polizeigewalt“ …
alles hat sich verändert.

Unsere Gesetze sind nicht mehr vorrangig darauf ausgerichtet, Dinge für das Allgemeinwohl durchzusetzen.
Sondern vielmehr muß ganz besonders darauf geachtet werden,
dass hierbei nicht jedwelches Recht auf freie Entfaltung des Einzelnen tangiert wird.

Wenn Du heute die Polizei rufst, können die garnicht mehr kommen.
Sie sind zu wenige.
Es werden Prioritäten gesetzt – MÜSSEN.
Und bei Kleinkram, hat sowieso erstmal jemand jedes Recht, einfach zu tun, was er will.
Fertig.
So irgendwie.

Wen interessiert schon, ob einer sonntags Kehrwoche macht?!
Oder zum Glascontainer geht?
Oder laute Musik im Auto hört?

Es hat sich einfach vieles völlig verändert.
Das ist die Zeit.
Das sind auch deutsche, junge Menschen.
Es ist ein anderes Denken geworden.
Andere Bedürfnisse und Regeln.
Andere Prioritäten.

Es wird viel mehr gefordert heute.
Menschen arbeiten rund um die Uhr, auch an den Wochenenden.
Für viel weniger Geld.

Wer geht heute noch in die Kirche?
Wen interessieren heute noch Dinge, die Früher das Allerwichtigste gewesen waren?

Wie sollen Menschen den Sonntag als fixen Ruhetag empfinden?
Wenn sie doch arbeiten müssen?
In einer Zeit, wo man rund um die Uhr einkaufen kann?

Wer von den Jungen kennt heute noch die Sätze,
die so dermaßen schmerzhaft
in unseren Seelen stecken?
Wie Speere?
Hineingestoßen vor über 30 Jahren?

Wenn ich mich selbst so beobachte
gift- und gallespeiend, hasserfüllt und wehrhaft
WILL ICH SO SEIN??????

Will ich so BLEIBEN?
Womöglich gar noch SCHLIMMER werdend?

Wie, in aller Welt, sollte es SO gelingen?
Liebevoll zu altern?

Liegt es denn nicht in unseren EIGENEN HÄNDEN?
Uns selbst mit zu verändern?
In unserer veränderbaren Welt?

Es tut so verdammt weh.

Hinzusehen und zu fühlen.
Das eigene Selbst.

Der Mann und ich kamen auf all diese Sätze.
Sätze, einer guten Erziehung.
Sätze, von Anstand.

Wo haben wir sie eigentlich her?
Unsere „Moral“, die wir immer wieder zumindest in unsere Küche auskotzen?
Unser „Das tut man so“?
Unser „Die sind so asozial!!!“

Wer ist hier denn in Wahrheit UNsozial?
Wehrt und weigert sich, ein Miteinander zu akzeptieren?

MÜSSEN denn andere Menschen immer und ständig genau SO sein, wie WIR?!
Wie wir das WOLLEN?

Müssen die sich anpassen?
Das Selbe wollen, tun und denken, wie WIR?

Und wie gesagt:
Sind denn DEUTSCHE junge Menschen genauso, wie WIR?

Verändert sich in Wahrheit denn nicht ALLES?
Auch Deutschland?
Selbst?

Nur WIR….
WIR glauben nach wie vor, dass die „Gesetze der Alten“ noch gelten.
Welche Macht lassen wir ihnen?
Welche Gewalt haben sie noch immer über uns?

Dass all diese Sätze, unter welchen wir als Kinder haben leiden müssen,
nicht nur noch immer in uns wirken
sondern nun heute gar aus unseren eigenen Mündern kommen?!

Wäre es denn nicht vielmehr an der Zeit,
den Alten ihre Macht zu nehmen?
Unser EIGENES zu finden?

Uns zu befreien, von all diesen elenden Sätzen
was man tut
was man soll
was man NIEMALS tun darf
und keinesfalls denken

Ich erschrecke über mich selbst.
Immer wieder.

Innendrin dieser Hass, das Toben, Wehren, Aufrühren….

Gegen wen richtet dieser sich denn in WIRKLICHKEIT???

Ausländische Menschen sind am Ende doch nur die Platzhalter.
Jene, die den Finger in Wunden drücken, die bereits seit 30 Jahren eitern.

Der Schmerz ist doch schon seit Ewigkeiten da.
Und die Wut richtet sich nur ersatzweise gegen sie.
Weil in Wahrheit gilt der Hass, die Wut, die Angst doch den Eltern; den Großeltern.
Jenen, die all dies in unsere Seelen gepflanzt hatten.

Und man traut sich noch immer nicht, sich gegen sie aufzulehnen.
Es ihnen zurück zu geben.
Es HEIM zu zahlen – nach ZUHAUSE.
Früher und damals.
Es einfach ZURÜCK zu geben – dorthin, wo es hergekommen war.

Also kotzt man Gift auf ANDERE.
Vornehmlich FREMDE.

Während man letztlich am eigenen Gift verreckt
weil es die eigenen Eingeweide und die eigene Seele frißt.
Magengeschwüre macht und Herzschwinden.

Oft schon habe ich darüber nachgedacht, dass wir uns in Wahrheit sehr ähnlich sind.
Auch ICH husche gerne durchs Treppenhaus, wenn keiner draußen ist.
Auch ICh rede ungern mit Anderen.
Auch ICH werde am liebsten nicht gesehen.
Auch ICH will nicht wirklich, dass andere zu viel von mir wissen.

Auch ICH habe Angst.

Angst frißt Seele auf.

Selbsterkenntnis ist nicht schön.
Ich will nicht sein oder werden, wie meine Oma.
Ich will kein Kotzkübel werden und in Hass am eigenen Gift verrecken.

Ob die Nachbarn es spüren?
Spüren, dass IRGENDWAS an mir ungut ist?
Ob sie deshalb so sind, wie sie sind?
So, wie auch ich bin, wie ich bin?
Weil sie so verschlossen wirken; so kurz angebunden; so unwillig?

Warum reden Menschen so wenig miteinander?
Und WENN, dann so unehrlich?
Warum ist die Fassade so wichtig?
Der Schein?

Warum ist man nicht einfach, wer man ist?
Sagt, dass und wovor man sich füchtet?
Warum geht man nicht leichter aufeinander zu?
Ohne dieses Schutzschild und die Ritterrüstung?

Oh Mann….
Es wird Zeit, die Alten los zu werden.
Und deren „Werte“, die in Wahrheit doch nur jene alte Scheiße sind, mit welchen sie uns damals einrieben.

Alte Scheiße, die stinkend unsere Herzen verkrustet.
Uns einsperrt in altes Denken und Gefängnisse.

Dinge bleiben nicht, wie sie waren.
Sie verändern sich.
Und wenn wir versuchen, alles festzuhalten und drauf zu pochen, dass es bleiben muß, wie es war
– während andere Dinge ja DOCH weiter gehen

versäumen wir die Chance, mitzugehen.
Und aus all dem Neuen etwas GUTES zu machen.

Gestern jedenfalls, nachdem der Mann und *ich* so darüber gesprochen hatten,
wurden wir sanfter.
In uns gekehrter.
Betroffener.
Zweifelnd an so vielem, das in uns tobt.

Eigentlich ist es doch scheiß egal.
So laut war das doch eigentlich garnicht.
So lang dauerte das doch nicht.

Warum ist das denn eigentlich SOOOOOO wichtig und groß?

Worüber regt man sich da eigentlich so auf?

Den Speer erkennen….
Das ist viel wichtiger.
Jenen, den man im eigenen Herzen trägt.
Damit die Wunde heilen kann.

Euch einen schönen Tag.
Und alles Liebe ❤


Gebloggt am 01.06.2019

Ein kleines bißchen ganz viel Angst

Es scheint so aussichtslos

Er hat sich entschieden

Ein letztes Mal heute

2 Kommentare zu „Weil man das so *macht*

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