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So, jetzt bin ich wieder Zuhause.
Was ein Tag.
Was ein Thema.
Was ein Fühlen.

Als ich weg fuhr, hatte ich gedacht:
„Na super!!! Voll am Thema vorbei!!!!
Was hatte dieser lange Text jetzt mit ALLTAG zu tun?
Das war ein ENTWICKLUNGStext – keiner, der deinen ALLTAG beschreibt.“.

Und nun?
Hab ich diesen superlangen, sehr vieles erzählenden Kommentar vom Frosch
und mag eigentlich erstmal hierauf eingehen.

Auch mag ich gerne sagen,
dass es meiner ganz persönlichen, eigenen und individuellen Meinung entspricht,
dass DIAGNOSEN in Wahrheit nur da sind
um Ärzten, Krankenkassen und anderen nicht-selbst-Betroffenen-von-Gewalt
Schubladen zu geben,
in welche sie uns einräumen können.

Weil ohne diese Schubladen wüßten die doch garnicht, wohin mit all den schlimmen Dingen.
Sie müßten sie womöglich weiter mit sich herum tragen.
So aber läßt sich das alles ganz hervorragend in irgendwelchen Schubladen verstecken.
Und so tun, als wüßten sie nun alles – und können den Rest wieder vergessen.
Das hat doch alles zum Glück rein garnichts mit IHNEN zu tun.
Und so sind und bleiben sie sauber und unberührt.

Aber MIR ganz persönlich hilft eine Diagnose nur dann und nur insofern weiter,
dass ich einen besseren Ansatz habe,
mich selbst zu entdecken.

Auch, weil ich heute nun weiß,
dass ich nicht völlig verrückt und bescheuert bin,
sondern dass es außer mir auch noch ANDERE gibt.
Ich bin EXISTENT – so, wie ich BIN.

Eine Diagnose ist irgendwie fast eine Art Erlaubnis; eine Legitimation, existieren zu dürfen.
So, wie ich BIN.

Und den Rest muß ich so oder so alleine tun.
Und ich glaube, das muß vermutlich JEDE/R.
Und auch, dass einfach jede/r sein völlig EIGENES hat und ist.
Es gibt keine solcher Schubladen.
Nicht so, wie *die* es gerne hätten.

Und so bin ich also auf dem Weg, mein Selbst zu erforschen, kennen zu lernen – und vor allem,
es für GUT zu befinden.

Bzgl. des Kommentars vom Frosch mag ich antworten:

Ich fürchte, der Krieg hat sehr viele Narzissten/innen hinterlassen.
Und es ist wohl mit ein Symptom hiervon, dass solche Menschen sich nicht behandlungsbedürftig empfinden.
Aber immerhin zeigt das mir selbst, dass wenigstens ICH kein Narzisst sein kann.
Uff.

Naja… „innere Anteile“; „Egostates“ … wie auch immer Therapeuten das alles nennen mögen….
Manchen hier in den Blogs ist es sehr wichtig, dass die *richtigen* Bezeichnungen genutzt werden.
Mir selbst ist das ziemlich piepe, wie ANDERE mich sehen oder bezeichnen – Hauptsache ICH SELBST kapiere irgendwann, was ich da in mir so fühle und bin.
Und ich habe große Zweifel, dass Therapeuten das alles *wirklich* richtig begreifen, verstehen oder fühlen können. Die gucken halt von außen drauf – nicht von innen.

Mit mir selbst diskutiert habe ich auch schon als Kind.
„Blühende Phantasie“, verrückt, etc. … – man kennt das ja.
Aber früher hatte ich ein völlig anderes SEIN-Gefühl; ein anderes ICH.

Ich fühlte nicht – das weiß ich aber erst heute.
Früher DACHTE ich, ich fühle.
Und all die Gefühle redeten in meinem Kopf.

(Im Gegensatz zu heute, wo sie mich ausfüllen und im ganzen Körper sind)

Früher war ICH ausschließlich mein KOPF.
Der Körper nur das Transportmittel; totes Fleisch, nicht mir zugehörig
um den Kopf von a nach b zu bringen.
Der Körper war egal und fühlte nicht. Ich nahm ihn kaum wahr.

Damals war das mein Normal.
Redende und diskutierende Gefühle – die ich nicht fühlte – in meinem Kopf.

Inzwischen sind die „Gefühle“ in den Körper umgezogen – das war sehr schmerzhaft.
Und mit der Zeit wurde irgendwie klar, dass die vermeintlichen Gefühle (die früher nur Gedanken waren)
eigentlich in Wahrheit „Innens“ sind; „auch-ichs“; ANDERE-Ichs.

Mein Körpergefühl verändert sich
mein Fühlen ÜBERHAUPT.
Die Wahrnehmung meines Selbst.
Und ja, reden tun die alle noch immer mit mir.
Aber heute FÜHLE ich sie auch.
Erkenne sie immer besser; ANerkenne sie.
Ich werde LEBENDIG.

Früher, da konnte ich allenfalls WUT fühlen.
WUT – das war wohl das einzige Gefühl, das ich wirklich FÜHLTE.
Das mich auffraß, verdaute und aus-schiß.

Ich hatte Angst vor ihr.
Ich hatte noch keine Ahnung von „Triggern“ und sowas.
„Innere Verteidiger“.

Ich wußte nur, dass es Momente gibt, da könnte ich zum Mörder werden.
Oft flippte ich total aus, warf Geschirr, schlug den (Ex-)Mann, schrie, tobte, heulte – schlug sogar mein Kind.
Aber ich wußte nicht, WARUM.

Ich hatte Angst davor und unterdrückte es.
Wie mit einem Stössel sollte es immer tiefer hinunter ins Loch der Nichtexistenz.
Ich fühlte mich immer mehr, wie ein Dampf-Koch-Topf kurz vor der Explosion.
Aber ich wußte nicht, wie ich Druck ablassen könnte.

Gerade heute hab ich mit der Thera nochmal drüber gesprochen.

Weil auch jetzt, mit dem Wissen um innere Kämpfer, Verteidiger und Täter-Infizierte
ist es viel einfacher.
Es ist nicht schlimm, dass man solche Gefühle HAT.
Dass sie IN MIR DRIN sind (Täter haben mir ja auch genug davon hinein gesteckt).

Wenn ich den Mut habe, mir all ihre Filme (innen) anzusehen
Ihr Schimpfen anzuhören
Wenn sie da sein dürfen
Willkommen sind
Teil sein können
– dann muß all das nicht zwingend mehr nach AUßEN.

Sie wollen nur, dass sie da sein dürfen. So, wie sie sind.
Gesehen.
Zumindest hier bei mir.

Man kann so vieles auch wandeln.
Es verändern – gemeinsam.
So, wie manche Künstler Skulpturen schaffen aus Schrott.
Oder Bilder malen aus Erde oder was auch immer.
Oder, wie man Teppiche machen kann aus Altkleidern.

Ich kann all die Wut, das Leid auch ansehen, fühlen, gemeinsam halten
und sie DANN nehmen und etwas ANDERES erschaffen.
Mit den anderen innen gemeinsam.

Erkenntnis zum Beispiel.
Oder Mitgefühl.
Verständnis.
Weitsicht.
sogar Wärme
– sowas.

Ich muß Wut nicht zu Gewalt machen oder Zerstörung.
Und sie nicht 1:1 an andere weiter geben.

Und auch, wenn das gewiß nicht IMMER klappt
und auch nicht braucht
weil man auch einfach mal wütend SEIN DARF
läßt der Druck nach.

Ich habe keine Angst mehr vor mir selbst.

Das ist wohl die größte Errungenschaft, die ich seit – oder mit – der Diagnose für mich gewonnen habe.

Ich glaube, früher, haben *DIE* etwas mit *mir* gemacht.
Also, die vielen unbewußten, ungesehenen, ungefühlten Innens mit jenem, das ich für mein Selbst gehalten hab.
Es ist einfach immer irgendwie „was“ passiert.

Stimmungsschwankungen, Schmerzen, Kopfweh, Kotzen, Selbstverletzung, Angriffe auf andere Menschen, Verteidigung, …

Und ich wußte oft nicht, warum und wo das überhaupt her kam.
Es hatte mich überrumpelt.

Ich habe sie nicht sehen können; nicht wirklich kommunizieren oder ein Gemeinsam empfinden.

Heute nun, mit der Diagnose verändert sich viel.
Nicht, dass ich schon besonders weit wäre – ich lese in anderen Blogs da oft Sachen, die sind hier unvorstellbar.

Aber seit ich keine Angst mehr habe, vor meinem Innen
Sie oft „einfach so“ mal die Nase ins Leben strecken können
Einfach hier sein können; rauskommen; Teil haben; sichtbar sein
auch mit, bei und vor dem Mann
auch hin und wieder ein bißchen bei der Thera oder PsychSozFrau
auch bei der Tochter
sowieso, hier wenn wir alleine sind
oder auch in den Blogs

*** ich merke grade, das ist ganz schön oft ***

entspannt sich innen vieles.
Und ich lerne Seiten in mir kennen, von deren Existenz ich nichts ahnte.
Stärken, Kreatives, Schönes, Lustiges, Freudiges.

Natürlich auch Leid, Schmerz und Ohnmacht.

Aber hey!!!!! ICH LEBE!!!!
Alle innen (außer jenen, die da höchstwahrscheinlich noch angstvoll oder schwerst traumatisiert verborgen sind. Aber auch sie fühlen wahrscheinlich ein bißchen davon mit).
Das ist soooo schööööön!!!!!

Ich bin jedenfalls froh, mich zu trauen.
MIR zu trauen.
Mich raus zu lassen und zu erLEBEN.
So weit es eben geht – und immer wieder ein bißchen mehr.

Den Radius erweitern.

Und inzwischen find ich es total gut, ein bißchen VER-RÜCKT zu sein.
Nicht so, „wie alle“.

Die Welt braucht verrückte.
Wo soll das sonst hinführen?!


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