Anstrengend, überraschend und langweilig an 1 Tag

Guten Morgen, ihr Lieben 🙂

Ich weiß wieder nichts.
Sitze hier schon seit gut 1 Stunde und überlege, ob und was ich wohl zu sagen hätte.

Gestern hab ich den Tag verbummelt.
Hm… – könnte man so sagen.

Morgens hab ich Friseur gehabt.
Dann keine 20 Teile abspülen
duschen, Haare waschen und so
und dann hab ich überlegt, ob ich sonst noch was mache.

Und hab dann einfach gehäkelt.

Klar, diese Trigger-Scheiße ging mir nach.
Tut es noch immer.
Irgendwas quält innendrin – aber nix Konkretes mehr.
Dass ich es benennen, erzählen oder sagen könnte.

Da ist einfach nur Traurigkeit.
Auch Angst und Wut.

Mein Magen ist wieder total übersäuert.
Der Darm spinnt.
Der Bauch ist aufgebläht
und ich stinke… damit könnt man echt Kriege gewinnen.

Oft denke ich, der Körper hat sich das schon gaaaanz klein so angewöhnt.
Mit einem derart schlimm furz-stinkenden Kind will keiner was zu tun haben.

Wenn ich mir vorstelle, wie mein Onkel und die Tante mit mir solche
„Haute-couture-Parties“ feiern wollten?!
Mit ihren „tollen Freunden“ der „besseren Gesellschaft“?
Und ich, das geborgte Kind, sitze da und furze pausenlos?!
Verstinke die ganze, schöne Geilstimmung?!

Ich HOFFE ja, dass es so gewesen war.
Dass ich auf diese Weise vielleicht manchem entkommen bin.

Aber wissen?!
Wissen tue ich GARNICHTS.

Nur, dass diese Urlaube waren.
Dass Oma ständig und andauernd sagte
„Sei lieb zum Onkelchen!!! Dann darfst Du auch WIEDER mit in Urlaub“.

Ich wollte dort garnicht mit.
Aber ich MUSSTE.

Es ist eigenartig, hier immer in den Blogs bei Euch so derart viel über Erinnern zu lesen.
Bei Euch kommt so oft so derart viel, dass ich staune.

Bei mir kommt NICHTS.
Auch nach 5 Jahren Therapie kommen allenfalls immer wieder die SELBEN Dinge.
Aber kaum was Neues.

Es hängen lediglich, hin und wieder, an alten Bildern neue Gefühle.
Intensiver und schlimmer.
Tiefer, irgendwie.

Oft, fange ich an, an mir zu zweifeln.
Daran, dass es wirklich wahr sein kann.
Was ich mir so zusammen reime.
Über diese Parties und Urlaube.
Was da gewesen sein könnte.

Weil wirklich erinnern kann ich nicht.
An das, was sonst noch war.
Einzig weiß ich sicher, dass es sie GAB.
So, wie auch die Fotos.
Aber mehr?!

Ungewißheit ist fast genauso grausam, wie Wissen.

Gestern saß ich also hier und hab gehäkelt.
Den nächsten Raben.

Er kriegt grüne Füße, blaue Flügel und nen grün-blau-gestreiften Schnabel.
Das hab ich schon alles fertig.
Der Körper – den mach ich nachher – wird in einer Wolle gehäkelt, die schon in verschiedensten Blautönen verlaufend ist.
Ich hab hier eine volle Kiste mit Wolle.
Hieraus hatte ich mir was zusammen gesucht.

Irgendwann, hoffe ich, ist sie leerer.
Und dann will ich keine „Catona“ mehr bestellen – Baumwolle.
Sondern flauschigere, weichere, anders verlaufende Wolle.

Ich mag gern mehr Schmusigeres häkeln.

*o.k. …. – heute wieder mit Pausen schreiben. Der Mann ist wach *

Meine Tochter schrieb mich gestern im Chat dann an.
Schickte mir ein Foto von den Geschenken für ihren WG-Kumpel, an welchen wir uns monetär beteiligt hatten.
Weil es bei ihr im Juni sehr knapp geworden war.

Auch, weil sich ja auch ER an den Geschenken zu meinem Geburtstag beteiligt hatte.
Und er mich scheinbar mehr mag, als ich ihn.
Ich hab keine Ahnung, wie ich zu seinem Mögen komme – aber seine Mutter ist wohl keine, die man sich wünscht.
Und so hat er ja mich als Mutter „adoptiert“.

Komisch irgendwie.
Wenn ein 30-jähriger von sich aus entscheidet,
einfach die Mutter der WG-Freundin ebenfalls als „Mutter“ zu betrachten.
Wenn man plötzlich zu einem „Sohn“ kommt, den man eigentlich garnicht will? Braucht? Geboren hat?

Andererseits merke ich mit den Jahren,
dass mein Widerstand weicher wird.
Es tut ja nichts.
Er will ja nichts.
Er freut sich nur einfach, wenn wir uns sehen.

Und so fange langsam auch ich an, mich zu freuen.
Einfach so.

Jedenfalls war irgendwie klar, dass wir der Tochter bei den paar Geschenken helfen.
Und nun hat sie sie stolz präsentiert und gezeigt.
Wenn er sich das wünscht, wird er sich gewiß freuen 🙂

Irgendwann, so mittendrin in einer Unterhaltung über unseren Alltag,
hat sie mich schockiert.
Sprachlos gemacht.

Mittendrin kam ein Satz, der da so garnichts drin verloren hatte.
In Alltag.
Zumindest nicht für mich.

Sie schrieb:
„Ach, das OEG hat mir übrigens die Ablehnung geschickt.“

In mir drin war es, wie von 300km/h auf 0.
Vollbremsung.
Voll gegen die Wand gefahren.
Wuuuuuschpängklong.

Hä???????
OEG???????
SIE??????

Oh Gott!!!! Was hat sie getan??????
Wegen was??????
In welchen Jahren????????
Bin ich ihr TÄTER????????
Was hat sie bloß geschrieben????????
*Füße unterm Boden weg*

Mir fallen auf Anhieb leider sehr viele Gründe ein, weshalb sie es versuchen könnte, OEG zu bekommen.

Das fängt schon damit an,
dass ihr Vater mich in ihren ersten 4 Lebensjahren
vor ihren Augen vergewaltigt hatte
vor ihren Augen zu erwürgen versucht hatte
vor ihren Augen mich ständig schlug
vor ihren Augen Freier in der Wohnung waren
sie als 1-jährige verzweifelt weinend an der Klinke des abgesperrten Schlafzimmers rüttelte und schrie, während ich dort mit Freiern zugange war. Es hatte niemanden gestört.
Ich hatte es versucht, mich zu wehren…. – aber der Ex tat es nur ab. Lachte mich aus und zwang mich weiter.

Auch damit, dass ihr Vater sie höchstwahrscheinlich auch selbst mißbrauchte.
Während der Scheidung.
Um es mir Heim zu zahlen, dass ich ihn verließ.
Macht zu demonstrieren.

– Ich hatte das seinerzeit sogar angezeigt.
Hätte nicht meine eigene Mutter auf seiner Seite gestanden
und behauptet, dass doch vielmehr ICH mein Kind mißbrauchen würde,
weil ja ICH durch die selbst erfahrene Gewalt
keinerlei Grenzen mehr kennen würde,
wäre er verurteilt worden.
So aber wurde es fallengelassen.
Weil der Richter „keine Lust auf diesen Kindergarten“ hatte. –

Später dann, durch all meine fehlenden Gefühle
fehlende Grenzen
fehlende Scham
fehlende Privatheit und so – alles kaputt gemacht –
hat sie es aushalten müssen, immer wieder mitzukriegen, wie ich andauernd andere Typen Heim brachte.
Sex mir wichtiger war, als SIE.
Sie hat es gehört und manchmal auch gesehn.
Nicht, dass ich das gezielt getan hätte – aber es war mir wurscht.
Weil Sex ja so normal ist und Sex ja zum Leben gehört und weil ich ja keine geschlossenen Türen mag und sowieso die ganze Welt viel zu verklemmt und prüde ist.
Provokation fand ich cool.
Zugegeben – ich war schlimm.

Es war ganz gewiß nicht angemessen.

Dann war da noch dieser Typ, den ich mal mit Heim brachte. Sie war 12.
Als ich mit dem so herum schmuste (angezogen…. nunja.. größtenteils),
ging er mit seiner Hand unter das Shirt der Tochter.
Sie war noch gebaut, wie ein kleines Mädchen.
Und ICH machte mir tatsächlich Gedanken darüber,
wenn sie nicht nein sagt
wenn sie nicht weg rückt
wenn sie nicht aussieht, als mißfiele es ihr
dann gefällt es ihr womöglich.

Und wenn ich eine gute Mutter bin, dann kann ich doch auch teilen.
Dann darf ich nicht eifersüchtig sein.
Dann sollte ich ihr das Gute doch gönnen.

*Wenn ich das heute so schreibe, könnte ich weinen.
Es ist derart brutal, grausam und schlimm, wenn man so DERART die eigenen Grenzen zerstört bekam, dass es im Leben scheinbar nicht mal mehr den HAUCH eines Mauersteines mehr gibt.
Ich war absolut rein GARNICHT MEHR in der Lage,
nicht mehr FÄHIG,
zu erkennen.
Zumindest in diesem Moment (noch) nicht.*

Erst später
als der Typ so glasige Augen kriegte
so einen tierisch-anmutenden Blick
so was völlig Psychopathisches, Irres
und er fast hechelnd seufzte,
dass die Tochter so derart verlockend sei, dass man es kaum ertragen könne

erst DA
kapierte ich endlich.
Besser spät, als garnicht.
Mein Kind war schreck-starr; dissoziiert.

Jedenfalls hab ich ihn raus geworfen.
Ich hab´s geschafft.

Später dann, so mit 14
als sie oft auf der Straße rumhing, mit anderen vergessenen Kindern und jungen Erwachsenen
da hatte ihr mal einer einfach so,
in die Hose gefaßt und den Finger in sie gesteckt.
Es war schneller wieder vorbei, wie sie hatte begreifen können, was geschieht.
Und doch war sie schwer schockiert.

Ihr „erstes Mal“ hatte sie dann wohl so mit 16.
Vergewaltigt von dem Kumpel eines Kumpels
den sie nicht hatte draußen im Regen warten lassen wollen
den sie in die Wohnung einludt, um dort zu warten.

Davon hatte sie mir aber erst Jahre später erzählt.
Ich war an diesem Tag irgendwo in einem Appartement, um Geld zu verdienen für unser Überleben.
Sie war alleine und vergewaltigt worden, während ich nicht für sie da war.

Aus meiner Sicht wären dies genug Gründe, für OEG.
Aber sie erinnert „nur“ die beiden Letzten.

Und es gibt dafür keine Beweise.
„Nicht schlimm genug“.
Abgewiesen. Fertig.

Es war mir schwer gefallen, nachzufragen.
Sie zu fragen, WAS sie überhaupt beantragt hat; weswegen.
Ich hatte grausam Angst.
Ich fühle mich schuldig.
Ich WEISS, dass und was ich falsch gemacht habe.
Welcher Übersexualisierung und Grenzenlosigkeit ich SELBST sie ausgesetzt habe.
Ich WEISS, dass sie litt.
Auch, wenn sie selbst das vergessen und verdrängt hat.

Ich war gestern einerseits erleichtert, dass sie nicht MICH zum Täter erklärt (hat)
andererseits auch sehr betroffen, dass es für sie keine Anerkennung gibt
ein Rationales in mir empfindet es aber auch völlig logisch – weil wo es derart viele Gewaltopfer gibt, mit weitaus längerfristigeren und schwereren Gewalttaten, die NICHT anerkannt werden,
was wird so ein Amt schon anderes tun, als über solche 2 (beantragten) Einmaltaten hinweg zu gehen?!

Ich weiß nicht, was ich denken soll….
ist sie so naiv?
hat sie geglaubt, es wäre derart leicht, OEG zu kriegen?
hat sie gedacht, wenn Gewaltopfern das zusteht, dann KRIEGT sie das auch?
gehofft, dass die Ämter FAIR wären?

Das einfach so, nur weil sie das sagt, GLAUBEN?

Ich wußte nicht so recht, wie ich mit ihr umgehen sollte.
Was ich sagen sollte.
Ich wollte es nicht schmälern; nicht verharmlosen.
Ihr nicht das Gefühl geben, das wäre nicht schlimm gewesen.

Kein Mensch sollte Gewalt erleben.
Keine Frau vergewaltigt werden.
Nicht ein EINZIGES Mal.

Aber immer wieder werde ich damit konfrontiert,
dass aber unsere GESETZE
auch unsere GESELLSCHAFT
Gewalt nicht als Gewalt WAHRNIMMT.
Nicht erkennen und sehen will.

Immer wieder wird in Skalen unterteilt,
welche Gewalt schlimmer ist, als eine andere.

Man hat immerzu den Eindruck,
dass ein gewisses Maß Gewalt GEFÄLLIGST AUSZUHALTEN IST!!!!

Weil so viele Arten von Gewalt
schlichtweg ENTSCHULDIGT werden.
Weg-erklärt
Weg-begründet
für NORMAL erklärt
ein „Versehen“; nicht-absichtlich.

Oder ist der Alkohol schuld?
Der Stress?
Der sexuelle Reiz? Die Ausstrahlung? Das Lachen?
Ein Mißverständnis?

Gewalt wird schön geredet.
Mit Konfetti bestreut und Papier-Girlanden.

Da muß man halt durch.
Kann man jetzt nicht mehr ändern.
Vergiß es einfach.

Einmalige, oder geringe Gewalt ist schlicht nicht der Rede wert.
Was auch immer das heißen mag.
Aber DAS bestimmen Solche, die noch nie Gewalt erlebt haben.
Männer vermutlich meist.
SIE sind das Maß der Dinge.

Die Tochter merkte mir mein inneres Chaos wohl an.
Ich hab mich zig mal entschuldigt.
Für mein Nachfragen, meine Überforderung, meine Fehler früher…

Sie sagte nur:
„Ist nicht schlimm. Ich hab´s halt versucht.“

Sie hat eigentlich nicht den Hauch von Vorstellung über die Härte und Weite des Weges,
den man gehen muß
bereit sein zu gehen,
bis zur Anerkennung als Gewaltopfer.

Und dennoch IST sie eins.
Auch, wenn sie es lieber verdrängt. Oder zumindest so tut, als ob.

Tja…
Und so verbrachte ich danach den Rest des Tages in merkwürdiger Stimmung.
Hab gehäkelt
nebenbei SOKO Wismar geguckt
abends dann mit dem Mann Salat gegessen
und später dann einen eher öden Film über ein „ganz normales Frauenleben ab 50“
War trotzdem irgendwie interessant.
„Normaler Alltag mit Höhen und Tiefen“.

Ganz normales Leben.
Nicht allzuviel erkannt, reflektiert und verstanden.
So, wie bei vielen halt.
Immer die selben Fehler.
Schweigen.

Um kurz vor 22h waren wir dann schlafen.
Die Nacht war ruhig und schnell.

Ich weiß noch immer nicht,
ob ich, wenn die Tochter und ihr WG-Kumpel kommen
nun Gulasch kochen soll
oder Bolognese.

Mal gucken.
Morgen muß ich einkaufen und vorkochen.

Ich bin erschöpft.
Tief innen.
Zu viele Themen; zu viel Altes; zu viel Fühlen.

Ich bin erschüttert.
Irgendwo.

Nachher versuch ich, den Vogel fertig zu machen.
Gestern hab ich mir auch noch die Anleitung eines kleinen Bären besorgt.
Vielleicht mach ich danach dann einen Solchen.

Wollvorrat verbrauchen.

Nun gut… ich bin leer.
Vielleicht schaff ich es ja auch endlich mal wieder, abzustauben und Staub zu saugen.
Wär mal Zeit.

Laßt es Euch gut ergehen.
Ich wünsche Euch einen Wunder-vollen, schönen Tag.
Viel Kraft und Liebe ❤


Gebloggt am 02.07.2019

Soooooo dooooof

7 Kommentare zu „Anstrengend, überraschend und langweilig an 1 Tag

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