Dieses innere Ausbrennen

das Gefühl vom Auto im Leerlauf, das in den roten Bereich getreten wird und sich doch nicht bewegt
das Gefühl, innerlich zu summen, vibrieren und brummen
das Gefühl, immer mehr und weiter zu wollen, müssen, sollen
aber eigentlich nicht zu können,
weil leer
geht immer noch weiter.

Guten Morgen, ihr Lieben 🙂

Das Fensterputzen gestern war in allerhöchstens 1,5 Stunden erledigt.
Es ist mit dem Mann schon immer so ausgemacht gewesen, dass Fensterputzen SEIN Job ist.
Ich hab´s in unserer Zeit ein einziges Mal gemacht – da hat er sich kaputt gelacht.
Kaum noch aufhören können.
Und gemeint, er hätt ja geglaubt, das sei bloß eine Ausrede.

Aber ich kann ja WIRKLICH keine Fenster putzen!!!!????
Die sind ja verschmierter, als vorher!!!!
*auf dem Boden kringel und totlach*

Seitdem ist es klar.
Fenster sind SEIN Aufgabenbereich.

Letztes Jahr hatten wir uns dann den Fensterreiniger von Kärcher besorgt.
Weil er sich immer den von seiner Mutter lieh.
Und ich HASSE es, wenn er bei seiner Mutter zu Arsche kriecht.
Ich will diese Frau nicht in unserem Leben haben.

So haben wir also unseren eigenen.
Weil – wie er sagte – wir dann auch gut mal ÖFTER putzen können.
Aber wir tun es nicht.
Das letzte Mal war – laut Blog – vor 1,5 Jahren.
Hiervor?
Da sind wir hier vor 3,5 Jahren in die Wohnung gezogen und die Fenster waren sauber.
Also NICHTS zu putzen.

Und vor dem Umzug?
Hatte glaub ICH in der vorherigen Wohnung gut 1,5 Jahre vor dem Auszug geputzt.

So viel also zur Häufigkeit unserer Fensterreinigung.
Manchmal sind wir auch einfach gottsfroh, weil bei all den Regenspuren, Blütenstaub und Straßenstaub kaum noch wer zu uns hinein gucken kann.
Dreckige Fenster sind auch SCHUTZ.
Oft ist mir das einfach viel lieber, als gut hinaus sehen zu können.
Was interessieren mich die Deppen da draußen?!

Und wir staunen jedes Mal, wie viel heller es in der Wohnung wird, wenn sie sauber sind.

Na, jedenfalls ist mein einziger Job, meinen Mann
a) zu nerven, mit Fragen und/oder Tipps
b) Wasser in einen Eimer zu füllen und ihm hinterher zu tragen
c) die Fensterflügel fest zu halten, wenn er außen putzt. Weil er mit der 1 Hand halt nur putzen – aber nicht auch gleichzeitig festhalten kann.
Sobald er innen putzt und das Fenster geschlossen ist, braucht er mich nicht.

So hielt sich meine Arbeitskraft gestern hierbei sehr in Grenzen.
Und er hat echt Spaß mit diesem vibrierenden Reinigungspad und dem Wassersauger.

Endlich kein Gesiffe mehr auf Betten, Fußboden oder Tapeten, wegen zu viel Wasser im Lappen.
Das war immer so kacke früher.

Nun gut.
Eigentlich hab ich gestern garnicht soooo viel getan.
Aber in mir WOLLTE es die ganze Zeit.

Trotzdem saßen wir nach dem Putzen und Frühstücken erstmal in den Sesseln und schliefen direkt weg.
Der Mann sagte dann irgendwann, nach einer Packung Salzstangen, dass er ins Bett geht. Er muß schlafen.
Wir gingen ein bißchen mit ihm – und danach dann in unser eigenes Bett.

Als wir wieder aufwachten, waren 3 Stunden vergangen; der Mann saß im Wohnzimmer und spielte Konsole.
Er hätte nicht schlafen können….

Ich hab dann noch das Restaurant reserviert, wo wir an 2 Abenden essen wollen, wenn wir am Wochenende in die Geburtsstadt fahren.
Mit der Tochter geschrieben, weil wir dann Montag bei ihr auf dem Heimweg vorbei fahren.
Vielleicht hat sie ja Lust und Zeit, dass wir uns sehen.
Eine Liste geschrieben mit Zeug, das wir mitnehmen wollen/müssen.
Endlich einen Wisch für die Krankenkasse fertig gemacht, um ihn zurück zu schicken.
Und dann Bolognese gekocht mit Beilagensalat.

Und irgendwas in mir wollt doch noch soooo viel…
Weiter, immer weiter; irgendwas TUN.

Man sitzt da, soll, will, muß – und kann nicht.
Keine Energie – die wird alleine vom WOLLEN völlig verbrannt.

Ich könnt ewig schlafen.
Hab gestern nicht geduscht
Zähne erst abends geputzt
und hier so vor mich hin gemufft.

Abends dann kam mir mein Vater in den Sinn.
Weil ich so dachte, wie krass es doch ist, wie man muffelt, alleine nach 2 Tagen im selben Schlübber.
Ungeduscht.
Wie muß dann nur mein Vater gestunken haben!!!????

So langsam, vergesse ich die Fakten.
Früher hab ich es noch wirklich gewußt.
Der Vater hat – wenn ich nicht irre – die Socken 4 Wochen lang getragen.
Die Unterhosen 2 Wochen.
Und die Überhosen (Straßenhosen) mindestens 6 Wochen.

Gebadet hat man samstags.
Anderntags bloß Katzenwäsche am Waschbecken.
Und dann hat er die ALTEN Klamotten wieder angezogen.

Sein Bett hat er ghlaub allerhöchstens 1x im JAHR frisch bezogen.
Vielleicht aber, vielleicht… hat er auch immer abgewartet, bis der Bezug von alleine abfiel.
Weil er war schwarz vor Dreck und voller durchgescheuerter Löcher.

Seine Wohnung war voll mit seinem Sperrmüll-Zeug, das er sammelte.
Meist Metall.
Fahrräder, Mofas, Toaster, Kaffeemaschinen, Waffeleisen, …
Selbst im Schlafzimmer stand anderer Leute Sperrmüll.
Er war ein Messy.

Sein Leben war – auch für IHN – eine bloße Qual.
Er war ein sehr wütender Mann.
Aus Ohnmacht, Hilflosigkeit und Ahnungslosigkeit.

Es gelingt mir nicht – und wird es nie – ihn als Täter zu fühlen.
Mein Vater wird für mich immer ein Opfer bleiben.
Genauso, wie auch meine Mama.

Sie waren BEIDE Opfer ihrer Eltern.
BEIDE Opfer von narzisstischen Müttern.
Und ich bin mir nicht sicher…. – bei meiner Mama weiß ich es – ob sie nicht auch BEIDE von ihren Müttern sexuell mißbraucht wurden.

Mein Vater war immer auf der Flucht (- meine Mama ja auch. Sie war gegangen, als ich 3 war).
Mein Vater aber hatte das Sorgerecht für mich.
Und gab mich aber, statt es anzunehmen, zu seiner Mutter.

Er war so gut wie nie da.
Arbeitete nachts – WENN er arbeitete und nicht wieder lieber im Sperrmüll wühlte oder Automaten spielte.
Schlief tagsüber.
Die Oma quälte ihren Sohn noch immer.
Wir wohnten ja alle im selben Haus.

Mein Vater versuchte mir zu entkommen.
Besser, der VERANTWORTUNG.

Manchmal, wenn die Oma – seine Mutter – ihn lang genug nervte
mit ekelhaft widerwärtigem Stakkato in der Stimme unaufhörlich auf ihn ein motzte und schimpfte, wie widerwärtig sein Balg doch sei!!!!
Und dass er endlich mal seine VATERPFLICHTEN(!!!!) erfüllen müsse!!!!
Und endlich mal die Hand erheben müsse!!!!
Damit sein Borst endlich kapiert, dass man SO NICHT MIT OMAS UMGINGE!!!!
dann schlug er mich.

Dann meist mit Faust oder Gürtel.
Dann derart brutal, dass ich vor Angst schon vorher in die Hose machte
Dann brach er mir sogar die Nase.
– dabei hatte er keine Ahnung, WARUM er das tun sollte.
Er wußte es nicht.
Das hatte sie ihm nicht gesagt.

Er war vermutlich einfach nur sauer auf SIE.
Seine Mutter.
Stinke wütend.
Und wollte bloß, dass sie endlich die Fresse hält.
Und zufrieden ist.

Vielleicht war er deshalb kaum da.
Kaum greifbar.
Für SIE.
(auch nicht für mich).
Aber dann brauchte er mich auch nicht zu schlagen.

Meine Oma war eine Hexe.
Genauso, wie auch ihre Tochter (meine Tante) und deren Mann eindeutige und klare TÄTER waren.

Aber mein Papa?
Der war einfach nur eine arme Wurst.
Völlig lebensunfähig.
Hochgradig verschuldet.
Keine Krankenversicherung.
Kein Leben.
Übergewichtig, ungepflegt und verwahrlost – so, wie auch ich.
Gut… nein, dick war ich nicht.
Ich war eher zu dürr.

Wahnsinn, was Mütter anrichten können.
Aber wie war das?
Mütter sind heilig.
Ehre deine Mutter.
Blabla….
Frauen sind keine Täter.
Frauen sind immer nur Opfer.
Ich könnte KOTZEN.

Wahnsinn, was 1x nicht duschen in einem wach ruft.

Jedenfalls fragte ich mich gestern,
wie SCHLIMM mein Vater wohl in WIRKLICHKEIT gestunken haben muß?!
Mit derart ungewaschenen, vollgepißten und verschwitzten Klamotten?
5 Schachteln Zigaretten am Tag?
Schlafen, in einem derart verdreckten Bett?
Inmitten von Sperrmüll?
Da liefen Ameisen durch die Wohnung und Mäuse.

Und doch roch mein Vater für mich immer nach Heimat.
Sein Taxi roch nach Zuhause.
Ich hätte ewig an ihm riechen können.

Weil es so selten war und oft auch so schön.
Weil wenn er mich grade NICHT schlug
und aber DOCH mal da war
dann war er der Held meines Lebens.
Meine Geborgenheit und Sicherheit.
Mein Fels zum Anlehnen und Kuscheln.
Mein über alles geliebter Papa.

Ich hätt ihm so gern geholfen.
Ihm seine Papiere gemacht und den Finanzamt-Scheiß.
Damit er endlich sein Leben auf die Reihe kriegt.

Damit er irgendwann seine Schulden gezahlt hat.
Und endlich leben darf.
Ich hatte mich sehr gefreut, als er seine Freundin hatte.
Er hatte abgenommen, sich gewaschen und gesund gegessen.
Er wurde ein gut riechender, gepflegter toller Mann.
– nur, war er dann GARNICHT mehr Zuhause. Ich sah ihn bloß noch selten.

5 Jahre lang.
Da war ich 7 – 12.

Ok – ich fuhr dann öfter mit dem Rad zu seiner Freundin.
War ja groß genug.
Aber „Heim“ kam er nicht mehr.
Er mied seine Mutter.
Nicht mich.

Aber die Oma schaffte es dennoch.
Hetzte, schürte und spritzte Gift.
Als sie es geschafft hatte, ihren Sohn zurück zu kriegen,
indem sie die Freundin zu Staub und Dreck zermalmte
zerfiel mein Vater völlig und löste sich auf.
Es wurde mit ihm schlimmer, als es je gewesen war.

Ganz am Ende starb er einsam und alleine nach 2 Schlaganfällen im Altenheim.
Ich hab nicht mehr nach ihm geguckt.

Nein, einen Täter kann ich trotzdem nicht in ihm sehen.
Er war ein Flüchtling.
Vor der Mutter, mir, dem Leben – und sich selbst.
Seine Wut hatte versucht, ihm das Leben zu retten.
Aber sie war zu schwach gewesen und hatte sich den falschen Adressaten gesucht.
Gegen seine Mutter gelang es ihm nie zu gewinnen.

Ein Leben umsonst.

Nun gut… – der Mann ist wach.

Wir hatten gestern eh dann nur noch bissi TV geguckt.

Heute hoffe ich, dass dieses Vibrieren endlich nach läßt.
Und ich freue mich auf´s Duschen.
Auch auf´s Frühstück.

Ich wünsche Euch einen Wunder-vollen Tag.
Viel Kraft und Liebe ❤


Gebloggt am 12.07.2019

Immer wieder Neues

5 Kommentare zu „Dieses innere Ausbrennen

  1. Heftig.
    Ja diese heiligen Mütter…da könnt ich auch immer im Strahl….
    Das hab ich mich schon öfters gefragt: riechen das die Leute nicht mehr, weil gewohnt, oder is es ihnen wirklich egal, sind sie schon so sehr abgespalten, das sie es einfach nicht merken…
    und traurig immer wieder, wenn es jemand so schlecht geht…

    Gefällt 2 Personen

  2. Es ist erschütternd, was ihr erlebt habt, aber doch für tausende Kinder tägliche Realität. Erstaunlich, dass man weiß, wie es richtig wäre und später etwas besser machen kann, als es von den Eltern vorgelebt wurde.
    Es gibt in der Literatur immer wieder diese unsinnige Behauptung, dass Menschen mit unserer Gewaltvergangenheit nicht lieben können.
    Doch, wir – ihr und wir- lieben Partner und Kinder.

    Gefällt 2 Personen

    1. Man braucht die Geduld und Liebe von ANDEREN, um zu lernen.
      Vermutlich gehen solche Schreiberlinge davon aus, dass sie diese für Menschen wie uns nicht haben.

      Würde mich zumindest oft nicht wundern.
      Es scheint nicht allzuviele Menschen zu geben, von welchen wir gerne lernen dürfen.
      Aber wir KÖNNEN es durchaus ❤

      Gefällt 2 Personen

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