Memo an mich selbst

Ich sollte öfter an Mama denken.
Öfter reflektieren; es auseinander nehmen; genau hin sehen.
JA, auch die schlimmen, gemeinen, schmerzhaften und fießen Dinge.
AUCH die Dinge, wie sie bei der Scheidung auf der Seite des Exmannes stand und sowas.
Ich will es nicht zu pudern, parfumieren und in Watte packen.

Ich will es gern VERSTEHEN.

Weil eigentlich glaube ich, dass das „Wissen“ (also bestimmt zu 80% aufgrund all ihres Seins) über ihr Viele-sein
mir hilft
all die Logik ihrer Innens zu kapieren.

Verteidiger, Angreifer, Beschützer, gehorsame Kinder, verletzter Seelenschmerz, Selbsthass und Projektion (auf MICH), …

Nein, meine Mama braucht und wöllte auch sicher nicht auf einen Podest.
Sie braucht keine Absolution oder Heiligsprechung.
Kein grundsätzliches Vergeben von Allem.

Aber ich glaube, was meine Mama so wenig erlebt hatte, wie ich,
ist
GESEHEN SEIN.

Ich glaube, DAS hätte ihr geholfen.
Wenn ein einziges Mal ein Mensch wirklich gesehen hätte.
SIE
und all ihr Innendrin.
Das Gute, wie das Verletzte, Leidende, Wütende und Tobende. Alles.

Wenn ich so an sie denke
und mir fast sofort anfangen, die Tränen zu laufen,
muß ich merken und anerkennen
welch unsagbar großer Schmerz noch in mir wohnt.
Sehnsucht, Unverständnis, Härte, Verzicht, die irgendwo stecken blieben; ungelebt.

Auch so viel Liebe, die ich für sie habe und die nie ankommen konnte.
Auch so viel Liebe, die (noch) ersehnt wird.

Wenn ich in den Spiegel sehe,
sehe ich SIE.

Ihre Augen; die Schlupflider; diese „Gnubbelfalte“ am Auge neben der Nase.
Die Lippen; der Mund – nicht immer, aber oft.
Sogar die Güte und Wärme in den Augen. IHRE.

Und die Traurigkeit und den Schmerz.
IHRER; meiner, unserer.

Ich komme nicht umhin, bei und mit meiner Mama zu beginnen, mich selbst zu erlösen.
Und durch mich meine Tochter.
Auch in ihr lebt sie weiter… – meine Mum.

Komisch irgendwie…
Meine Tochter hat mich so gut wie nie mit meiner Mama erlebt.
Und dennoch nennt sie mich genauso, wie ich sie damals.
Mum
Auch Mums oder Mumsi (letzteres nur meine Tochter mich)

Zusammenhänge.
Menschen müßten mehr die Zusammenhänge erfassen.
Ansehen, beleuchten, verstehen und fühlen.
Das Gestern erschafft das Morgen.
Auch im Großen.

Egal, wie unsere Mütter sind oder waren – wir hängen da dran.
Im Guten, wie im Schlechten.
Sehen wir SIE, erkennen wir uns SELBST.
Auch, wenn es erschreckt.

Ich möchte die Dunkelheit ins Licht tauchen
sie erhellen
sie licht und freundlich machen.

Dazu muß man in den dunkelsten Keller eine Kerze tragen.
Und darf keine Angst vor Monstern haben.
Aber ich bin mir sicher,
die Monster haben selbst Angst vor der Kerze.

Die mögen kein Licht.

Ich möchte meine Mama lieb haben dürfen.
Auch so, wie sie war.
Auch weit entfernt von *perfekt*.
Sie hatte es zumindest versucht.
Versucht mit Hilfe, Therapie und einem besseren Leben.
Sie kann nichts dafür, dass sie zu früh dran war.


P.S.:
Eben kommt mir noch in den Sinn,
dass es (falsche, gemeine, schmerzhafte) Dinge gibt,
die tun manche Menschen aus Ohnmacht, Unwissenheit oder Verzweiflung.

Und andere Menschen,
die tun sie aus HASS und zum Zwecke der Zerstörung.

Ich glaube, meine beiden Eltern waren vielmehr verzweifelte Opfer.
Zerstört von ihren eigenen Mütter durch HASS.

Hass, den auch mein Onkel auf mich hatte.
Und meine Tante machte mit…. Irgendwie Co-abhängig von ihrer Mutter und dem Ehemann gleichermaßen.

Ich ahne, weshalb ich so sehr die Liebe such(t)e.

2 Kommentare zu „Memo an mich selbst

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