Dieses Mensch-sein

Guten Morgen, ihr Lieben 🙂

Ich bin wach seit 3.48h.
Schon gegen 23h 30 war ich mal wach für WC.
Ich hatte mir im Schlaf irgendwie wieder den Hals abgedreht.
Mein rechtes Ohr pfeift noch immer in irrer Lautstärke.
Ich hab Kopfschmerzen.

Als ich mich hinlegte – gegen 22h und dann nochmal gegen halb 12 – hatte ich irrsinns Schmerzen im gesamten Torso, vorne und hinten,
immer wie so kleine Feuerwerks-Sterne, die an silvester am Himmel platzen
ständig an anderen Stellen stechend
und bekam Angst.

Das war irgendwie überall und nirgendwo.
Da – und gleich wieder weg.
Nicht zu verorten.
Es fiel schwer, einzuschlafen.

Im Moment fühle ich mich, als hätte ich mir im Schlaf selbst die Luft abgedreht.
Das Hirn ohne Sauerstoff gelassen.
Immer wieder.
Und nun tut es weh.

Ich MUSSTE aufstehen.
Es wäre wohl nur schlimmer geworden.
Hätte ich versucht, weiter zu schlafen.

Eigentlich war ich eben beim Rauchen drauf gekommen, dass der Mann und ich uns da wirklich eine große Stärke erarbeitet haben.
Dass wir gemeinsam da ein riesiges Stück Weg geschafft haben.
Jeder für sich selbst – aber auch für den Anderen.
Für unser Gemeinsam.

Weil wir langsam fühlen können,
was Mensch-sein bedeutet.
Weil wir sehen lernen, anerkennen und vergeben.
Jeder sich selbst und dem Anderen.

Ich glaube, das ist für uns ein ganz großer Schritt und auch Gewinn.

Dann war ich eben rauchen und dachte hierüber also nach.
„Mensch-sein“.
Und dann wabberte mir plötzlich meine Oma (wieder) ins Hirn.
Erinnerung daran, dass ich eben noch von ihr geträumt hatte.
Wie ich weinte, mich fürchtete und mich nicht wehren konnte.

„Du bist wie deine Mutter!!!!!!“
„Du bist NICHTS!!!!!! als eine kleine, dreckige Hure!!!!!“

Das hörte ich schon als ganz kleines Kind.
Ich glaube, das sagte sie schon, da war meine Mama noch da gewesen.
Aber in jedem Fall sagte sie es, als Mama weg war.
Geflohen aus der Ehe mit meinem Vater.
Geflohen vor der Oma; der Schwiegermutter.
SchwiegerMUTTER – einer „Mutter“, die war, wie ihre eigene.
Da war *ich* 3.

Vorhin dachte ich kurz darüber nach, wie sie sich das alles wohl VORGESTELLT hatte?!
Als ich 14 war, hatte Michi sie ja so total zusammen gedroschen.
Sich gewehrt.
Sich gerächt.
Die Oma angebrüllt, ihr den Rohrstock entrissen und sie SELBST mit ihrer EIGENEN WAFFE derart verprügelt, bis er an ihrem Körper zerbrach.

Danach?
Danach konnte die Oma nicht mehr laufen.
Ärzte fanden nichts Körperliches.
Es war wohl seelisch.
Man sagte, das sei der Schock gewesen.
Psychische Reaktion auf meine Gewalt.
Schock-Starre oder sowas.

Und sie?
Schrie den ganzen Tag aus ihrem Bett heraus „DU BIST SCHULD!!!!“
Und klingelte mit der Weihnachtsklingel unaufhörlich.
Weil sie Wasser wollte; Trinken.
Oder Essen.
Oder weil sie mal mußte.

Oder, weil sie Befehle erteilte, was zu tun sei.
Ich sollte nicht mehr in die Schule gehen – weil schließlich war ICH JA SCHULD.
Ich sollte sie gefälligst pflegen.
Und ihre 3 Kinder (ok – mein Vater sagte sows nicht, aber es verhielt sich so) meinten, dass ich ja nun lang genug
SO VIEL GUTES
von ihr bekommen hätte,
dass ich ihr das auch SCHULDIG sei!!!!

Weil schließlich müßten SIE ja arbeiten!!!!
Sie KÖNNEN sich garnicht kümmern.
Und ich würde dort ja WOHNEN.
Also, müsse ich mich auch kümmern!!!

In dieser Zeit fielen meine Schulnoten auf dem Gymnasium vollends ganz in den Keller.
5en und 6en im Zeugnis.
Aber sie hatten es ja eh gewußt.
Ich bin zu dumm für´s Gymnasium.
Es wäre Zeit, dass ich meinen Pflichten nachkomme.
Ich wäre es ihnen schuldig.

Ich mein…. ich lebte dann dort mit ihr in der Wohnung.
So, wie auch bisher.
Ihre „Kinder“ kamen nur sporadisch.
So, wie auch bisher immer.

Ich weiß nicht wie lange – aber lange war es nicht.
Irgendwann kamen Pflegerinnen von der Diakonie.
Ich glaub, 2x täglich.

Und irgendwann dann kam sie in ein Heim.
Da war ich dann alleine in der Wohnung.
Mein Vater kümmerte sich ja auch nur periphär.

Als ich 16 war, kam ich dann kurzzeitig zu Mama.
Ich hoffte und träumte ja – und bemühte mich sehr – dass sie mich nun DOCH behält.
Dass sie DOCH sagt, ich darf bei ihr bleiben.
Aber ich duschte ihr zu oft.
Ich war ihr zu „versaut“.
Zu „obszön“.
Zu „kaputt“.
Sie schickte mich ins Heim.
Dorthin, wo ich hatte hin sollen.

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Wie hatte sich die Oma das eigentlich vogestellt????
Auch ihre 2 Töchter????????
Dass ich dann ab 14 nur dazu da bin, sie zu pflegen?
Mich nur um SIE zu kümmern?
Keine Schule? Keine Ausbildung? Kein Nichts?

Wie lange hätte das gehen sollen?!
Hätte nicht meine eine Lehrerin beim Jugendamt Alarm geschlagen – wie lange hätte das gehen sollen?
Die Alte ist stein alt geworden!!!!
Die lebte dann im Heim glaub noch gut 15 Jahre weiter!!!!
Hätte ich dann SO LANGE mich Daheim um sie kümmern gesollt?
Zur „Wiedergutmachung für all das GUTE“?????? – das ich da angeblich bekommen hatte….
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Nun gut – im Heim hatte ich dann ja, mit meiner dortigen Freundin N.
mein allererstes Erlebnis auf dem Babystrich.
Mit 16.

Dann kam mein Exmann in mein Leben, der diese, meine Geschichte von seiner Schwester erfahren hatte, die mit mir im Heim lebte.
Er WUSSTE also, dass ich einen „Hang“ zur Prostitution hatte.
Dass da *irgendwas* bei mir kaputt war.
Bloß, ICH wußte das nicht.

Er köderte mich und am Ende dauerte es nur kurze Zeit und einen Einstieg über Telefonsex,
dann Fotos und Filmchen
Massagen; „Handarbeit“
bis ich am Ende „richtig“ in der Prostitution gewesen war – und er mein Geld hatte.

Was hatte Oma immer gesagt?
Ich sei eine dreckige kleine Hure (wie meine Mutter).
Sie hatten ja auch wirklich ALLES dafür getan.
Mit vollem Körpereinsatz.

Ich erinnerte mich vorhin daran, wie irgendwann mein Vater bei uns zu Besuch war.
Er kam recht selten.
Aber seine Enkelin sehen wollte er dann doch hin und wieder.
Er kam grundsätzlich unangemeldet; zu den blödesten Zeiten und immer dann, wenn die Kleine gerade eben eingeschlafen war.
Und er forderte immer, dass ich sie für ihn aufwecke.
Hab ich nicht – aber dann gabs Zoff.

Jedenfalls gab es da mal diesen Tag
da hab ich heulend, schniefend und verzweifelt neben ihm auf dem Sofa gesessen und ihm gesagt,
dass es jetzt soweit sei.
Dass Oma nun Recht behalten hätte.
Und alle Recht hatten.
Weil ich nun sei, was sie immer wußten.
Eine kleine, dreckige Hure.
Und dass er sich nicht wundern soll, wenn er irgendwann in einem Puff wieder sein Kopfgeld abficken will.
Es könnte sein, dass er dabei auf MICH trifft.

Ich war so vollkommen verzweifelt.
Fühlte mich wie Dreck und Abschaum.
Unwert und widerlich.

Ich glaube, er hat es mir einfach nicht GEGLAUBT.
Er hat es einfach irgendwohin geschoben und vergessen.
Es war einfach nicht da.

So, wie er ja auch auf dem Sterbebett noch immer fragte, ob das wirklich WAHR war, mit dem Onkel.
Er konnte es nicht glauben.
All die Jahre nicht.


Eben beim Rauchen merkte ich die Anspannung.
In mir ist alles verkrampft.
Es ist schon viertel nach 5.
Ich schreibe schon lange.
Mein Bauch und der Rücken vibrieren vor Härte.
Ich atme kaum.

Was für eine unsagbar BÖSE Frau….
Diese „Oma“.
Wie grausam und gemein; wie hart und sadistisch.
Es ist schlimm, das zu fühlen.

Etwas im mir könne draußen stehen und kreischen
Brüllen, wie ein verletztes, wildes Tier.
Die gesamte Nachbarschaft wecken.
Und ihnen zeigen, wie sehr es leidet.
Doch es kann nichtmal weinen.

Wo hatte ich hin gewollt?
Ursprünglich?
„Mensch-sein“…..

Das nun war wohl das Gegenteil dessen.
Oma war UNmenschlich.

Aber eigentlich
hatte ich davon schreiben wollen,
wie gut es ist, zwischen dem Mann und mir.

Und wie weit wir inzwischen schon gekommen sind.

Weil wir beide inzwischen kapiert haben
es sehen können und wissen
dass man nicht IMMER und UNUNTERBROCHEN gut sein kann.

Fehler zu machen, ist menschlich.
Schwach zu sein, ist menschlich.
Getriggert zu sein und auch mal unfair oder blind, ist menschlich.
Bedürftig zu sein, unfähig, wehrhaft, ist menschlich.

Wenn wir Streit haben
oder Irrtümer
und falsch verstehen
oder auch richtig
wenn wir aneinander geraten und es mal ordentlich knallt im Karton
ist das menschlich.

Wenn wir einander mal so richtig Scheiße finden
wenn wir auch mal kurz überlegen, ob eine Trennung nicht besser wäre
wenn wir uns fragen, ob wir alleine nicht leichter leben würden
wenn wir nahe dran sind, am Aufgeben und Resignieren
uns selbst und/oder den Anderen
ist das menschlich.

Selbst wenn aus uns heraus
all die Scheiße explodiert,
die irgendwann mal ANDERE in uns hinein geprügelt hatten
und wir einander verletzen
ist das menschlich.

Wir begreifen, sehen und erkennen immer besser,
nicht nur den ANDEREN zu sehen
DESSEN Fehler
sondern auch die eigenen.

Und nicht nur dem Anderen zu vergeben,
sondern auch uns SELBST.

Es ist nicht Ziel des Lebens
nicht Aufgabe im Mensch-sein
perfekt zu sein oder werden.

Sondern wohl vielmehr
zu lernen
dass das alles mit dazu gehört.

Und sich trotzdem
auch damit
auch hier (hin-)durch
ZU LIEBEN.

Sich selbst und den Anderen.

Den Weg zu erkennen, der zu gehen ist.
Ihn GEMEINSAM zu gehen.
Jeder den eigenen Weg
und doch miteinander
einen gemeinsamen.

Ich glaube, dass auf der einen Seite das Wollen von BEIDEN steht.
Sehen (lernen) WOLLEN
Fühlen (lernen) WOLLEN
Heilen WOLLEN
BEIDE.

Dann kann das auch gelingen.

Nicht so, wie in meiner ersten Ehe.
Wo mein Exmann glaubte, er könnte sich hin hocken, die Augen schließen und auf´s Sterben warten.
Der glaubte, Wegzusehen würde machen, dass alles gut ist.
Ignorieren
Verdrängen
Verleugnen
und alles MIR in die Schuhe zu schieben.

Aber nun, mit diesem, meinem Mann,
kann es gelingen.

Weil wir lernen,
dass Fehler passieren.
Dass Fehler dazu gehören.
Und nicht schlimm sind.
Nicht, wenn man vergeben kann.
Und sehen, dass man SELBST auch nicht immer alles richtig macht.
Fehler gehören dazu, zum Mensch-sein.

Gestern Abend saßen wir hier noch eine gute Zeit lang gemeinsam vor dem Fernseher.
Unsere Differenzen haben wir zur Seite geschoben – es war noch nicht reif.
Zu früh; zu wund; zu verletzt, um drüber zu reden.
Erst braucht es eine Kruste auf der Wunde.

Es war ein schöner, ruhiger Abend.
Und als ich hinsah, was er da eigentlich aß,
mußte ich in mir schmunzeln.

Doch, er ändert sich.
Doch, er paßt auf sich auf.
Das war garkein Süßkram zum Trost.
Er aß Nüsse.
Auch die helfen.

Wir werden sehen, ob wir vielleicht später dann noch drüber reden.
Ob das überhaupt *groß* werden muß, dieses Reden.
Trigger halt….
Immer wieder diese Trigger.
Verletzte kleine Kinder, die in ihrem schlimmsten Schmerz angedongt werden.
Und Große kommen, um dem *Feind* ordentlich auf die Fresse zu hauen und die Kleinen zu schützen.

Es war nicht gelungen, sich die Anerkennung SELBST zu geben.
Man hätte sie vom Anderen gebraucht.
Doch der brauchte sie SELBST.

Mensch-sein.
Passiert.

Wir üben noch.

Gestern Abend sah ich draußen auf dem Grün den 2. Igel dieses Jahres.
Ich hab mich ganz doll gefreut.
Einerseits.

Andererseits ist es voll traurich.
Weil die kommn immer nur, wenn´s schon zu dunkel ist zum Fotografieren.
Und es ist nur ein Einzelner.

Die Jahre zuvor waren es immer 3 – 5.
Sie waren ständig da.
Und auch schon, wenn´s noch hell war – oder morgens.
Irgendwas ist ungut geworden für die Igel.
Das macht mich traurich.

Ich wünsch Euch einen Wunder-vollen Tag.
Viel Kraft und Liebe ❤


Gebloggt am 22.07.2019

Leben verdauen

2 Kommentare zu „Dieses Mensch-sein

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