Was Ärzte nicht wissen – über *echte* Hilfe

Echt – zumindest für MICH.
Ich weiß nicht, wie es Euch so geht.
Mit Ärzten und Helfern, auch ganz allgemein.

Ich persönlich halte mich – zum Glück, endlich – ja nicht (mehr) für dumm.
Ich glaube inzwischen sogar, was Tests belegt hatten – dass ich recht klug bin.
Aber Klugheit bedeutet für mich nicht, alles zu wissen.
Noch nicht mal viel.

Klugheit bedeutet für mich viemehr,
zu erkennen
an-zuerkennen,
dass ich in Wirklichkeit – in Relation zum ALLES – so gut wie garnichts weiß.

Klugheit bedeutet für mich,
zu begreifen
zu erkennen
und danach zu leben,
dass jenes, das ich zu wissen glaube,
nicht zwingend die Wahrheit ist.
Die ultimative Wahrheit – jene, die für ALLE gilt.
Allenfalls ist sie meine ganz persönliche Wahrheit.

Und demnach ist Klugheit
zu verstehen,
dass ich jedes Menschen persönliche Wahrheit
sein persönliches Fühlen
sein persönliches Denken und Sein
garnicht kennen kann.

Ergo ist Klugheit
zuzuhören
sich einzulassen
nachzufühlen (zu versuchen)
zu glauben und anzunehmen
offen zu sein.

Ich kenne es aus der Prostitution
so, wie ICH sie lebte und umsetzte
ganz zum Ende hin.

Was ich mir hart erarbeitet hatte und was mir dabei wichtig und wertvoll war.

Präsent zu sein und anwesend
Ganz Ohr für mein Gegenüber; ohne Ablenkung
Verstehen zu wollen, was er fühlt und weshalb.
Was er sich wünscht und warum
Was er ganz sicher NICHT will
Und worin seine Hoffnungen liegen.

Es ging am Ende ja kaum noch um Sex.
Vielmehr ging es um verzweifelte, traurige, einsame, schlimme Gefühle oft.
Bei Wittwern, die eine Umarmung ersehnten
Sozialphobikern, die kaum in der Lage waren, überhaupt zu mir zu kommen – körperliche Berührung kaum möglich, da selbst das in-die-Augen-Sehen schon schwer fiel.
Absolute beginners, welche sich zu Tode schämten, weil sie sich minderwertig und/oder häßlich fühlten; ungewollt
Behinderte Menschen jeder Art, welchen Sex nach „standard“ oft garnicht möglich war.



Es ging um achtsame, vorsichtige und einfühlsame Annäherung.
Darum, menschlichen und körperlichen Kontakt überhaupt möglich zu machen.
Um Vertrauen.

Man mußte erst gemeinsam das Wie und Was heraus finden.
Grenzen fühlen und respektieren.
Und mit jenem sanft umgehen, das möglich war.

Die letzten Jahre in der Prostitution waren weit weg von Jenem, das es zu Beginn gewesen war.
Ich hatte mir da auch für MICH sehr viel geschaffen und erobert.
Anfänge des Fühlens.
Und sehr viel Mut und Stärke.

Auch ich war ein Helfer.
Für sehr viele Menschen, die in der „normalen Prostitution“ nur beschimpft, gedemütigt oder rausgeworfen worden wären.
„Zu kompliziert“.

Wo will ich eigentlich hin?

Ärzte sind zu oft der Überzeugung, sie wüßten alles.
Sie können alles.
Und was sie sagen, gälte für ALLE.

Schließlich haben sie jahrelang studiert und womöglich über 30 Jahre Berufserfahrung.
Und so erwarten sie oft – GEFÄLLIGST!!!! – dass Du als Patient diesem Standard entsprichst.
Dass die Medikamente wirken, wie bei „jedem“.
Dass Du tust, was sie verlangen!!!!
Dass Du gefälligst froh und dankbar bist, dass sie dir sagen, was Du falsch machst.
Dass Du nur niemals ABER sagst.
Dass Du nicht auf die Idee kommst, irgendwas besser zu wissen, als SIE.
Sie bewerten, be- und verurteilen dich.
„Checken dich ab“
Waschen dir den Kopf und verlangen, dass Du reumütig deine Fehler einsiehst.

WEIL SIE ALLES WISSEN!!!!
über dich.

Du sollst ihnen nicht ihre Zeit stehlen.
Und außerdem kapieren, dass sie in Wahrheit arme Schweine sind.
Weil die doofen Krankenkassen ja nur noch 3min. bezahlen, pro Patient.
Und Du bloß nie länger brauchen sollst.
Weil sonst arbeiten sie ja ohne Bezahlung.
Das bist Du ihnen nicht Wert.

Du sollst funktionieren, erfüllen, erbringen und leisten.
Weil der Arzt schon weiß, was gut für dich ist.

WIE GRAUENHAFT!!!!

Und so ist das aber auch bei vielen anderen Helfern.
Dass es darum geht, dass Du für SIE etwas tun sollst.
IHNEN etwas geben.
– und wenn es Anerkennung ist, Lob, Dankbarkeit.

Eine Steigerung ihres Selbstwerts.

Der selbstverständlich – in deren Augen – sich nicht einstellt,
sobald Du
„Ja, aber …“ sagst.
Oder denkst, Du wüßtest über dich und deinen Körper und Seele BESSER Bescheid.

Schweig!!!! Du undankbares Ding!!!!

Täterverhalten überall.
Unreflektierte Helfer, welche nicht reif genug sind,
anzuerkennen,
dass es bei HILFE nicht um SIE geht.
Sondern um jenen, der diese Hilfe braucht.

Wie soll Hilfe hilfreich sein,
wenn sie alleine dem Helfer nutzen darf?

Warum fällt es Menschen oft so schwer zu verstehen
zuzulassen und zu erlauben,
dass der Hilfesuchende die Grenzen und den Rahmen bestimmt?
In welchem er sich bewegen kann und möchte und was ihm tatsächlich hilfreich erscheint?!

Ein guter Helfer versteht das.
Ein guter Helfer orientiert sich am Gegenüber
– und nicht an sich SELBST.

Ich mag es sehr,
wenn Helfer so sind, wie meine Thera und auch die PsychSozFrau.

Ganz normale Menschen.
Echt und authentisch.
Glaubhaft und -würdig.
In ihrem ganzen Sein.

Im Guten
aber auch in all ihren Fehlern, Schwächen und Mangeln.
Ehrlich, durch und durch.

Ich mag es,
wenn auch ein Helfer sich selbst zu sagen erlaubt,
dass er etwas nicht weiß oder kann.
Dass er unsicher ist oder ängstlich.
Dass er auch MEINE Hilfe braucht, um MIR Hilfe zu GEBEN.

Helfen ist TEAM-work.
Ich bin TEIL des Teams.
So, wie auch der Helfer.

Das ist STÄRKE – nicht Schwäche.
Und ich wünschte mir, mehr Helfer könnten sein, der/die sie SIND.
Mit allem.
Aufrichtig und mit Herz und Seele.
AUCH ÄRZTE.

4 Kommentare zu „Was Ärzte nicht wissen – über *echte* Hilfe

  1. Gut gebrüllt Löwe 🦁
    Ich finde an unserer thera auch gut, dass sie auch ehrlich sagt, wenn sie etwas nicht weiß oder auch wenn sie ein Nein von uns akzeptiert. Denn all das andere , also immer schön brav und lieb zu sein, nichts zu hinterfragen das kennen wir doch lange genug

    Gefällt 2 Personen

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