Immer wieder das Bad

Guten Morgen ihr Lieben,

ich bin sehr still geworden, in letzter Zeit.
Klar – irgendwie ist es oft so.
Wenn der Mann Urlaub hat – und das hat er dieses Jahr verdammt oft, wegen dem aufgelaufenen Urlaub durch sein Kranksein – dann steht mein normaler Tagesrhythmus Kopf.
Nichts ist wie sonst.
Und ich bin kaum allein.

Aber oft hab ich auch entweder nichts zu sagen
oder derart viel, dass es kein Worte dafür gibt.

Es ist sehr anstrengend im Moment.
Unsagbar viel Schmerz.
Meist eher körperlich.

Immer wieder frage ich mich, ob ich Kaffee-Entzug habe.
Oder ob der Lindenblüten-Tee das verursacht
Oder ob das Weglassen vom Kaffee nicht Entzug – sondern innere Freiheit und Loslösung verursacht; bzw. der Tee.
Dass es vielleicht egal ist, welcher Tee.

Ob der Schmerz nicht vom Fehlen des Kaffees kommt
sondern eher vom Fehlen irgendwelcher Gefängnisse?
Ich weiß nur, dass es seit der Umstellung irgendwie sehr heftig geworden ist.

Ewig irgendwelche Kopf- oder Körperschmerzen.
Oft auch große Gereiztheit.
Schnelles Getriggertsein.
Häufig auch Streits mit dem Mann – aus irgendeiner Überforderung heraus.

Es ist verdammt schwer geworden.

Gestern war Freitag.
Ich hatte Thera.

Vor der Thera jedoch hatte ich einen derart fießen Trigger-Streit mit dem Mann…
So hatten wir das schon lange nicht mehr.

Es war eigentlich total doof.
Der Plan war eigentlich, dass ich nach der Thera noch in den Supermarkt gehe – so, wie oft.

Irgendwer in mir hatte dann aber die Idee,
man könnte den Mann ja mal fragen,
ob wir nicht gleich gemeinsam fahren sollten?
Dann könnte er in den Getränkemarkt und die Flaschenbatterie im Keller los werden.
Während wir dann einkaufen.

Total banal.
Einfach mal fragen.

Da springt der auf und rennt ins Bad.
Kacken, duschen, rasieren, ….
Irgendwie hektisch.

Eigentlich hätten wir schon da auf´s WC gemußt.
Aber wenn der im Bad ist… wir wollen das nicht immer.
HIn und wieder geht es – aber nie GERNE.
Und oft halt auch nicht.

Also haben wir gewartet.
Und der Mann braucht Zeit.

Wir ham ihn dann rausgehn hören – aber leider nicht wieder rein.
Als wir dann ins Bad sind, um endlich in Ruhe auf´s Clo zu dürfen, stand er wieder am Waschbecken. Nase popeln mit Clopapier.

Wir ham gesacht, dass wir geglaubt ham, er sei raus. Weil wir müsen.
Un da hat er gesacht, wir könn´, weil er gleich wech is.
Un wie wir sitzn, had er mit Parfum sich eingedieselt…
an sich vorbei fast un ganz viel.

un alles zu uns.

(Das Waschbecken ist genau gegenüber; diret vor dem Clo)

Un wir ham des ganze parfum im Mund gehabt un der nase und überall.
Keine Luft mehr gekriecht.
Un alles is zu gegeht.
Popo zu un vorne zu un alles zu.
Keine Luft mehr, kein Kacka mehr un kein pieseln mehr.

Dafür habt geweint.
Un geschluchzt.
Un nimmer lebnn gewolld.

un nur noch gezittert.

Un dann simmer gesitzt un irgendwer von innen hat zum Mann gemotzt.
Was er sich bloß denkt????
Obb das hat wirklich sein müssen?!

Un nach Ewig wo nix ging außer heulen, hammer aufgesteht. mit nix.
un ein Großes hat mit dem Mann angefangen zu maulen.
Un der is dann au durchgedreht.

Weil er nix gedacht had.
Un nix böses wollt.
Schließlich hätte ja ICH gesagt, er müßte sich beeilen!!!!
Er wollte ja garnicht.
(schdimmd aba ned)
Beeilen sollt der sich ganed.

Unn dann gabs Streit.
Un weil des so weh tat, is in uns irgendwas auf gegangen.
Des is wie beim „Exorzist“.
Da wird die Stimme ganz grausig.
So wie besessen.
Ganz gruselig.

Un es kam bloß noch Schimpfen aus uns raus.
Sowas wie
„dumme Psychofotze blöde fickhure kannst ja eh nix anderes als kaputt sein bist zu blöd zum scheißen dumme drecksau verdammte“

und der Mann denkt dann, dass wir glauben, dass ER so denkt.
Der kapiert nich, dass innendrin irgendeins IN UNS so denkt.
Dass da so viel Dreck, Schmerz und Gewalt ist, die dann aufplatzt vor lauter Weh….
Des is voll schlimm.

Un bloß weinen, heulen un schimpfen.
Un dann ist der völlig durch geknallt.
Dann hat der Mann auch nur noch gebrüllt.
Gezittert.
Der war auch irgendwie getriggert.
Un hat hier mit der Fernsehzeitung rum geworfen.
Hin geschmissen, aufgehoben und wieder geschmissen.
Wollt sie zerreißen, kaputt machen, zerstören.

Wut ablassen.

Un ichwir saßen hier auf dem Hocker.
Irgendwer wollt sich unbedingt schützen.
Die Hände übern Kopf und zusammenkauern.
Irgendwer dachte, jetzt ist der so, wie der Exmann.
Jetzt ist es so, wie immer.

Ein anderes dachte, dass wir uns GARNICHT schützen.
Brauchen und wollen wir nicht.
Wenn er uns jetzt tötet, ist es endlich vorbei.
Wenn er uns jetzt einfach umbringt, müssen wir nicht mehr leiden.
Es saß da und hoffte, dass er es TUT.
Damit endlich schluß ist, mit diesem Leben und der Traumahölle.

Noch ein anderes hat uns einfach ausgeknippst.
Sitzen, schweigen, warten.
Nichts fühlen.

Der Mann schrie sich leer.
Rannte in sein Zimmer.
Hat uns kein einziges Mal berührt – nur die TV-Zeitung ruiniert.

Jede/r hier versuchte, sich wieder einzufangen und zu beruhigen.
Sturm vorbei.

Irgendwann warf er in die Wohnung hinein, dass er jetzt zur Bank geht.
Und verließ die Wohnung.
Während ichwir dann ins Bad gingen und duschten.
Darm und Blase verweigerten weiter ihre Öffnung.

Als er wieder kam, blieb er noch in seinem Zimmer.
Bis ich dann um kurz nach 10 Richtung Thera fahren wollte.
Da saß er eben in der Küche,, um was zu essen.
Und wir schafften es tatsächlich, uns zumindest schon wieder zu berühren und uns zu sagen, dass wir uns lieben.

Die Thera meinte später, das sei eine große Leistung.
Das sei viel Arbeit gewesen in unserer Beziehung.

Aber klar…
ich hab das schon kapiert.
Dass es auch IHN abgeschossen hat.
Dass auch ER irgendwie getriggert war.

Es bleibt nichts anderes,
als dann wenn es geht, diesen Schritt zur Seite zu machen
und nicht nur sich selbst, sondern auch den Anderen in Liebe zu betrachten.

Wir haben BEIDE gelitten.
BEIDE großen Schmerz gefühlt.
BEIDE Ohnmacht und das Ausgeliefertsein an unsere Vergangenheit erlebt.
Ich will das anerkennen und mit beachten.

Während ich bei der Thera war und diesen Schmerz mit ihr gesprochen habe
war Zuhause nochmal der Fensterschloß-Fuzzi und hat in meinem Zimmer das letzte Fenster gesichert.
Der Mann hat sich gekümmert.

Auf dem Heimweg war ich dann – wie ursprünglich geplant – im Supermarkt.
Und hab dem Mann ein paar Kleinigkeiten mitgebracht, über die er sich freute.

Es ist so schrecklich.
So grausam.
Welche Not und Qual in solchen Situationen aus uns hervor bricht.
Welcher Schmerz.

Die Thera meinte, dass das Bad für mich so oder so sehr sensibel ist.
Weil im Bad sehr viel Grauen geschah.
Durch die Oma.
Durch Onkel und Tante.
Und dass es vielleicht gut sei, das auf dem Schirm zu haben und für mehr Schutz zu sorgen.

Ich hab eigentlich immer die Badtüre offen.
Weil ich geschlossene Türen nicht mag.

Aber vermutlich sollte der Mann mehr auf dem Schirm haben,
wie sensibel ich da bin.
Viel zu oft ist bei mir apruppt einfach alles zu.
Dann kann ich einfach nicht mehr.
Alles weg.

Und es macht große Not, *mich* gestört zu fühlen.
Diese Angst, dass Oma jetzt gleich ins Bad kommt.
Das ewige sich-beeilen-sollen.
Das kontrolliert-Werden.

Wir habens wieder hin gekriegt.
Als ich Heim kam von der Thera war es wieder gut zwischen uns.
Wir haben miteinander geredet.

Ich hab später dann noch geschlafen.
Während der Mann sich mit seiner Freundin traf.
Seiner früheren Kollegin.

Unser Tattoo-Termin wurde nun wegen Corona auch verschoben.
Eigentlich wäre er Ende September gewesen.
Nun wird es November.

Aber eigentlich ist das sogar gut.
Weil nächsten Monat fahren wir ja schon wieder in Urlaub.
Und ich hatte mir jetzt da am See eine Hose an Stacheldraht zerrissen, als ich meinte, drüber steigen zu müssen.
So hab ich mir gestern wieder ein paar Klamotten bestellt.

Ich schließe mit einem Foto aus dem Urlaub:

Ich wünsche Euch einen wunder-vollen Tag.
Viel Kraft und Liebe ❤


Gebloggt am 04.09.2019

Veränderungen

05.09.2019

Es ist alles so krass

06.09.2019

Ich bin so müde

07.09.2019

Mein Mann bricht zusammen

08.09.2019

Halb 6 bin ich aufgewacht

09.09.2019

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Was sind wir durch den Wind

10.09.2019

#Thema Körper und Kranksein
Auch beim Mann
Ich erschrecke

4 Kommentare zu „Immer wieder das Bad

    1. Danke ❤

      Ja, es ist eigenartig.
      Diese Trigger-Explosionen scheinen einerseits immer heftiger und schmerzhafter zu werden.
      Tiefer irgendwie.

      Andererseits haben wir aber auch immer besseres Werkzeug.
      Wir können (einzeln und als Paar) offensichtlich besser damit umgehen.
      Vielleicht ist es auch gerade dieses Werkzeug, das das Sichtbarwerden von solchem Grauen überhaupt erst ermöglicht und erlaubt.

      Aber es ist echt heftig.
      Auch Euch einen guten Tag ❤

      Gefällt 2 Personen

  1. Ich habe euch gelesen. Das ist schon wirklich heftig. Und ich mag der Thera zustimmen. Da ist einfach so viel schlimmes passiert….
    Aber ich hatte einen spontanen ganz pragmatischen Gedanken, den ich hier lassen wollte: wenn ihr umzieht, wann immer das sein wird, könnte es doch vielleicht Sinn machen, dass ihr eine Wohnung sucht, in der es zwei Badezimmer gibt. Damit ihr eines für euch habt. Ganz für euch allein mit viel Sicherheit und störungsfrei. ❤

    Gefällt 1 Person

    1. 🙂
      Ein Gäste-WC wäre vielleicht schon eine gute Idee.
      Bis dahin glaube ich, müssen wir einfach besser oder anders kommunizieren.
      Wenn er weiß, wo ich bin, bzw. dass ich Ruhe brauche, klappt es inzwischen wohl auch besser.
      Der hat das wohl öfter einfach nicht auf dem Schirm.

      Aber jetzt arbeitet er auch wieder ein paar Wochen. Da hab ich dann viel Ruhe für WC 🙂
      Danke ❤

      Gefällt 1 Person

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