Ich hab das Gefühl, ich steh

im Schlafen ein.

Hab ich eben zum Mann gesagt, als er ging.
Und der Satz zeigt ziemlich klar meinen Zustand heute Früh.

Guten Morgen, ihr Lieben 🙂

Gestern hab ich mich also spontan entschieden, doch mal mit zu machen – irgendwie.
Ich freu mich sehr darüber, Euch sehen zu dürfen.
Das wollte ich gern zurück schenken.
Zumindest, so gut es geht.

Und ich hab meine Fotos x mal durch geguckt.
Es gibt einfach keine wirklich Aktuellen, wo man meine Augen sehen könnte.
Und die Augen sind mir irgendwie wichtig.

Also hab ich mich für ein Bild von 2013 entschieden, auf dem man sie zwar auch nicht so richtig sieht – aber es ist ein Anfang.
Das war direkt nach meinem Ausstieg.
Als ich die langen Haare abschnitt und dachte, ich brauche agressives ROT.
Ein Wehren, Kämpfen und Stärke für mein Aufbegehren und den Widerstand.

Irgendwo in mir drängt es, einen geschützten Beitrag zu machen – wenigstens so für 2 Tage.
Irgendwer will Euch unbedingt zeigen, wer ich vor dem Ausstieg war; während und hinterher.
Irgendwer will unbedingt zeigen, was passiert ist in der Zeit ohne Hilfe.
Und dann später, als ich endlich welche gefunden hatte.

Andere sagen innen, dass das zu weit geht und ich Euch das nicht zumuten darf.
Weil wir selbst so erschrecken.
Immer, wenn wir die Fotos sehen.
Weil es so schlimm ist.
Und sich damals, als wir es endlich geschafft hatten, aus der Prostitution zu kommen, wohl all der Schmerz, das Leid und die Qual, welche immer hatten verborgen bleiben müssen, in unserem Gesicht zeigten.
Jeden Morgen nach dem Aufstehen.

Wir hatten Glück, dass im Lauf des Tages das Gesicht wieder besser wurde.
Bis zum nächsten Morgen.
Ich hatte da mal kurz nur das Auge als Avatar.
Das hatte schon manche sehr erschreckt.

Hin und wieder macht der Mann von uns Fotos.
Aber selten so nah, dass man die Augen sehen könnte.
Und wenn, dann ist oft grade die Brille dunkel.
Schwierig also, ein aktuelles „Augen-Foto“ zu finden.
Deshalb vielleicht…. will es in mir gern gleich eine ganze „Geschichte“ zeigen.
Zumindest den wenigen, die es sehen können.

Gut – und 2013…. das bin ja trotzdem ICH.
Ein Teil von uns.
Kein Fake.

Ich bin durch.
Müde, erschöpft, zu voll und zu leer zugleich.

In mir summt, brummt und vibriert es.
Es denkt unablässig und dennoch ist alles nur wirr.

Die Autowerkstatt, Urlaub, Tattoo, Geldthemen, Sex, Ehe, Liebe, Heilung, Vergangenheit, Zukunft, Träume, Tochter, … alles durcheinander.

Heile ich?
Oder verplemper ich nur Zeit mit Warten?
Nichtstun?
Hoffen und Glauben – aber eigentlich NICHTS?

Was fühle ich?
Wer bin ich?
Was will ich?
Was brauche ich?
Was ist mein Ziel oder meine Hoffnung?

Es ist glaub zu ausufernd, über unser Auto zu schreiben.
Dieses bescheuerte Gefühl, wenn Du ein Auto aus der Werkstatt abholst und dir ein Lehr-Mädchen an einer Corona-Tisch-Sperre in der Eingangstüre zum Laden lapidar erzählt, der Werkstattfuzzi hat gesagt,
dass wir eine kleine Delle im Schweller hätten.

Das sei nix Großes oder Schlimmes und da rostet auch nix.
Das ist nur ein Schönheitsfehler.

Seit einem halben Jahr überlegen der Mann und ich nun, ob das schon war, BEVOR wir das Auto abgegeben hatten?
Oder doch erst danach.
Wir sind völlig verunsichert.
Obwohl wir eigentlich ziemlich sicher sind, dass vorher nichts war.

Aber gut – in dem halben Jahr hat uns jemand gesagt, dass sowas nur entsteht, wenn der Werkstatt das Auto von der Hebebühne rutscht.
Von diesen Gummignubbeln, die die dazwischen legen.
Nur gute 10cm.

Wir sind jedenfalls vertrauens-gebrochen und suchen schon ewig nach einer Lösung.
Eine andere Werkstatt.
Auch das Thema mit dem ewigen Wechseln von Sommer- und Winterreifen nervt.
Ich war schon immer eher ein Typ für Allwetterreifen.
Dann braucht man das nicht.
Wechseln.

Warum schreibe ich das jetzt doch?!
Ach… es ist zuviel Gedöns.
Ich hab die Schnautze so voll von dieser Werkstatt; der Suche nach einer Neuen und ewigen Gedanken ums Auto.
Es könnte so schön einfach sein.
Wenn unsere bisherige Werkstatt nicht so Vollidiotisch wäre.
Und jetzt kann ich mich wegen einer Neuen herumschlagen und Mails schreiben und denken und Angst haben und … Fuck.
Ich mag nimmer.

Gestern hab ich mit der neuen Werkstatt telefonieren müssen; gleich 2x.
Was ein Scheiß; das fängt ja gut an.
Kein gutes Gefühl.

Warum sind Menschen nicht einfach EHRLICH?!
Dann müßt man nicht so viel denken und hypothetisieren.

Gestern war der Mann zum Glück sau müde, als er Heim kam.
Kein Bock und keine Kraft mehr für Sex.

Ich mein…. irgendwo tief in uns ist auch Sehnsucht.
Irgendwer da innen würde auch sehr gerne mal wieder die Haut des Mannes fühlen.
Es ist ja nicht so, als wäre hier GARNIEMAND, der sowas mag.

Aber da ist so viel davor und drumherum.
So viele Gedanken, Gefühle und Themen.
So viele andere innen.

Das ist, wie bei einem ewig schnellen Karussell, wo man versuchen will, unverletzt in die Mitte zu kommen.
Schwierig.

Aber das letzte Mal Nähe war im Urlaub. Ist schon wieder 3 oder 4 Wochen her.
So ein bißchen Zärtlichkeit wär ja nicht schlecht, mal wieder…

Gehäkelt wurden gestern auch wieder so 2 oder 3 Reihen.
Oben entlang der Kaputze, die sich über das komplette Vorne und Hinten erstreckt.
Diese Reihen sind echt zäh.

Wir ham auch jetzt hellblaue Chenille-Wolle bestellt.
Für diese Naht unter den Armen, die Vorne und Hinten verbindet.
Damit wir da nen Streifen drüber befestigen können.
So 2 oder 3 Reihen in Chenille reichen.
Das sieht dann besser aus, als diese merkwürdige Zusammenhäkelei im Moment.
Bei Stäbchen gibts da so große Löcher.

Heute kommen dann vielleicht die Zuhause-Schlamperhosen und ein kuscheliges Strickkleid mit Fell in der Kaputze 🙂
Da freun wir uns drauf.

Und schöne Socken dann auch die Tage.

Morgen wieder Thera.
Vorhin hammer überlegt, ob uns wohl mal ne Pause gut täte?
So nach 5 Jahren bei der Thera?
Mal paar Wochen aussetzen?
Gucken, was passiert und wie es uns geht OHNE sie?

Andererseits: WARUM?

Wir sind ja froh, dass wir sie haben.
Und nachdem die Krankenkasse bei uns tatsächlich fast 200 Stunden Verhaltenstherapie genehmigt hatte (normal sind ja höchstens 80 und sie ist völlig von den Socken, dass das wirklich GEHT… 200 Stunden)
und es jetzt ohnehin drum geht, dass das Versorgungsamt dann übernimmt

Wir wissen ja eigentlich noch garnicht, dass das sicher ist.
Obwohl das Versorgungsamt ja MUSS.
Ziehen kann sich das ja trotzdem, bis die das anerkennen und organisiert haben.
Vielleicht gibt´s ja ohnehin ne Zwangspause?

Ach – manchmal geh ich mir selbst gehörig auf die Eier.

So viel Durcheinander; keine Struktur; kein Faden.
Zu viele Themen, Gefühle und Ansichten auf einmal.

Auch bei der Tochter immer.
Da werden Sätze angefangen; Themen…. – und urplötzlich sind wir mittendrin ganz woanders.
Und nix wird fertig thematisiert.

Wer soll denn da noch durchblicken?
Noch dazu, wo ständig völlig VERGESSEN wird, dass wir da grad *das Thema hatten*.
Man kann solch einen Faden auch nicht wieder aufnehmen – er ist einfach WEG.

Die Zeit rennt schon wieder.
Schon wieder halb 9.

Ich bin der, der beim Gehen immer so die Fersen aufdonnert, merk ich grad.
Ich fall hier immer häufiger auf.
Eigenartig, sich selbst kennen zu lernen.
War ich schon immer hier?
Hab ich mich nur noch nicht gemerkt bisher? Oder die anderen?

Kennzeichen sind gut.
Irgendwas, an dem man sich festmachen und merken kann.

Manche hier merkt man gut am Gang.
Am Stehen.
Manche auch im Gesicht.
Oder am ewigen Räuspern; der belegten Stimme; dem Rauchigen darin.

Manche auch hier beim Schreiben in den Fingern.
Manche tippen fest, manche so tänzelnd.
Manche machen viele Fehler beim Schreiben, weil sie die Buchstaben nicht treffen.
Manche schreiben schnell, andere langsamer.
Aber WER IST WER?????

Das weiß hier keine/r.

Der Körper juckt zur Zeit ständig.
Ewig könnt man sich kratzen.

Lustig auch beim Mann.
Oft haben wir ja Zweifel, dass er Viele ist; keiner weiß das so genau bei ihm.
Ego-States? Dissos?
Manchmal scheint es so – dann wieder nicht.

Aber er hat zumindest einen, der macht hin und wieder in Redepausen so ein Plöpp-Geräusch mit dem Mund.
So ähnlich, wie das Plöpp früher bei „1, 2 oder 3“ im TV.

Und wenn er das dann aber mit ABSICHT machen will, kann er das garnicht.

Es sind irgendwie immer so klitzekleine Kleinigkeiten, die den Unterschied erkennen lassen.
Aber FINDE die mal.
Und kapier sie als Eigenheiten.
Sortier sie dann und weise sie zu.

Was ein AKT.
Könnt IHR das?

Gut – ich hör jetzt mal auf.
Ist lang geworden sowieso.

Soll ich mich nun trauen mit den Fotos?
Traut IHR Euch, sie anzusehen?
Ich bin unschlüssig.

Fühlt Euch umärmelt, wenn ihr mögt.
Ich wünsche Euch einen schönen Tag.
Ohne Sorgen, Schmerzen und Leid.
Und alles Liebe.


Gebloggt am 01.10.2019

Dankbarkeit und anderes Fühlen

10 Kommentare zu „Ich hab das Gefühl, ich steh

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