Ohne Blogs würde man das garnicht wissen…

hab ich grad zum Mann gesagt.

Guten Morgen, ihr Lieben
Irgendwie kratzt es mich eben garnicht, dass er hinter mir sitzt.
Ich komm grade aus der Dusche und wollt eigentlich Zigaretten drehen.
Hab noch eben schnell in den Reader geguckt.
Und sehe, dass es los geht.

Der Herbst.
Winterstimmung.
Abschiede.

Irgendwie ist es jedes Jahr das Selbe.
Nur, dass es dieses Jahr fast durchgehend so gewesen war.
Dieses Jahr war man kaum aus der Winterstimmung des Vorjahres heraus gekommen.
Corona hat irgendwie den Schnee da gelassen.

All die Jahre zuvor
hab ich ja ohnehin kaum was gefühlt.
Da hab ich es halt GEDACHT.

Aber jetzt, mit den Blogs
und all der Entwicklung in mir
dem Finden des Uns und des Fühlens
ganz langsam

und des Findens von Euch

verstehe ich langsam,
kann es FÜHLEN
und auch lesen
dass der Rhythmus der Zeit unumstößlich ist.

Es trifft uns ALLE.

Jedes Jahr das Sterben.
Innen sterben.
Altes sterben.
Vielleicht – hoffentlich – auch alte Wunden sterben.

Verwesung im Innen.
Ein Komposthaufen.
Gesammeltes des Jahres.

Wenn es gut läuft, können darin Igel überwintern.
Insekten, Käfer und anderes Leben.
Darin sicher sein und warm.
Neue Erde bildet sich.

Und im Frühjahr erwacht neues Leben.
Geheilt.

Es kocht und brodelt.
Stinkt.
Prozesse laufen tief im Innersten.
Bakterien zersetzen totes Leben.
Hitzewallungen; Schüttelfrost; Dampf und Qualm.

Und dennoch entsteht darin etwas.
Im Tod.

Übermorgen hätte der Mann meiner Mama Geburtstag.
Wäre er noch da.
Er wäre 85 geworden.
10 Jahre älter, als Mama.
Und zeitgleich der Todestag meines Vaters – fast hätt ich´s vergessen.
Mamas Geburtstag dauert noch ein paar Tage.
Danach ihr Todestag; am Geburtstag eines früheren Freundes.
Und an unserem Hochzeitstag starb dann er.

Verstrickungen.
Sehr auffällige Verstrickungen.

Nichts geschieht ohne Grund, heißt es.
Ist das so?

Man betrachtet den Tod.
Den Schmerz, Verlust und das Vermissen.

Und zeitgleich sieht man nach vorne.
Schwarzwaldurlaub.
Auch der dann im Dezember mit der Tochter.
Ich werde wohl heute das Hotel buchen und das Restaurant.
Damit wir auch einen Platz bekommen.
Weihnachten muß man früh planen.

Immer wieder mache ich mir Gedanken, was ich meiner Mama ans Grab bringen könnte.
Bisher war es immer derart ungünstig, dass jedes Mal der Blumenladen zu hatte.
Und mir nichts blieb, als weinend mit ihr zu rauchen.
Da zu stehen mit laufenden Tränen und ihr von meinem Vermissen zu erzählen.
Und mich doch jedes Mal auch zu freuen; zu schmunzeln…
Denn ihre Baumnachbarin hat ein derart schönes Grabschildchen am Baum.

„Bin im Garten“ – steht dort.
Neben ihren Daten.

Und ja, dort ist sie wohl.
Ich sehe es jedes Mal vor mir.
Blühende Blumen und der Kirschbaum, unter welchem sie und Mama, deren Männer und noch weitere Menschen begraben liegen.

Meine Mama hat es gut getroffen.
Da sind bestimmt auch Eichhörnchen und Vögelchen.
Und eine Gartenbank.
Und sie ist nicht einsam und allein.

Manchmal brächte ich ihr zu gerne eine Lichterkette mit.
Schmetterlinge, Regentropfen oder Vögelchen.
Mit Solar.
Und würde diese um ihren Baum wickeln.
Aber der Solarlichtstab würde gewiß den Friedhofsgärtner beim Mähen ärgern.

Und vielleicht würde so viel Freude auch die Gefühle anderer dort verletzen.

Soll ich ihr ein Grablicht umhäkeln?
Die gibts mittlerweile auch mit LED und Solar.
Ist das nicht pervers? Ganz ohne Kerze?

Aber so würde es unaufhörlich leuchten können.
Und vielleicht bunt an ihrem Baum hängen.
Kann man sowas?

Von meinem Bruder hab ich bei meinen inzwischen 3 Besuchen bei ihr nichts gesehen.
Keine Blumen, kein Nichts.
Ihn selbst zu treffen, grenzte an ein Wunder.
Aber das will ich ja garnicht.
Besser, wir sehn uns nie wieder.

Draußen ist grau, fast dunkel und stürmisch.
Eklig.

Wir planen Weihnachten in der Geburtsstadt.
Freude auf gutes Essen
und eine schöne Zeit mit der Tochter.
Und Trauer zugleich.
Wehmut und Schmerz.

So nah – einerseits
und doch noch einige Wochen und ein weiterer Urlaub dazwischen.

Wir fragen uns, ob das mit dem Tattoo dieses Jahr wirklich noch was wird?
Wenn der im September nicht 2 Wochen in Quarantäne wollte – warum sollte er das im November wollen?!
Und warum sollte bis November etwas anders sein?
Keine Quarantäne mehr?!

Hm….
vorhin, als wir unsere Morgen-selfies machten (ohne zu gucken, was wir knipsen)
kam eben der Mann ins Wohnzimmer und konnte dabei auf´s Display gucken.
„Oh jesses!!!!!“ – hat er gesagt.
Und gegrinst.

Wir ahnen, dass wir wohl ziemlich heftige Durcheinander-Gefühle bekommen werden,
wenn wir die Fotos irgendwann dann mal auf den PC ziehen und erstmals sehen können.

Aber wir sind trotzdem gespannt.
Wie dieser Körper wohl zeitweise guckt und aussieht.
Momentaufnahmen.

Es ist gut, sich zu trauen, wenigstens mal für ein paar Sekunden die Kamera auf uns selbst zu richten.
Mut ist was Gutes.
Auch bei sowas.

So viel zur Zeit….
Im Kalender liegen ganz viele Zettel eingeklemmt bei den entsprechenden Tagen.
Das machen wir immer so.
Merkzettel.
Damit wir nix vergessen.

Wegen den Urlauben, dem Tattoo, der Werkstatt.
Wir schreiben auch auf, wann wir Kopfweh hatten; Tablette nahmen deshalb;
wann wir Stuhlgang hatten oder diese elenden Kack-Krämpfe.
Und unser Gewicht.
Wann wir die Tochter trafen und wo.
Und früher, klar, auch Mens.

Merkwürdig, wenn die dann aufhört.
Und es nicht mehr jeden Monat Einträge gibt.

Ach – wir wollten mal gucken, ob der Bauch womöglich regelmäßig durchknallt?!
Ob es irgendwas Fixes darin gibt?
Oder auch die Kopfschmerzen?

Hm…. klar – der Kalender liegt hier neben uns.
Eben frag ich mich, wie ich jetzt drauf komm und warum ich das schreibe….

Klamotten vom Mann wollten wir heut auch ausmisten.
Er mag das nicht.
Es nervt ihn.
Aber er braucht ja bloß da zu sitzen und zu nicken – oder zu schütteln.
Den Kopf.

Es ist einfach zu viel Zeug im Schrank.
Ich krieg Gewaschenes da kaum noch rein.
Und ständig kippen ihm die Stapel um.
Manches ist völlig verwaschen.
Anderes massiv zu groß oder klein.
Das sieht KACKE aus.

Wenn ich ihn damit nicht ab und zu nerven würde, hätte er noch Zeug von vor 20 Jahren im Schrank.
Sicher.

Und sonst?!
Ich muß endlich weiter an der Jacke häkeln.
Mehr als 2 oder 3 Reihen schaff ich irgendwie nie.
Das ist zu zäh, diese ewige Strecke über Vorne und Hinten.
So eine einzige Reihe braucht ewig.
Da hab ich dann kaum Geduld zu.

Ein Tier kann ich gut.
Da ist ne Reihe nicht so lang und man sieht es wachsen.
Dann will ich auch fertig werden.

Und von der Thera hab ich ne Zeitschrift mit, die da neu lag.
Die mag sie gern wieder haben.
Ich hab sie noch nie gesehen und wollt mal gucken, um was es geht.
Irgendwie was Kreatives, Buntes.

Frühstücken muß ich auch noch.
Ach – und die Zigaretten, wo der Tabak hier noch neben mir steht.

Der Mann wird dann duschen.
Wenn er fertig gespielt hat.

Es wird einfach nicht hell.
Man wird nicht wach.
Unsere Schummerbeleuchtung, die wir hier als einziges im Wohnzimmer haben, hilft da auch nicht.

Mal gucken, was der Tag noch so bringt.
Aber ach…. der Anfang.
So Scheiße es für uns alle ist, dass Ende des Jahres das Leid über uns zusammen bricht
– es tut dennoch so gut zu wissen, dass man damit nicht alleine ist.
Dass es – vielleicht – einfach Natur ist.
Abschied-nehmen.
Tief im Morast.

Und auch zu wissen, dass im Frühjahr wieder Leben kommt.
Ich hoffe, 2021 IST das auch so.
Dass wir zumindest nächstes Jahr wieder fliegen können.
Wie Phoenix.

Dann haben wir lang genug gedümpelt im Tal und in der Asche.

Ich wünsche Euch ganz doll viel Kraft.
Geduld, Ausdauer und Hilfe.
Und Liebe ❤


Gebloggt am 04.10.2019

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4 Kommentare zu „Ohne Blogs würde man das garnicht wissen…

    1. Ich liebe den Phoenix.
      Irgendwie beruhigt mich diese Akzeptanz des Laufs des Lebens.
      Die Gewißheit, dass Energie niemals verloren geht, sondern sich lediglich wandelt.

      Auch Schmetterlinge sind gut für solche Gedanken.
      Mit verfressenen, eher unscheinbaren Raupen, der Verpuppung in Ruhe und Dunkelheit und anschließender Freiheit.

      Es tröstet mich und schenkt mir Demut und Hingabe ins Leben.
      So schwer manche Zeiten auch sein mögen.

      Gefällt 1 Person

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