Die Welt erdrückt

Hi ihrs

schreiben fällt schwer.
Schreiben, was INNEN ist – nicht außen.
Schreiben, was weg sein soll; nicht fühlbar.
Schreiben, was keiner wissen und merken will.

Vorhin, als ich bei Euch las; das Thema mit dem nicht-schreiben-Können
da wurd es irgendwie klar.
Man redet und schreibt das AUSSEN.
Aber nicht und kaum das Innen.

Das Innen zu schreiben ist schwer.

Derzeit wird unablässig weg gehäkelt
weg gemampft
weg gedacht
weg TV-geglotzt.

Und doch ist jedes Mal, wenn wir ins Bett gehen abends
unsagbar viel Getöse im Kopf.
Durcheinander Gerede.
Von
„Wir müssen“
„Wir sollen“
„Wir können nicht“
„Wir dürfen nicht“
über
„Wir fressen zu viel“
„Wir putzen zu wenig“
„Wir lieben zu wenig“
„Wir haben Angst“
„Wir wollen tot sein“
„Die Welt ist so fürchterlich“
„Die Menschen sind so ekelhaft und gemein“
„Ich mag nicht mehr“



bis irgendwann mal irgendwer sagt, dass jetzt RUHE ist!!!
Weil wie soll man SO bitte schlafen????
Wenn das ewige Gelaber und Angsthaben nicht endlich mal aufhört?
Das Schwarzmalen und alles so fürchterlich finden?
Und ewig Gedanken, wie es wohl ist, einfach einzuschlafen und im Schlaf zu gehen.
Ob man dann wohl morgens merkt, dass man garnicht mehr aufwacht?

Gedanken drehn sich im Kreis.
Was man so gerne anders hätte.
Wie man das erreichen könnte.
Was dann tatsächlich anders WÄRE.
Und warum das aber garnicht GEHT.
JETZT.

Was könnte man HIER ändern?
Und WIE?
Und hä?
WARUM DENN NICHT?

Und dann denkt man wieder, wie furchtbar doch die Menschen hier sind.
Aber… WIEVIELE KENNEN WIR DENN????

Und es träumt von der Nordsee.
Einem kleinen Häuschen mit Garten in ruhiger Wohngegend.
Einem Hund.
Nähe zum Wasser.
Salzluft, Wind und Lebendigkeit.

Es träumt davon, endlich ein Buch zu schreiben.
Nur:
WAS will man denn schreiben?
Tausend Gedanken, Ideen und so unsagbar wichtig scheinendes – um endlich unseree Gesellschaft sehend und fühlend zu machen.

Aber hey… ob die Leute sehen und fühlen KÖNNEN möchten,
liegt doch wohl in DEREN Entscheidung, oder?

Und was soll man denn schreiben?
Das eigene Leben?
Eine Art „Anleitung“ im Umgang mit Gewaltopfern?
Ein „Wie fühlen eigentlich Gewaltopfer – und warum“ – Buch?
Ein Leitfaden für Helfermenschen?
„Die größten Fehler im Umgang mit Gewaltopfern – und was sie in Wirklichkeit brauchen würden“?
Oder:
„Was Sie ein Gewaltopfer schon immer fragen wollten – oder: Wie vermeiden Sie schmerzhafte Aussagen – Buch?“

Warum hat sowas eigentlich noch keiner geschrieben?
Würde so ein Buch wohl irgendwer lesen?
Helfermenschen?
Interessiert die das?
Weil sie wirklich helfen wollen?
Oder wollen die in Wahrheit doch nur sich SELBST helfen und würden das eh als Schwachsinn abtun?

Vorgestern war es glaub,
da ist mir ein großer Unterschied zwischen dem Mann und uns aufgefallen.

Wenn ich hilflos bin; mich getriggert und/oder ohnmächtig fühle,
dann werde ich als allererstes WÜTEND.
Ich werde agressiv.
Ich pampe und maule.
Ich ranze den Mann an.
Ich geh immer erstmal Kopf vorraus und drauf.

Blöd hieran ist, dass das den Mann wohl triggert.
Und er dann seinerseits genauso agro wird.

– fällt was auf?
Getriggert und zumindest bei MIR kann er sich eben DOCH gegen Frauen wehren!!!
Das ist eigentlich eine ganz tolle Entdeckung.
Dass er es eben DOCH kann.
Frauen angehen und sie gehörig zusammen maulen.
Ich könnte mich fast darüber freuen.

Mist daran ist nur, dass das meine Kämpfer und Verteidiger nur weiter hoch bürstet.
Dass wir uns gegenseitig anstecken.
Und dass der einzige Weg dann ein Abbruch ist.

Weil selbst, wenn irgendwer aus Innen dann deutlich zum Mann sagt, dass wir in NOT sind
kann er nicht trösten.

Weil trösten hat er nie gelernt.
Trost hat er niemals erfahren.
Ergo – fühlt er sich auch hierdurch wieder total hilflos, ohnmächtig und überfordert.

Und also muß er WEG.
Raus aus der Situation.
Weg von seiner Wut und mir zusammen.

Ichwir fühlen uns hierdurch aber schon wieder getriggert.
Weil wir keinen Trost wert sind.
Keinen Trost verdient haben.
Weil wir IHM nicht wert sind, dass er da bleibt.
Umarmt, zuhört oder wärmt.

Wir sind allein.
Allein, wie früher – so, wie IMMER schon.
Der liebt uns garnicht in echt.
Sonst würde er bleiben.
Uns ertragen und aushalten.

Und dann irgendwann kommen bei uns die Tränen.
Und das Wimmern und Schluchzen.

Und wenn wir weinen,
dann KANN der Mann wohl wieder kommen.
Und liebe Dinge sagen.
Ein bißchen unsicher und unbeholfen an uns herum tätscheln und ein bißchen herum-umarmen.
Man merkt ihm an, wie schwer es ihm fällt, dieses Trösten.
Wie unsicher er ist und ungeübt.
Aber dann ist seine Wut weg und seine Verteidiger und Kämpfer.
Dann ist er wieder sanft und liebevoll.
– greift ihn ja auch keiner mehr an.

Ach – der Untterschied….

Der Mann wird bei Ohnmacht und Hilflosigkeit NICHT wütend.
Er wird meist eher weinerlich und resigniert.
Verfällt in ein ähnliches Muster, wie seine Mutter.
Lammentiert und jammert über sein grausames Leben und die Behinderung.
Irgendwer in ihm hofft wohl, dass jemand sagt „Das stimmt alles nicht. Du BIST Wert“ – so, wie das auch seine Mutter mit Kalkül erwartet.
Nur bei ihm vielleicht eher OHNE Kalkül.
Jedenfalls nicht dieses Narzisstische, Manipulative.
Nicht SO.

Blöd daran ist halt, dass mich das trotzdem an meine Oma erinnert.
Die war ja, wie seine Mutter ist.

Und dass mich dieses Gefienze nicht gerade empathisch sein läßt,
sondern auch eher hart werden läßt.

Es ist echt irre, wenn man all diese zwischenmenschlichen Aktionen, Zusammenhänge und Mechanismen anfängt, zu durchschauen.
Wenn man anfangen kann, die Automatismen zu unterbrechen.
Oder zumindest einzufangen.
Damit das alles nicht so sehr aus dem Ruder läuft, wie früher mal.

Aaaaach……
ich hab irgendwie keine Lust.
Keine Lust zu Nix.

Heute Früh war ich schon einkaufen und es war echt ein Kraftakt.
Eigentlich wollte ich auch mal wieder putzen; staubsaugen und sowas.
Aber ich hab nicht mal Lust zum Duschen.

Immerhin läuft schon Wäsche.
Heute nur 1 Maschine.
Das reicht völlig.

Ich hab hier auch noch 1 Mail liegen – schon länger.
Da krieg ich einfach nicht die Kurve zu antworten.
Es tut mir Leid; dauert wohl noch bissi.

Andererseits ist dieser Mailkontakt mit der Frau von den Atem-Masken grade total schön.
Sie findet meine Häkeltiere so toll 🙂
Und nun steh ich vor der Frage,
ob ich wohl auch auf Bestellung häkeln würde.

Aber will ich das?
Häkeln, was ein anderer gerne möchte?
Ich mein, man darf sich gern was wünschen – aber Druck will ich nicht.
Oder man könnte gerne haben, was eh schon da ist.

Ich weiß es nicht.

Immerhin hab ich vom 2. Schaf nun schon die Augen, das Gesicht, die Ohren und 2 Beine.
Fehlen noch die anderen 2 Beine und der Körper.
Außerdem müssen die Augen noch dran, ans Gesicht.
Und ich weiß noch nicht so ganz, wie ich es guggen lassen will.

Wie müssen die Augen hin,
um welchen Blick zu haben?

Es ist eh eigenartig.
Ich glaub, ich könnte niemals ein und das Selbe Tier häkeln.
Die sehen immer völlig verschieden aus.
Selbst wenn ich gerne WÖLLTE – am Ende hat jedes seinen ganz eigenen Charakter.

Das läßt sich nicht wiederholen.

Mal gucken, wie das 2. Schaf am Ende aussieht.
Einen 2. Enno krieg ich jedenfalls im Leben nicht nochmal hin.
Der ist wirklich ganz einzigartig.
Eben liegt er neben mir und schaut mich aus seinen Glubschis an.
Das ist echt fast ein bißchen, als würde er leben.

Gestern ist mir auch eingefallen, dass ich ganz viel grüne Wolle hab.
Ich hab auch ne Anleitung für einen Frosch.
Die hab ich bisher auch noch nicht gemacht.

Schon eigenartig, oder?
Als ich anfing, wieder zu häkeln, hätte ich niemals geahnt, dass ich mal derart viele Tiere mache.
Und nun kann ich garnicht mehr aufhören.

Irgendwie wäre das schön…
Irgendwann tatsächlich an der Nordsee – oder ist die Ostsee schöner? – in meinem Garten zu sitzen und zu häkeln.
Da, wo wir schon in Urlaub waren, rennen unentwegt Wildhasen im Wohngebiet herum. Das ist soooo schön.

Und dann krieg ich wieder so derart riesige Angst,
weil ich schon 50 bin.
50.
Das ist so furchterregend.

Wie lange ich wohl überhaupt noch lebe?
Vielleicht viel zu kurz, um all das Schöne noch zu erreichen?
Kann es mir noch gelingen? DARF es?
Meinen Traum vom Meer noch zu erleben?

Vielleicht doch noch in einer ruhigen, liebevollen und achtsamen Umgebung ganz andere Menschen kennen zu lernen, als HIER?
Vielleicht doch noch Freunde zu finden?
Menschen, die ich mag – und sie MICH?

Dann ist innendrin totaler Aufruhr.
WAS DENN NUN????

Will *ich* endlich tot sein, weil das Leben so schwer ist?
Oder hab *ich* vielmehr ganz doll Angst vorm Totsein?
Weil ich sonst ja garnichts Schönes mehr (er-)leben darf?

Noch so viel zu tun.
So viele Träume.

Mein Häuschen
ein Hund
der Norden
die Häkeltiere und Tücher
ein Buch schreiben – mindestens
Freunde finden
Spaß haben
mich Dinge trauen
glücklich sein mit dem Mann
Vielleicht ginge sogar die Tochter mit in den Norden – hatte sie jedenfalls mal gesagt


ach – und der Lottogewinn steht noch aus.

Es wäre doch so blöde, tot zu sein.
Das Leben kann doch noch soooo schön werden und sein.
Sogar schon JETZT.

Eben linst die Sonne ins Wohnzimmer.
Gerade noch hat es geregnet.

Ich wünsche Euch einen schönen Tag.
Viel Kraft und Liebe ❤


Gebloggt am 16.11.2019

Manchmal denk ich

2 Kommentare zu „Die Welt erdrückt

  1. Als ich wegen langer Erkrankung zu Hause war und viele Teddys genäht habe, wurde ich oft aufgefordert, auf Bestellung zu arbeiten und damit Geld dazu zu verdienen.
    Ich habe mich dagegen gewehrt. Denn so wie bei euch wird hier nach Lust bzw. Bedürfnis gearbeitet. Es ist Ausgleich und sollte immer ohne Druck und mit Freude verbunden bleiben. Wir haben damals viel verschenkt, machen das auch heute noch gern. Auftragsarbeiten hätten uns irgendwann unter Druck gesetzt und die Freude genommen.

    Gefällt 1 Person

    1. 🙂
      Danke – das bestätigt irgendwas im Innen.
      Verschenken ist toll, wenn man es gerne tut.
      Aber verkaufen mag ich ansich nicht – und schon garnicht nach Order.

      Irgendwie fürchte ich glaub auch, dann müßten sie „perfekt“ sein.
      So aber dürfen sie sein, wie sie SIND.
      Trifft vermutlich auch irgendwie auf mich selbst zu…..

      Gefällt 1 Person

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