Was tut man mit so einem Tag…

wenn man nichts zu tun hat?

Guten Morgen, ihr Lieben 🙂

Keine Ahnung, aber es fällt mir zur Zeit so unsagbar schwer zu schreiben.
Aber ich habe keine Ahnung, weshalb.

Eigentlich geht es uns gut.
Dem Mann und uns.
Zumindest geht es uns nicht schlecht.
Und wenn es einem nicht schlecht geht, geht es einem doch gut, oder?

Jedenfalls könnte ich nichts sagen, das schlecht wäre.

Eigentlich ist alles beim Alten.
Der Mann arbeitet (wieder) – und ichwir sind Zuhause.
So, wie immer.

Oder so, wie früher immer.

Aber seit der Mann im letzten Jahr so lange Zuhause war,
IST nichts mehr, „wie immer“.

Irgendwie fehlt er.
Und irgendwie geht es ihm anders, als zuvor.
Und auch uns.

Wenn ich einen Wunsch frei hätte, würde ich den Mann in Rente und uns in den Norden wünschen.
Er braucht so unbedingt dieses Gefühl von Sicherheit.
Wenigstens finanziell.

Er träumt von diesem Lottogewinn.
Und dass wir dann endlich sorgen- und angstfrei hier weg könnten.
Weil würden wir JETZT gehen
was wäre DANN????!!!

Bei mir weiß man nicht, ob das OEG irgendwann tatsächlich unbefristet wird – oder ob man es nicht gar wieder weg nimmt.
Und er wüßte nicht, was er arbeiten könnte.
Hier steht im nächsten Jahr seine Unkündbarkeit an.
Das gibt ihm Sicherheit.
Auch, wenn er seinen Job haßt und völlig unsinnig empfindet und es ihm damit nicht gut geht.
Aber immerhin haben wir auch in Corona ein 100 prozentiges Gehalt; voll und unbegrenzt.
Und unsere Wohnung vom Arbeitgeber zu gutem Preis.
Das ist etwas, das zu viele andere Menschen leider nicht haben.
Ein wertvoller Schatz.

Würden wir gehen,
hätte er weder Arbeit, noch eine günstige, sichere Wohnung.
Und auch bei mir ist nichts sicher.

Wenn es blöd käme, säßen wir obdach- und arbeitslos in Norddeutschland.
Ein beschissener Tausch.

Sein Horrorszenario.

Also bleiben wir hier und warten, dass die Zeit reif ist.
Irgendwann.

Wie oft träume ich vor mich hin, dass ich in Norddeutschland frei sei.
Ein völlig anderer Menschenschlag.
Eine völlig andere Luft.
Eine gänzlich andere Energie.

Und dann?

Was könnte ich tatsächlich anders tun, als hier?
Was würde sich in mir selbst
in meinem Fühlen und meinen Möglichkeiten oder Fähigkeiten ganz reell ändern?
Wie kann ich denken, dass sich im Norden mein gesamtes Sein verändern könnte?
Und was würde ich dann TUN?

Im logischsten Fall säße ich dann im Norden Zuhause und wüßte mit meinen Tagen genauso viel – oder wenig – anzufangen,
wie hier.
Säße genauso Zuhause und würde putzen, TV glotzen und mich langweilen.
Weil keiner mir garantieren könnte, dass ich mich DORT dann raus traue.
DORT dann mit Menschen zu tun haben könnte oder wöllte.
DORT dann irgendetwas anders würde.

Gut.. vielleicht hätten wir dann einen Hund.
Vielleicht liefe ich dann dort täglich 2 oder 3x am Meer entlang.
Oder zumindest über Felder und Weiden.
Mit lebendiger Luft.
Wer weiß.

Wer bin ich NOCH?
Und WIE?

Meine Träume gehen verloren mit der Erkenntnis meiner Unfähigkeiten.
Mit der Anerkennung meines Lebens.

Es gibt keinen Knopf, der all die Wunden von mir nimmt.
Die Ängste, die Scham und die Trauer.

Ich hab die Tage beschlossen, meine Haare nun doch wieder wachsen zu lassen.
Es ist genug damit, jede Woche zum Rasieren zum Friseur zu rennen.
Ich hab keinen Bock mehr, jeden Dienstag da hin zu gehen.
Jeden Dienstag Heim zu laufen, zu duschen und Haare zu waschen, um halb 10.
Ich mag keine festen Zeiten, um zu tun, was ich tun MUSS.

Ich mochte das immer sehr,
sie einfach mit der Küchenschere selbst abschneiden zu können – und nie hätte irgendwer gesehen, dass ich das mache.
Sie waren immer so lang und lockig, dass es niemandem auffiel.
Und selbst WENN ich zum Friseur ging, dann vielleicht 1x im Jahr.
Das war ok.

Außerdem wollt ich immer als alte Frau lange Haare haben.
Ich hab mich immer schon gefragt, weshalb sich älter werdende Frauen so oft ihre Haare kurz schneiden.
Sie sehen so oft dadurch so hart und böse aus.
Nein, nicht alle.
Aber viel zu viele.
Und auch bei mir machen kurze Haare irgendwie ein Gefühl von Kälte und Härte ins Gesicht.
Das wollte ich nie.
Aber gut – vielleicht liegt es an den Jungs.
Weil sie das klar bestätigt.
Aber es wird Zeit, wieder weich und weiblich zu sein.
Zumindest mit den Haaren.
2 Jahre waren nun genug.

Die Tochter….
sie macht mich nachdenklich.
Über sie – aber auch über mich selbst.
Und meine Mutter.

Schon seit längerer Zeit sagt sie, dass sie sich gern sterilisieren lassen will – so, wie ich.
Damit sie sich sicherer fühlen kann, als mit der Pille.

Früher haßte sie Kinder.
Sie waren ihr ein großer Graus.
Sagen weshalb genau, konnte sie nicht.

Nach und nach bekamen ihre Freunde Kinder.
Sie ist Patentante der Kinder ihrer Freundin, die sie kennt, seit sie selbst 6 war.
Und sie beobachtete sich selbst,
wie sie sich veränderte.
Wie die Kinder der Freundin irgendwas in ihr bewegten.
Sie ihnen näher kam.
Und sie staunt, dass diese Kinder sie mögen.

Inzwischen ist sie mit ihrem Freund fast 3 Monate zusammen.
Er redet schon vom Heiraten und sie weiß, dass er gern Kinder hätte.
Er hingegen weiß, dass sie eigentlich keine will.

Und gut… er könnte sich wohl arrangieren – auch wenn er es schäde fände.
Er ist sicher, sie wäre eine GUTE Mama.

Das verunsichert sie.
Sie macht sich Gedanken darüber, WARUM sie keine Kinder will.
Und auch, ob es das wirklich ist?
Dass sie Kinder nicht mag?

Schon über Weihnachten hatten wir darüber gesprochen.
Darüber, wie das bei mir war.
All meine Ängste, Unfähigkeiten und wie das alles so war.
Die Schwangerschaft, Geburt und das Gefühl, Mama zu sein.

Dass ich heute sehr froh bin, über meine Sterilisation (weil ich vermutlich sonst aus lauter „Gehorsam“ mit gewiß noch 2 oder 3 Männern Kinder hätte)
dass ich aber genauso froh bin, zumindest SIE zu haben.
Weil es einfach ein so einzigartiges Erleben ist, einem Kind das Leben zu schenken,
dass es hierfür nichts Vergleichbares gibt.
Ein Wunder.

Und was ist das schon?!
Eine gute Mutter?
Welche Mutter kann das von sich behaupten?
Welche Mutter hätte beim 1. Kind bereits alles richtig gemacht?
Nie einen Fehler?
Nie verletzt?
Nie unreflektiert den eigenen unbewußten Kram ans Kind hin geworfen?
Welche Mutter ist denn fehlerfrei?

Sie kommt langsam drauf,
dass sie eigentlich keine Kinder haßt.
Sondern Angst hat.
Vor dem Kind
und auch vor sich selbst.

Nicht anders, als ich.

Sie hat Angst, dass sich das alles wiederholt.
Dass sie eine Tochter bekäme – und keinen Sohn.
Dass sie mit ihrer Tochter ähnlich umginge, wie ich mit ihr.
Und ich sagte ihr, dass sie aber doch schon weiter sei, als ich es war.
Dass sie sich dessen bewußt sei.
Dass sie bereits Therapie hatte.
Dass sie – wenn er so bleibt, wie er scheint – einen ganz anderen Partner hat, als ich ihn hatte.


aber letztlich muß sie das eh selbst entscheiden.

Ihr Zögern inzwischen jedoch macht mir so ein Gefühl,
als sei eine Sterilisation zu konsequent.
Weil sie SELBST es nicht ist.
Sie ist unsicher.

Vorgestern im Chat nun fragte sie mich, ob es was bedeuten würde, wenn Brüste spannen.
Und in mir drin bewegt sich grad so viel.

Ich hab ihr geschrieben, dass das erstmal garnichts bedeuten muß.
Sie ist nicht „drüber“.
Abwarten und gucken sei die bessere Alternative.
Erstmal.

Und doch geht in miruns die Gedankenspirale.
Wollen wir gerne OMA sein?
Oma werden?

Ich muß aufpassen, die Tochter nicht zu manipulieren.
Nicht meinunsere Innendinge über sie zu stülpen.
Sie soll das SELBST entscheiden.

Aber es ist schwer.
Für sie – aber auch uns.

Ja, ich glaub, ich wäre gerne eine Oma.
Und irgendwie ist es auch ein lustiger Gedanke, wenn der Mann Opa würde.
Er liebt Kinder.
Und ich würde der Tochter auch gerne dieses einzigartige Gefühl einer Geburt wünschen.
Das Gefühl, ein Baby zur Welt zu bringen.

Ich wünschte ihr diesen Mut.
Den Mut daran zu glauben, dass all ihr Sein gut genug ist, eine gute Mama zu sein.
Dass sie gut genug reflektiert
Gut genug achtet und aufpaßt
Gut genug liebt
Gut genug zärtlich ist und warmherzig
um einem Kind ein Leben zu schenken.

Am Ende ist ja auch sie groß geworden.
Am Ende kann auch sie mich lieben.
Am Ende findet sie sogar Dinge gut, die ich selbst (an mir) so grausam fand.
Entscheidungen oder Taten, die ich tat.
Sie hätten ihr geholfen, erwachsen zu werden, sagt sie heute.
Damals hatte sie darunter gelitten.

Wie könnte sie eine schlechtere Mama werden, als ich?
Und wenn ich – in ihren Augen – doch nicht sooo schlecht war
warum sollte SIE es dann sein?!

Ja, ich glaube, ich hoffe darauf, dass sie irgendwann doch Mama wird.
Vielleicht nicht gleich jetzt
aber dann, wenn ihr Freund sich als gut erweist.
Wenn es sich gut entwickelt zwischen den beiden.
Irgendwann.

Es wäre schade, diese Chance vorzeitig durch eine Sterilisation unmöglich zu machen.

Andererseits verstehe ich aber durchaus ihre Angst.

Ich denke an meine Mama.
Wie sie damals, als ich eben wußte, dass ich schwanger bin,
meinen Ex verlassen hatte.
Zu ihr gekommen war mit Sack und Pack.
Weil ich Schutz suchte, Unterstützung, Hilfe und Sicherheit.

Und als der Ex dann SMS schrieb und mir die einzigen Rosen in unseren 8 Jahren schickte
sich entschuldigte und um Geduld und Liebe bat
schickte sie mich zu ihm zurück.

Riet mir zur Abtreibung.
Oder zumindest, mein Kind zur Adoption zu geben.

Stattdessen heiratete ich diesen Typen.
Und behielt mein Kind.
Wo das hinführte, wissen wir.

Heute nun frage ich mich, ob meine Mama vielleicht nur den Schutz dieses Kindes im Kopf hatte?
Es zu bewahren vor all dem Leid?
Ging es ihr vielleicht garnicht drum, mich zu erniedrigen?
Mir weh zu tun?
Mich schlecht(er) zu machen, als ich war?
Sondern einzig um den Schutz des Babys?

Und dennoch
hätte ich sie abgetrieben, wäre ihr einerseits gewiß einiges erspart geblieben.
Andererseits hätte sie aber auch all das Gute nicht, all das Leben, das sie heute hat.

Puh….
was ein Thema.
Kinder zu bekommen in der heutigen Zeit scheint so vielen Menschen nicht mehr zu passen.
Die Welt ist zu schlecht geworden, heißt es.
Aber war sie jemals GUT?
War es jemals leicht?
Besser?

Schwierig, dieses Thema.
Und doch beschäftigt es mich.

Es ist inzwischen 8.
Und noch immer dunkel.
Ich weiß nicht, was ich heute tun soll.

Auch das Häkeln hat massiv nachgelassen.
Genau genommen, auf NULL.

Letzt hab ich zum Mann gesagt, dass ich das Gefühl habe,
je mehr Wolle ich besitze
desto weniger weiß ich,
was ich damit tun soll.

Als würde mich die Menge der Wolle lähmen.

Außerdem ist es derart dunkel,
dass es schwer fällt zu häkeln.
Man sieht nur mit Anstrengung, was man tut.
Und die Augen sind derzeit so müde.

Gestern hatte ich mich tatsächlich wieder ins Bett gelegt, als der Mann ins Büro ging.
Und ich hab geschlafen bis 12.30.
Irre.
Und ich war müder, als zuvor.

Irgendwie häng ich hier so rum.
Leben umsonst, irgendwie.
Tage vergehen für Nichts.

Der Körper ist irre angespannt.
Ewig quietscht die Atmung.

Morgen ist Osteopathie.
Vielleicht ist es danach ja besser.

Dafür, dass ich dachte, nichts zu wissen, ist es glaub doch recht viel geworden.
Ich träume nachts zur Zeit viel von der Tochter und dem Mann
in irgendwelchen engen, mittelalterlichen Straßen.
Vikings sei Dank, nehme ich an.

Letzt lief ich im Traum im blauen Frottee-Schlafanzug und barfuß meiner Tochter hinterher.
Sie hatte mir was zeigen wollen und nicht bemerkt, dass ich im Schlafi bin.
Da brachte sie mich zurück, damit ich was anziehe.

Komischer Traum.

Nun denn…
Ich wünsche Euch ganz doll viel Kraft.
Dass alles wieder besser wird und heilen kann.
Und ganz viel Liebe ❤


Gebloggt am 05.01.2020

4 ganze Tage erst

4 Kommentare zu „Was tut man mit so einem Tag…

  1. Mal wieder so viele gute Gedanken, die auch mich anregen. Wie gut, dass es bei uns mit der Wohnung im Norden nicht geklappt hat. Jetzt wo der Mann ein Pankreaskarzinom hat und plötzlich Hilfe von anderen Menschen kommt, kompetente Versorgung. Dort wären wir allein gewesen und verloren.
    Heute würde ich mich mit dem Wissen um meine Vergangenheit gegen Kinder entscheiden. Aber ich bin so froh, die beiden zu haben und unsere Enkel.
    Leben ist unberechenbar- immer. Die einzige Gewissheit ist, dass man seine Vergangenheit mit nimmt mit allen Schwächen aber auch Stärken!
    Kommt gut durch den Tag. Es wird von Tag zu Tag mehr Licht und Helligkeit bis zum Sommer.

    Gefällt 1 Person

    1. Danke, ihr Lieben ❤
      Ich glaub, so ähnlich geht es mir auch. Die Zeit war damals sehr hart für mich und auch die Tochter.
      Dann denk ich aber auch oft, dass ich mir vielleicht wirklich das Leben genommen hätte, wäre sie nicht gewesen. Verantwortung hält am Leben.

      "Die Gottgesandte" paßt einfach in so vielen Belangen zu ihr.

      Kinder sind wertvoll und wichtig.
      Irgendwie wünsche ich mir, dass sie sich diese Chance nicht nimmt.
      Andererseits verstehe ich sie auch gut.
      Ich werde sehen, wie sie (oder das Leben) entscheidet.

      Auch Euch ganz viel Kraft in eurer so schweren Zeit.
      Ich denk oft an Euch und schick Euch Wärme und Kraft ❤
      Und ja, vielleicht – ich hoffe – machen Frühling und Sommer dieses Jahr vieles wieder gut.

      Gefällt 1 Person

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