Wirres Zeug im Kopf

Guten Morgen, ihr Lieben

Creme Mouson….
Auch sie ist in meinem Kopf.
Das war die Creme meiner Oma.
Die Creme, die sie mir ständig unter die Nase hielt.
„Damit muß man sich jeden Tag das Gesicht eincremen. Dann bleibt man so schön und faltenfrei, wie ich. Und den Hals!!!! Der Hals ist wichtig!!!“

Sie roch immer danach.
Nur faltig… wurde sie dann doch.
Auch am Hals.

In meinem Kopf irgendwelche Gedanken.
An den Exmann.
Die Tagebücher.
Die Gewalt.

Letzt, hatte ich in einem meiner alten Tagebücher einen beiläufig klingenden Satz gelesen.
Er war irgendwie so dazwischen.
So, als hätte ich geschrieben, dass ich Zähne geputzt hatte.

Da schrieb ich irgendwann 2002 oder so,
dass der Exmann mich angerufen hätte, um mir zu sagen,
dass seine 2. Frau (die nach mir) nun während der Trennung
– er hatte sie genauso kaputt gemacht, wie mich und fast hätte sie Selbstmord begangen –
behauptete,
dass er unsere Tochter zum Oralverkehr gezwungen hätte.
Mehrfach.
Und sie hätte das gesehen.

Keine Ahnung, was in mir vorging seinerzeit.
Danach habe ich – zumindest bis dort, wo ich gelesen hatte – nicht mehr davon geschrieben.
Aber er hatte auch nie wieder darüber gesprochen.
Es war auch nichts weiter passiert.
Und ich glaube, ich hab das als Trennungs-Ding betrachtet.
Weil auch die Tochter nie davon was gesagt hätte.

Seine 2. Frau mochte mich nicht.
Sie hielt mich anfangs für völlig übergeschnappt.
Schließlich war er doch soooo nett und gut.
Ob sie mich am Ende ihrer Ehe noch immer verrückt fand?
Weiß ich nicht.

Aber vielleicht lag es auch daran, was damals passierte, als sie von den Besuchswochenenden beim Vater immer mit dem geröteten Anus Heim kam? In der Scheidungszeit, damals mit 4?
Und mir keiner half?
Das Jugendamt vielmehr darauf bestand, dass ich niemals ihr gegenüber etwas Schlechtes über ihren Vater sage?
Dass ich niemals versuche, sie von ihm fern zu halten, oder sie gegen ihn aufzuwiegeln?
Dass ich aufhöre, Lügen zu verbreiten und dass ich sie unterstützen muß, ein enges Verhältnis zu ihm zu haben?
Weil – drohten sie mir – ich sonst schlechte Karten hätte.

Als ich das OEG beantragt hatte,
hatte ich die Zeit meiner Ehe ausgelassen.
Nicht, weil da keine Gewalt passiert wäre.
Ich hatte Angst.

Ich hatte Angst vor IHM.
Aber auch Angst vor der BEHÖRDE.
Weil ich nicht wußte, was die tun würden.
Und ob die sich von ihm das Geld zurück holen?
Oder ihm sagen, was ich geschrieben hatte?
Oder, ob sie ihn wohl fragen, ob das wahr sei?

Erstaunlicherweise – für mich – akzeptierte das Amt die Zeit VOR und auch NACH der Ehe als gewaltvoll.
Ich bin also anerkanntes Gewaltopfer bis 1986 und dann wieder ab 1995.
Die Zeit dazwischen nicht.

Die Frau vom OEG hatte mal gesagt, ich könnte das jederzeit nach-beantragen.
Letztlich würde es keinen Unterschied machen.
An den Prozenten oder dem Geld.
Es sei reine Formsache.

Als ich dann einmal nachfragte, hieß es plötzlich, die Zeit SEI bereits anerkannt.
Obwohl sie etwas 4 Wochen vorher das noch verneinte.
(kann auch länger gewesen sein)

Und als ich irgendwann nochmal fragte,
sagte sie plötzlich, man könnte diese Zeit nicht anerkennen, weil
in irgendeinem alten Tagebuch-Auszug, den ich dem Antrag beigelegt hatte als „Beweis“
hätte irgendwo – auf all den Seiten – gestanden,
dass ich ihn provoziert habe.
Und deshalb selbst Schuld sei.

Und weil ganz offensichtlich ICH der Agressor sei in der Ehe
könnte ich hier kein Opfer sein.

Das heißt,
nur weil ich ein EINZIGES Mal geschrieben hatte, ich hätte ihn provoziert
und weil ich ein EINZIGES Mal schrieb, dass ich glaube, selbst Schuld zu sein
sollen 8 Jahre Gewalt nicht anerkannt werden.

Zumindest hatte sie das so formuliert.

Ok – inzwischen fand der Wechsel der Zuständigkeiten statt.
Diese Frau ist nicht mehr für mich zuständig.
Sie hatte mir ja auch wirklich oft und viel geholfen.
Ich war ihr auch sehr verbunden.
Trotz, dass ich wirklich auch oft den Kopf über sie geschüttelt hatte.
Weil es mich derart erschreckt, wie wenig Ahnung diese OEG-Menschen in Wirklichkeit haben.
Von Gewaltstrukturen und -Mechanismen.
Dabei gibt es unzählige Fachbücher.
Und unzählige Fachmenschen, die sagen würden,
dass es vollkommen normal und sogar typisch ist,
dass Gewaltopfer die Schuld auf sich SELBST nehmen.

Wie viele Therapeuten kämpfen viele Stunden lang dafür,
dass ein Gewaltopfer versteht,
dass der TÄTER Schuld ist.
Egal, wie oft dieser auch das Gegenteil behauptet hatte.

Man wächst doch so auf.
Man war IMMER Schuld.
An ALLEM.

SELBST Schuld.
Niemals der/die, die ja nur „zum Wohle“ dafür prügelten und quälten,
„dass mal was aus dir wird“.
Nichts bist Du schon lange“.

Manchmal wünschte ich,
es gäbe in Deutschland WIRKLICHE Opfer-Anwälte.
Solche, die WIRKLICH kämpfen.
WIRKLICH lesen und zuhören und sich für dich EINSETZEN.
So, wie das bisher noch nie irgendwer getan hatte.

Aber wenn ich an das Gespräch denke, mit diesem Opfer-Anwalt
der sagte, dass anfangs nur er und 2 Kollegen wirkliche und echte Opfer-Anwälte gewesen seien
und nun jeder Arsch glaubt, er könnte auch mal einer sein
Und diese Anderen, die sowieso keine Ahnung hätten von all diesen Themen
Und dass er den Job nun seit über 30 Jahren macht


und der letztlich doch nur sagte, ich solle endlich aufhören, so das Opfer rauszuhängen.
Man würde mir schon von 200m Entfernung ansehen, dass ich ein Opfer sei.
Ich soll doch mal nach vorne sehen und alles vergessen.
Weil helfen könnte er mir nicht.
Ich hätte doch ohnehin bereits mehr als genug selbst erreicht.
50%?
Was ich denn mehr wöllte?
Ich könnte doch auch mal zufrieden sein.

Dafür hat er dann 400€ kassiert.
Und mich beschämt aus der Kanzlei geschoben.

Und der Anwalt davor, der mich derart angetriggert und agressiv angegangen war, bis ich ihm was unterschrieb, das ich garnicht wollte – und am Ende hat er 640€ kassiert für Ärger, den ich danach hatte?
Aber anzeigen kann man den nicht, weil „Anwälte keine Erfolgs-Honorare beziehen“ (- wie der andere Anwalt erklärte).

Aber klar – ich WEISS, dass ich viel erreicht habe.
Und ich will ja in Wahrheit weder mehr Geld, noch groß mehr Prozente.
Es gibt nicht viele Gewaltopfer, die ohne Anzeige, Gerichtsverfahren oder „Beweise“ so weit kommen.

Und doch….
tut es scheiße weh
weil die einfach nicht kapieren, wie es sich anfühlt,
wenn Gewalt nicht anerkannt wird; Folgen nicht bezeichnet sind; Symptome, Einschränkungen und Qualen einfach unter den Tisch fallen.
Und am Ende noch wer sagt „selbst Schuld“ – hast es doch selber geschrieben.

Manchmal will ich einfach wie ein nacktes, schreiendes und heulendes wildes Tier vor dem Bundestag auf der Straße im Dreck liegen.
Und ihnen zeigen; sie FÜHLEN machen,
was ihre Politik BEDEUTET.

Aber ich weiß
ES WÜRDE SIE EINEN SCHEIßDRECK INTERESSIEREN.

Dann geht mir wieder durch den Kopf,
dass all das Weh im Innen nur will, dass ICH ihm etwas gebe.
ICH muß anfangen, mich SELBST zu sehen.
ICH muß lernen, mir SELBST zu sein, was andere nie waren.
Und nie sein werden.

Aber ist das nicht immer zu einfach?
Wenn ANDERE laufend sagen – oder in Büchern schreiben – dass man sich SELBST sein muß, wonach es innendrin schreit und weint?

DARF man nichts von anderen brauchen?
DARF man nichts von anderen wollen?
Erwarten? Erhoffen? Ersehnen?

Es nimmt andere aus jeder Pflicht.
Aus jedem sozialen Gefüge.
Aus jeder Sehnsucht nach Nähe.

Aber Menschen BRAUCHEN Menschen.

Es reicht einfach nicht, sich immerzu alles SELBST geben zu müssen.
Wir sind kleine Einzelgänger.
Menschen sind Herdentiere.
Wir BRAUCHEN andere.

Auch hier wieder ein Fehler im System.
Weil zu viele gefühlskalte und analytische Therapeuten „professionell“ und über den Kopf versuchen,
traumatisierten Menschen Nützliches zu vermitteln.
Ohne Gefühl und Herz.
Ohne Menschlichkeit und Wärme.

Ein Gewaltopfer DARF NICHTS BRAUCHEN.
Es reicht, wenn es im Verstand kapiert, dass heute heute ist.
– oder so ähnlich.

Was für eine Welt…..

Tja….
mit solchen Dingen schlägt sich mein Hirn herum zur Zeit.
Während mein Körper versucht, so entspannt wie möglich im Sessel zu flätschen.
Und die Augen „Bull“ gucken.
Der inzwischen auf Sky in der Box erhältlich ist. Alle 4 Staffeln.

Gestern war ich einkaufen.
Mal draußen an der Luft.

Vorgestern hab ich Betten bezogen und viel gewaschen.
Und die Matratzen mal abgesaugt.
Was ein Wahnsinn…..
Jetzt, mit dem beutellosen Sauger sieht man das Elend live anwachsen im Behälter.
Dabei bringen wir den Topper alle halbe Jahr in die Reinigung.

Wozu? – frage ich mich.
Wenn dann derart viel Zeug drin hängt?

Gestern hat auch mein Magen mal wieder durch gedreht.
Völlig übersäuert und verkrampft.
Vielleicht sind 4 Kannen Tee am Tag halt DOCH zu viel.

Manchmal fürchte ich, ich trinke aus Langeweile.

So, mir scheint, ich weiß nix mehr.
Sitze hier und gucke leer vor mich hin.
Die Sonne scheint mir auf den Rücken.
Mal gucken, was ich heut so tu.

Wir machen mal wieder Spinat mit Kartoffeln.
Mal mit Backfisch und mal mit Spiegelei.
Ich freu mich drauf.

Euch einen schönen Tag.
Viel Kraft und Liebe ❤


Gebloggt am 16.02.2020

Gewalt – oder der Weg heraus

8 Kommentare zu „Wirres Zeug im Kopf

  1. Absolute Zustimmung!
    Erstens müsszen diese OEG Menschen mal verpflichtet werden, Fortbildungen zu machen, was es überhaupt psychologisch gesehen bedeutet, ein Opfer zu sein. Etwas über die Mechanismen der Psyche zu lernen.

    Zweitens stößt mir das auch immer extrem sauer auf, dass es immer heißt, man müsse sich das selbst geben. ALLES.
    Aber Menschen sind nunmal nicht autark. Menschen brauchen einander. Nur wir, wir ,,doofen Opfer,, sollen uns das alles, was wir brauchen, selbst geben und bloß niemanden damit belästigen.
    Kotz würg

    Gefällt 2 Personen

  2. Jepp.
    Interessanterweise hab ich mal gelesen, dass man ein Monotrauma am besten verarbeitet, wenn man ein gut funktionierendes soziales Umfeld hat.
    Lustig, ne?

    Allerdings hab ich ja die Vermutung, dass die durchaus für ein stabiles soziales hilfreiches Umfeld sind.

    Nur –
    Ich vermute mal, dass das für die „Erwachsene“ gilt.
    Wie hams die Lunis so schon ausgedrückt?
    DIE PATIENTIN.

    Und die „Patientin“, die darf sich dann mal selber um ihr “ Innenleben“ kümmern.
    Nachdem man ihr gezeigt hat, wie das geht.
    DAFÜR sind andere Leute nich zuständig.
    Wo käm wer denn da hin?!?

    Gefällt 1 Person

    1. Klar – warum sollten andere helfen, den Dreck weg zu putzen?!
      Sie haben ihn ja nicht *gemacht*.

      Es gab da sogar in meiner Beziehung die erste Zeit so ne Phase.
      Da hatte auch der Mann ein großes Problem mit diesem Gefühl, dass nun ER helfen, verstehen und unterstützen soll, damit heilen kann, was ANDERE verbrochen haben.

      Inzwischen wissen wir ja, dass das bei uns BEIDEN so ist, dass andere uns zerstören wollten.

      Und was ich oft schon dachte im Leben ist,
      dass es sich am Ende immer irgendwie ausgleicht.
      Es ist egal, wer dir je geholfen hatte – oder wem DU.
      Man muß nicht immer exakt dem selben Menschen zurück helfen oder was zurück bekommen.
      Es reicht, wenn man auch jemand völlig anderem hilft.

      So, wie man oft auch von Menschen Hilfe bekommt, die man womöglich kaum kennt.
      Oder plötzlich kriegt man von irgendwoher Geld.
      Oder irgendwas geschenkt.

      Also könnten auch Helfer sehr viel geben – obwohl „der/die Patient/in“ vielleicht kaum was zum (zurück-)geben hat.
      Es wird von anderer Stelle gegeben.
      Immer – glaube ich – wenn man von Herzen schenkt und nicht aus Berechnung.

      Gefällt mir

  3. Auch von uns volle Zustimmung.
    Ich check das auch einfach nicht, gerade wo das OEG Opfer entschädigen soll. Leider tun sie Opfer in vielen Fällen in noch mehr Schmerzen stürzen! Und entschädigen bei weitem nicht das, was ihnen zustehen würde. Gerade sie müssten sich mit der Psyche von Opfern genau auskennen, ihnen Mitgefühl und Beistand geben. Aber Pustekuchen!
    Jene Anwälte genauso!
    Ist doch Mist! Großer Mist!!!

    Ja und eben, wie soll man sich selbst eine gesunde, liebevolle Beziehung geben, wenn dazu nun mal andere Menschen gehören, sonst ist es ja keine Beziehung. Was man tief sitzen hat ist leider bloß Gewalt, Hass, Diskriditierung etc. Täterintrojekte – die weiter führen was Täter begonnen haben. Und mit jenen als innere Stimme soll man sich selbst Liebe geben können? Wie das denn bitte? Das Gegenteil geschieht ohne das man Hilfe bekommt, ohne dass man beigebracht bekommt, wie es wirklich geht, sein sollte.
    Ach, komm mir weg!!! Ist doch alles Mist hier!

    Gefällt 1 Person

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