Das Intelligenz-Thema

vom Autorenhund beschäftigt mich.

Guten Morgen, ihr Lieben

Eben hab ich den Testkram raus gesucht.
Von damals, bei der Berufsfindung.
Ich war so viele Jahre traurig gewesen – und bin es noch.

Was hatten die seinerzeit in ihr Gutachten geschrieben?
*Ich hätte ein auffallend hohes Geltungsbedürfnis.*
Das steht im selben Gutachten, wo auch drin steht, dass ich aufgrund von sexuellem Mißbrauch psychisch instabil sei.

Es wurde nicht in Bezug gesetzt.
Dass ich vielleicht nur deswegen dieses „gesteigerte Geltungsbedürfnis“ hatte.
Ich schrie nach Hilfe.
Ich schrie so unsagbar und vehement laut nach Hilfe.
Aber niemand hörte es.

Die Rentenanstalt wäre aufgrund meiner Fähigkeiten tatsächlich bereit gewesen
in eben diesem Berufsfindungs- und ausbildungswerk
mir und meiner Tochter GEMEINSAM
eine Ausbildung, bzw. gar ein Studium zu finanzieren.
Mich dort mit ihr zusammen internatsmäßig unterzubringen, mit hauseigenem Kindergarten – später Fahrdienst zur externen Schule.
Und mich jahrelang auszubilden.

Leider war das eine „Anstalt“ wie eine Art kleine Kommune.
In sich abgeschlossen und bestehend aus lauter Beton-Bunkern.
Fast Hochhäusern.
Wir redeten dort untereinander – klar.
Und die Suizidrate dort war immens hoch.

Häuser zum Hinabstürzen gab es genug.

Die Ergebnisse unserer Tests, welche wir – wenn ich recht erinnere – über 2 Wochen lang den ganzen Tag über absolvieren mußten,
konnten wir am Ende selbst in diesen Vordruck eintragen.
Man sagte sie uns.
Gesehen haben wir unsere Ergebnisse nicht.

Ich war 25 oder 26.
Schon seit 10 Jahren aus der Schule. Und in Formeln aus der Übung.
Und klar – niemand kann ALLES können.

Eben mußte ich grinsen und fragte mich,
wie ich eigentlich drauf komme, dass ich bei einem Test außerhalb dieses Instituts genauso abgeschnitten hätte?
Vielleicht bezog sich dieses Formular ja tatsächlich nur auf *alle Teilnehmer*.
Vielleicht sind Menschen in Berufsfindungswerken ja eher „unterer Durchschnitt“.
Und mein Überdurchschnittlich dort
*draußen* in Wahrheit nix Wert?

Keine Ahnung, was bei gemeingültigen Tests heraus gekommen wäre?
Aber auch nicht, ob dies ja nicht doch genau *solche* gewesen waren.

Am Ende sagte ICH das Angebot ab.
Daraufhin bot man mir extern eine Ausbildung an, welche ich aber ebenfalls ablehnte.
Ich wollte nur halbtags.
Also gab man mir die Möglichkeit „Bürokauffrau“ zu werden.
Aber auch das gab ich nach kurzer Zeit wieder auf.

Ich galt als zu instabil.
Und unwillig.

Es wußte ja keiner.

Dass ich mit meinem Typen das Problem hatte,
dass er alles kritisierte, was ich anstrebte.
Dass er mir Vorhaltungen machte.
Jammerte, zeterte und klagte.

Schließlich schaffte ich für ihn an.
Schließlich lebte er von meinem Geld.
Schließlich brauchte er mich!!!!

Ich kann ihn doch nicht im Stich lassen!!!
Schon garnicht derart weit weg (gut 400km) in ein Internat gehen und kein Geld mehr bringen!!!
Schließlich hatten wir doch Pläne!!!
Ich wollte ihm seine Firmenausstattung beschaffen.
Und weiter anschaffen.
Da kann ich doch nicht so blöd sein, und das viele Geld eintauschen gegen eine AUSBILDUNG!!!
Was soll er denn dann tun????

Vielleicht,
wenn die mir dort zugehört hätten
wirklich interessiert gewesen wären
wirklich hätten helfen wollen
wäre ich schon mit 27 den Fängen der Prostitution und solcher Männer entkommen.

Vielleicht,
hätte ich dann heute ein Studium.
Und vielleicht,
hätte ich auch lange schon Therapie bekommen.

Aber so?
Gaben mir die Lehrer dort mit einem Blick….
einem Blick der derart fassungslos
ungläubig
zweifelnd
erstaunt
fast auch angewidert
überheblich
gewesen war,

meine Ergebnisse.

Die so garnicht zu jenem paßten,
das sie glaubten,
als sie bei meiner Abgabe der eben geschriebenen Tests
unentwegt sagten, ich solle doch fertig machen.
Es sei doch noch Zeit.
Irgendetwas würde ich doch sicher wissen.

Und sie glaubten mir nicht,
dass ich fertig war.
UND kontrolliert hatte.

Am Ende gab es Nichts.
Den Taxi-Schein, ok.
Und ich fiel aus dem Reha-Ding der Rentenanstalt; wiedereingegliedert.

Mit 41 träumte ich noch immer den Traum.
Fing an auf dem Abendgymnasium.
Dachte, wenn ich gut bin, dann krieg ich das noch hin.
5 Jahre bis zum Abi.
Dann studieren.
Irgendwas.
Ich wollte so gerne noch fühlen, merken und zeigen,
dass ich NICHT DUMM bin.

Als ich dann aber aufhörte mit der Prostitution (das Abendgymi wußte das und es galt als *berufstätig*)
hätte ich ohnehin nicht mehr dort hin gekonnt.
Zum einen, weil ich mich mit Hilfsjobs versuchte, die – wie so oft – „zeitliche Flexibilität“ forderten.
Zum anderen, weil ich das Appartement dort aufgab, und nicht jeden Abend fast 30km noch hätte dort hin – und um 23h wieder zurück fahren wollen/können.

Aber ich verließ das Abendgymnasium mit verdammt guten Noten.
Und es tat weh.

Heute nun hab ich ja Glück.
Immerhin habe ich es geschafft, beim OEG den Berufsschaden anerkannt zu bekommen.
Und ich beziehe ein „Hätte-Gehalt“ – ich glaub, so nennt sich das.
Ein fiktives Gehalt, von welchem man denkt, dass ich es heute HÄTTE,
hätte ich nicht all diese Gewalt erlebt.

Aber selbst das ist irgendwie fake.
Obwohl ich, wie gesagt Glück hatte.
Denn bei mir berechnet man das, aufgrund meines früheren Gehaltes als Briefträger.
Dem Job, den ich von den „anständigen“ am längsten gemacht habe.

Aber dennoch….
OHNE all die Gewalt,
hätte ich auf dem Gymnasium wesentlich bessere Noten gehabt; einen besseren Stand im Leben.
Und OHNE die Gewalt hätte ich gewiß studiert.
OHNE die Gewalt hätte ich ggf. sogar einen Doktortitel.
Und OHNE Gewalt wäre ich niemals Briefträger gewesen.
Erst recht keine Prostituierte.

Und mein Leben läuft weiter – und davon.

Alles, das ich hätte sein oder werden können,
ist vollkommen anders.

Aber oft
denke ich darüber nach,
ob das zwangsläufig SCHLECHT sein muß.

Vielleicht,
wäre ich auch eine sehr intelligente, aber kaltherzige und empathielose Anwältin geworden.
Oder eine völlig ahnungslose Pädagogin – so, wie viele, die alles nur vom Papier wissen.

Man weiß es nicht.

Gerne wüßte ich manchmal,
ob es mir ohne Gewalt leichter gefallen wäre, Entscheidungen zu treffen.
Ob ich klarer wäre in jenem, das ich will – und was nicht.

Ob ich ohne Gewalt nicht so viele innere Meinungen, Ziele und Pläne hätte.
So vieles, das (miruns) wichtig wäre.
*Ich* kann mich nie entscheiden.

Es gibt so unsagbar VIELES,
das in unserer Menschheit krankt.
Und wo dringend Handlungsbedarf und Weitsicht nötig wäre.

Man weiß garnicht, wo man anfangen sollte.

Und am Ende werde ich irgendwann sterben, ohne Beruf.
Ohne, dass ich auch nur IRGENDWAS an diesem Elend habe ändern können.

Aber vielleicht ist auch das nicht wahr.
Vielleicht konnte ich als Hure sogar wesentlich MEHR verändern, als so viele andere in ihren Berufen.
Zumindest habe ich Männern oft zu denken gegeben.
Oder zu fühlen.
Sie sogar Heim geschickt zu ihren Frauen.
Mit Tips, wie sie ihre Ehe besser machen können.
Zumindest habe ich nie etwas Böses gewollt.
Oder etwas Egoistisches.

Ich wünsche Euch einen schönen Tag.
Viel Kraft und Liebe ❤


Gebloggt am 23.02.2020

Nichts

3 Kommentare zu „Das Intelligenz-Thema

  1. Uns beschäftigen andere Möglichkeiten nicht mehr. Genau diese Gewalterfahrung ist unser Leben. Ist es schlechter, als es ohne gewesen wäre? Es ist anders, ganz bestimmt. Aber würden wir heute so viel schöne Kleinigkeiten wahr nehmen? So viel reflektieren?
    Oder völlig oberflächlich und konsumorientiert dahin leben?
    Wir wissen auf jeden Fall, dass unsere Art, kreativ in Bildern Gefühle auszudrücken uns nie so weit gebracht hätte. Und heute finden wir das wertvoll.
    ❤ ❤ ❤

    Gefällt 1 Person

    1. Mir geht hier aber doch immer wieder innen durch,
      dass es garnicht darum geht, Ungelebtem oder Unmöglichgemachtem nachzuweinen.
      Weil nein, wir wollen ansich ja auch nicht anders sein.
      Käme eine Fee und verspräche, alles anders zu machen – rückwirkend – dann würden wir ablehnen.

      Aber ich glaube, wir werden einfach nicht überdrüssig,
      ANZUPRANGERN.

      Weil es so unzählig viele Wegseher gab.
      So unzählig viele Ignoranten.
      So unzählig viele Menschen, die tatsächlich WUSSTEN – oder zumindest ahnten – und doch den schwarzen Peter immer UNS in die Schuhe schoben.

      Dieser Text entsprang des Autorenhundes Gedanken, dass Menschen für Dummheit unentwegt Verständnis aufbringen.
      Intelligenz jedoch ablehnen und abwerten; geringer machen.
      Intelligenz wird geschmälert mit „Klugscheißer“ u.ä.
      Schlaue Menschen sind der Mehrheit der Leute irgendwie *unangenehm*.

      Und ich vermute,
      dass meine Widersprüchlichkeit dahin gehend,
      dass *Huren strunzdoof sind*
      Ich jedoch nicht so erschien
      ich aber dennoch mein Trauma nicht in Worte kleiden konnte
      und wenn, dann nur „stümperhaft“ (also konträr zu Intelligenz)


      dass also einiges an mir den Menschen ganz besondere Verwirrung machte
      Menschen aber auch schon prinzipiell bei Gewalt oft eher deckelnd und verleugnend reagieren

      Mir fällt einfach auf, dass Menschen oft aus Gründen nicht helfen,
      die womöglich nichts mit MIR,
      sondern vielmehr mit IHNEN zu tun haben.

      Und außerdem fürchte ich, es hat sich selbst bis HEUTE noch nicht wirklich allzuviel daran geändert.

      Und somit geht es eigentlich nicht darum, dass ich einem besseren Leben nachweine,
      sondern vielmehr wütend bin,
      dass so viele andere Menschen nicht an sich arbeiten wollen.
      Damit sich Dinge endlich verändern könnten.

      Und vermutlich geht das hier noch öfter.
      Ist ja nicht das erste Mal.
      Puh – so lang sollte das garnicht werden.

      Gefällt 2 Personen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..