Es ist ja noch nichtmal halb 8…

Guten Morgen, ihr Lieben 🙂

Ich bin grad echt fast erschrocken.
Der Mann ist längst weg und ich hab mein Tee-Kästchen aufgefüllt.
Und eben eine Liste geschrieben, was ich heute noch tun will/sollte.
Und gut – ich ging davon aus, es sei einiges später.

Gestern….
Gestern hab ich vormittags hier einerseits irgendwie gebummelt – andererseits auch nicht.
Dieses Gefühl, „erst um 11 los zu müssen“, ließ mich gemütlich fühlen.
Bis ich dann auf der Paketverfolgung guckte und begriff, dass sowohl DHL, als auch DPD kommen wollen und dass da bei DHL steht „zwischen 9.38 und 11.03h“

Mist.
Besser schnell mal duschen, nicht dass ich unterm Wasser stehe, wenn es klingelt.
Am Ende kam er doch recht spät und beim DPD weiß man ja eh immer nix.
Die sind hier echt zum Kotzen.

Im Keller mal noch die WaMa aus der Maschine in den Trockner. (den muß ich dann heute noch hoch holen)
Und irgendwer wollte sich schön machen (- für die Tochter).
Am Ende waren wir SO schön, dass wir es kaum glauben konnten, dass das doch (noch) geht.
Und das kleine Schuhregal, das wir bekommen hatten, haben wir auch noch schnell zusammen gebaut – dabei dann kaputt gemacht und den Riß im Plastik noch kurz geklebt.

Wir sind dann hier noch im Kreis gefahren, in der Hoffnung, den DPD-Typen doch noch zu finden.
Aber Fehlanzeige.

Auf der Autobahn lief es dann echt gut und unser Auto wollte so unbedingt gern Tempo machen.
Irre, wenn man mal auf den Tacho guckt und fast erschrickt, wie unsagbar entspannt und locker *irgendwer* da bei 220 vor sich hin düst.
Und sich ewig zu fragen, warum man eigentlich so schnell fährt???
Ist doch doofig, wenn man dann so viel zu früh ist und eh dann warten muß.
Aber es hat halt Laune gemacht.

Zwischendrin Rauch- und Pipipause und weiter.
Komisch, dass man so seine Lieblingsparkplätze hat.
Dort, wo man IMMER anhält – einfach, weil man das so macht.

Klar – wir waren zu früh – aber doch nicht so sehr, wie wir gedacht hatten.
Ich hasse diese Ecke, wo die Tochter arbeitet. Man kriegt kaum einen Parkplatz.
Und so hab ich mich rückwärts in eine Lücke gedrückt, wo dann noch links und rechts etwa 20cm Platz war zu den Nachbarautos.
Irgendwie zur Türe raus geschält und erstmal geraucht.
Bis mir einfiel, dass sie letztes Mal ne SMS geschrieben hatte – also geguckt.
Und Mist…..
sie hätte früher aus gehabt und ich könnte gleich zu ihr Heim kommen.

Jau.
Also wieder rein geschält ins Auto und wieder zurück.

Schön war´s.
Unendlich schön.
Wir ham Asia bestellt und sehr viel geredet.
Viel über Heute – aber auch immer wieder von alten Dingen.
Auch über ganz viel Weh.

Sie hat erzählt, dass sie früher oft in meinem Bett geschlafen hat.
Wenn ich wieder tagelang in irgendwelchen Puffs hockte.
Meist war ich so Montag bis Donnerstag weg. Manchmal auch Freitag.
Und wenn ich ihr fehlte – und das tat ich wohl immer – dann schlief sie halt bei mir – dann war wenigstens mein Geruch bei ihr.
Aber irgendwann dazwischen hab ich auch immer wieder die Türen abgeschlossen.
Weil ich ständig Angst hatte, sie klaut mir eh nur Zeug oder kruschtelt alles durch.

Ich hab gestern so unendliche Traurigkeit gefühlt und Bedauern.
Es tut mir unendlich Leid.

Ich hab mich so derart und unaufhörlich von ihr bedroht gefühlt.
Angegriffen, verarscht, belogen.
Wir führten Krieg.

Im Leben nicht wäre ich auch nur auf die *Idee* gekommen,
wie sehr sie leidet.
Wie sehr ich ihr fehle.
Dass sie solchen Schmerz fühlt.

Sie hat es immer gut versteckt – wie ich auch.
Wir waren immerzu nur Krieger.
Immerzu nur wütend oder streitend.
Aber da war kaum mal etwas Weiches oder Schwaches.

Nur innendrin.
Innendrin in uns BEIDEN.

Hätte ich geahnt, dass sie in meinem Bett schläft; warum und dass sie das so tröstet
ich könnte nicht sicher wissen,
ob wir eine bessere Lösung gefunden hätten.
Aber ich hätte es mir gewünscht.

Es ist traurig.
Und ganz grausam schlimm.
Was und wie viel da bei uns so schlimm gelaufen war.
Weill wir nicht sprachen; nicht wirklich ehrlich sein konnten.
Beide nicht.
Vor lauter schützen und wehren müssen.
Vor lauter Angst vorm anderen.

Wir sprachen davon, wie unsicher sie inzwischen ist, wegen einem Baby.
Und sie macht sich viele Gedanken darüber, was sie wie bräuchte
dass es für sie dann wohl doch auch gut und schön sein könnte,
Mama zu werden.
Sie ist total erstaunt von sich selbst.

Sehr gerne hätte sie einen Sohn. Vor einer Tochter hat sie Angst.
Auch hierüber redeten wir.
Mir war es genauso gegangen.
Aber am Ende ist das Geschlecht doch egal.
Kinder sind so, wie man mit ihnen umgeht.
Man kann es gut machen oder versemmeln – Söhne UND Töchter reagieren auf Liebe.

Noch vor einem halben Jahr war sie sicher, NIEEEEEE ein Kind zu wollen!!!!
Und nun, da sie ihren Freund hat
und der so völlig anders ist, als die Jungs davor
ändert sich irgendwie alles.

Eigenartig….
ich könnte OMA werden.

Ein sehr merkwürdiges Gefühl.
Ob ich eine gute Oma sein könnte?
Eine, so ganz anders als meine war?
Und auch anders, als meine Mama zu meiner Tochter war?

Das ist auch eine Aufgabe, irgendwie.
Die Omas in unserer Familie zu heilen.
Meine Mama hatte kaum Kontakt zur Tochter.
Und ich hatte ihre Unsicherheit zwar registriert, aber nicht zu deuten gewußt.
Sie hatte Angst, glaube ich.
Und sich lieber entzogen.
Oder aber, sie war in einem Anflug von „jetzt bin ich aber anders“ völlig über´s Ziel hinaus geschossen.
Es gab kein gutes Maß.
Aber immerhin hatte sie es versucht.

Ich bin sehr glücklich über meine Tochter.
Und wie wir unsere Themen aufarbeiten können zusammen.
Und ich sage ihr das auch oft.
Sie ist gut geworden im Grenzensetzen. Im Sagen, was sie braucht und was nicht; was sie möchte oder nicht.
Ich bin dankbar dafür.
Weil ich so lockerer sein kann und ich selbst.
Ohne Angst und ohne ewig aufpassen und denken zu brauchen, ob ich was falsch mache.
Sie SAGT es einfach.

Es ist so gut geworden.
Innerhalb eines einzigen Jahres.

So gegen 6 meinte sie, dass wir uns dann langsam trennen sollten – auch, wenn sie eigentlich nicht mag.
Sie wollte gegen 20h schon ins Bett, weil sie morgens oft schon kurz nach 3 wieder aufsteht.
Sie arbeitet irre viel.

Wir gingen zusammen runter, weil sie noch ein Paket an der Station abholen wollte
und da standen wir dann kuschelnd an der Ampel.
Verabschieden dauert bei uns oft 20min.
Umarmen, küssen und ganz viele liebevolle Dinge sagen.
Bissi weinen.
Und lachen.

Sie erzählte noch kurz was von der Arbeit und sagte, die Frau hätte sie an mich erinnert.
Sie sei auch so in meinem Alter und geht gut für 35 durch.
So, wie ICH.

Sie ist froh, dass sie inzwischen wenigstens nicht mehr den Ausweis zeigen muß.
Man schätzt sie mittlerweile so auf 20.
Das sei bei uns wohl so 🙂

Die Heimfahrt war dann im Dunklen nicht mehr so rasant.
Aber der Mann war erstaunt, dass ich schon so früh da war.
Beim Rauchen der ersten Zigarette nach der Fahrt saß *ich* dann auf dem Balkon.
Und da war dann das Viele-sein wieder so irre fühlbar.

Jene, die dort draußen saß mit hängenden Schultern und traurigem Blick war nicht weg gewesen.
Ihr fehlte der Tag.
Sie fühlte sich traurig und resigniert, wie immer.
Unwohl, hier in diesem Ort; mit diesen Menschen und ewig wartend, dass irgendwas besser wird.

Und tief innen waren andere, die ihr erzählten.
Von der Fahrt, der Tochter, der Freude und den Tränen.
Und sie wußte davon nichts.
Fühlte aber die anderen – und deren Fühlen – mit.

Die Schminke kam runter; es wurde sich umgezogen.
Der PC hoch gefahren und der Tochter gesagt, dass wir gut angekommen waren.
Eine Mail sagte, dass DPD geliefert hatte – aber nicht WEM.

Der Mann lag in seinem Zimmer, um sich um sich selbst zu kümmern.
Man legte sich ein bißchen dazu; ein bißchen Nähe fühlen – und schenken.
Einfach DA sein.

Der TV lief tonlos, während wir dann hier saßen und erzählten vom Tag.
Als man irgendwann auf die Uhr sah und überlegen wollte, was wir noch gucken könnten,
war es halb 10.
Wir machten den Fernseher aus und gingen schlafen.

Heute nun kann ich durchs Haus laufen und klingeln und fragen, wer mein Paket hat.
Aber gut, dass ich nicht suchen muß, wo ich es abzuholen hätte, wäre es benachrichtigt und mitgenommen worden.

Ich kann dann dem Mann im Kleiderschrank noch das Schuhregal umräumen.
Abspülen, duschen, lesen.
Viel ist heute nicht zu tun.
Ah – Kleiderbügel werden wohl noch geliefert.
Jetzt, mit dem größeren Schrank, hatten wir einfach zu wenige.

Und ach…. die Tochter hat sich gefreut.
Über das kleine, grüne Nilpferdi.
Aber dennoch hab ich jetzt Kuscheltier-Verbot.
Sie sagte, sie hätte mal 400 Stück gehabt.
Viele davon dann weg getan.
Jetzt hat sie noch einen Sack im Keller mit den Schönen.
Und ihr Bett ist voll und auch die Regale.
Und sie weiß nicht mehr wohin damit.

So kamen wir drauf…
dass ich nie wußte, wie Liebe geht.
Und dass jenes, das ich als Liebe erklärt bekommen hatte (also Sex), ja nicht ging.
Und so hab ich ihr aus lauter Liebe immer und immer wieder Kuschels mit gebracht.
Immer wieder, wenn ich an sie dachte.
Immer, wenn sie mir fehlte.
Immer, wenn ich keine Worte hatte.
Und sie hat schon früher immer wieder Tierchen weg getan.
Verschenkt.
Weils einfach zu viele waren.

Gestern sagte ich zu ihr,
dass ich sie dann ja doch geliebt hab.
Ganz oft und viel geliebt.
Mit so unendlich vielen Kuschels.
Traurig, irgendwie, es nur SO gekonnt zu haben.
Aber doch auch schön zu verstehen, wie SEHR ich sie geliebt hab.
Auch, wenn ich es anders nicht zeigen konnte.

Wir haben uns GEGENSEITIG geliebt.
Es fehlten nur die Worte.
Und die Angst war zu viel.

Ich wünsche Euch einen schönen Tag.
Viel Kraft und Liebe ❤


Gebloggt am 03.03.2020

Hab ich schon davon geschrieben?

04.03.2020

Hm… – Überschrift… Chaos?

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