Ich frage mich,

was wohl mit unserer Gesellschaft passieren würde,
wenn man zum Einen tatsächlich Prostitution – also bezahlten SEX – verbieten würde
und stattdessen flächendeckend
bezahlbare Kuschler und Kuschlerinnen zur Normalität erklären und stationieren würde.

Wenn es normal wäre
und zur Seelenhygiene gehören würde
– so, wie das Duschen zur normalen Körperhygiene gehört –
dass Menschen, welche einsam sind, bzw ALLE
einfach mal für 10 oder 20€ ein paar Minuten lang zur/m Kuschler/in gingen.
Bedeutungslos, ob Mann oder Frau; Kinder.
Vielleicht sogar kostenlos. Vom Staat gefördert.
Zum Wohle des Volkes; der Seelen.

Angezogenes Umarmen.
Oder auch im Achselshirt und kurzer Hose.
Hautkontakt an Extremitäten.
Aber nicht mehr.

Oder noch besser:
Wenn wir alle anfingen, uns gegenseitig zu umarmen – einfach so.

Gestern lief auf Arte „Die Macht der sanften Berührung„.

Und wir waren danach schlafen gegangen.
Ich lag im Bett und irgendwer wollte unbedingt wieder aufstehen.
Unbedngt hier im Blog einen Beitrag schreiben.
Aber alle anderen wollten schlafen.
Also schreibe ich JETZT.

Schon damals, als ich noch in der Prostitution gewesen war,
war das sehr oft Thema in mir.
Berührung.

Immer, wenn die Politik darüber diskutiert, ob man nicht vielleicht doch dem nordischen Modell folgen sollte
Freierbestrafung einführen sollte
und die Huren straffrei lassen
Aussteige-willigen helfen
Und viel mehr auf der Seite der Frauen stehen
sie vor Gewalt schützen
ihnen glauben, was sie erzählen

dann gibt es da die Frauen des BsD und der Hurenbewegungen,
die lauthals schreien,
dass sie freiwillig diesen Job machen.
Dass die Politik ihnen ihre Lebensgrundlage rauben will.
Dass sie doch so WICHTIG seien.
Weil ohne Prostitution gäbe es so viele Vergewaltigungen mehr!!!
(- was allerdings garnicht stimmt, wenn man nach Skandinavien sieht.
Es ändert sich die Wahrnehmung der Männer in Sachen „sofort verfügbar-sein-müssender Sex“; dem Wert der Frauen und auch der Selbstverantwortung der Männer. Es ändert sich ebenfalls das Gefühl, welches Frauen zu sich selbst und anderen Frauen haben. Es entsteht mehr Solidarität und das Verständnis, dass es auf Sex kein Anrecht gibt. Dass man NETT sein muß, wenn man sich paaren will. Und vieles anderes.)

Die Frauen der Hurenbewegung tönen,
dass sie schließlich die RETTUNG seien!!!
Für all die alten Männer ohne Frauen.
Für all die Behinderten, die sonst keiner will.
– weil ja schließlich die Forschung sagt, wie WICHTIG Berührung sei (und Orgasmen).
Und diese Menschen sonst unberührt verkümmern.
Und für all jene, die gewohnt sind, mit Gewalt zu nehmen, was sie zu brauchen glauben.

Aber all solche Argumente zeigen in Wahrheit nicht die Wichtigkeit der Huren.

Sondern sie zeigen,
wie einsam unser Land ist.
Und wie gewalttätig.
Wie Männer ticken; was sie glauben, tun zu können.
– auch manche Frauen.
Wie verfügbar Menschen sein sollen – sogar für Sex.
Und auch, was unser Land von Menschen mit Behinderung HÄLT.
Und von Senioren.

Vereinsamung.
Herzenskälte, Egoismus und Gier.
DAS ist es, das die Prostitution fördert und am Leben hält.
In beide Richtungen – genau genommen.

Aber Prostitution IST keine Rettung.
Nicht für die Huren und nicht für die Freier/innen.

Prostitution ist ein Pflaster auf eine unbehandelte Wunde.
Oft gar auf eine unversorgte Amputation.
Prostiitution ist weder Blutkonserve, noch Naht.
Sie läßt es – für die Gesellschaft – nur so aussehen.
Währenddessen verbluten die einsamen Menschen weiter.
Nur, dass sich niemand verantwortlich fühlt zu helfen.

Schließlich gibt es Huren, oder?
Da haben sich doch die Richtigen gefunden.

Und JA – Beide sind einsam.
Beide sind seelenleer.
Beide haben ein großes Loch im Herzen.
Die Freier UND die Huren.

Aber wie könnten sie sich helfen?
Wo sie nicht allzuviel zu geben haben?
Wo es ums FICKEN geht – nicht ums Lieben.

Und wenn, dann nur für Geld?
Es ist ein in-sich-selbst-pervertiertes System.

Ich habe über 25 Jahre im Sexgewerbe verbracht.
In etlichen seiner Sparten.
Manchen nur kurz – anderen lang.

Aber wer will das wissen?
Wer hört mir zu?
Wen interessiert´s?

Wie SIND Freier?
Warum tun sie das?
Welche bewußten und unbewußten Themen treiben sie zu Huren?
Was erhoffen sie? Bzw. was „arbeiten sie ab“?
Und welche Art von Freier geht zu welcher Art von Hure? Etablissement?

Es gibt ja auch bei den Huren Hierarchien.
Bessere, schlechtere und Abschaum.
Stufen, die man auf- oder absteigen kann.
Auffallend, dass Freier verschiedener Art dennoch bei ALLEN zu finden sind.

Gewalttätige Freier treffen ebenso auf Straßenhuren, wie auf Edelescorts.
Genauso, wie auch Freier, die „nur schmusen wollen“.
Es gibt überall auch „die Netten“.

Wobei selbst die „netten Freier“ oftmals gewalttätig sind.
Nicht körperlich in diesem Fall – sondern oft eher emotional.
Alleine hierdurch, dass sie GEBEN wollen – auch dann, wenn die Hure garnichts WILL.
Alleine dadurch, dass sie stets darauf bedacht sind, GUT ZU TUN – auch dann, wenn die Hure das garnicht wünscht.

Prostitution ist in sich selbst gewalttätig.
Weil es um Sex geht.
Um eine Art der Nähe, die keine Grenzen erlaubt und kein Nein.

Ich habe es zunehmend gemerkt.
Je mehr ich mein Fühlen fand; reflektierter wurde
desto mehr Grenzen setzte ich.
Und desto weniger Freier kamen noch.

Freier wollen ALLES.
Und nur das JA.

Sobald man als Hure nein sagt
und Dinge nicht tun möchte
gehen Freier zu anderen Huren, die KEINE Grenzen setzen.
Selbst DANN, wenn sie eigentlich garnicht exakt diese „Leistung“ kaufen wollen.
Selbst DANN, wenn sie eigentlich nur jenes wollen, das geht.
Selbst DANN, wenn sie eigentlich selbst lieber nur kuscheln wöllten.

Ich hab öfter erlebt, dass ich 2 Stunden oder länger mit Freiern sehr tiefe, gute Gespräche führte.
Sie angezogen umarmte oder Händchen hielt.
Und dann, als noch etwa 20min. über waren, bis sie hätten gehen müssen, sagten sie
„So, jetzt bläst Du mir noch kurz einen. DAS HAB ICH SCHLIEßLICH BEZAHLT“
– aber eigentlich hätten sie das garnicht gewollt oder gebraucht.
Aber bei Huren hat man Sex, oder?
Das MUSS so sein.

Gestern, der Film, erzählte sehr deutlich davon,
dass Menschen Berührung BRAUCHEN.

Wie unser Nervensystem funktioniert.
Von Experimenten, die man bereits mit Tieren versucht hatte, welche man nach ihrer Geburt ohne Berührung ließ.
Tiere, welche Essen und Trinken bekamen und deren Käfig gesäubert wurde
– die man jedoch unbeachtet und unberührt ließ.

Der Film zeigte auf,
wie sehr Lebewesen verkümmern; ja sogar sterben,
ohne körperlichen Kontakt; ohne Berührung der Haut; ohne Zärtlichkeit.

Und mir ging durch den Kopf,
dass in den letzten Jahren/Jahrzehnten
unsere Gesellschaft immer kälter wird.
Hass, Neid, Gier, Wut, Mißgunst – einerseits.
Depressionen, Einsamkeit, Traurigkeit, Schmerzthemen – andererseits.

Seit WANN gibt es Handys? Computer?
Seit WANN finden Kontakte oftmals (nur noch) online statt?
Seit WANN treffen wir uns viel seltener?
Verkümmert die Fähigkeit zu guter Kommunikation? Unsere Sprache?

Und nun, mit Corona?
Wo selbst jene, die sich noch umarmten, das nicht mehr DÜRFEN?

Berührung fehlt.
Es geht nicht um Sex oder Abspritzen.
Es geht um unser Nervensystem; unsere Seelen; unsere Herzen.

Ohne Berührung und Nähe
verlernen wir
SOZIAL zu sein.

Der Film sagte, dass Menschen, welche Berührungen kaum kennen,
diese irgendwann unangenehm empfinden.
Ich würde sogar sagen, sie tut WEH.

Irgendwann ist man derart sensibilisiert, dass man Streicheln fast schmerzhaft empfindet.
Schmerz auf der Haut.
Aber – zumindest war es bei mir so – in Wahrheit tut es in der SEELE weh.
Man entzieht sich.
Man WILL nicht (mehr) berührt werden.

Weil es derart weh tut und man nicht versteht, was genau.
Aber es ist in der Seele.
Der Schmerz darüber, was man so lange Zeit vermißte.
Was fehlte.
Was man nie hatte haben dürfen.
Der Schmerz der Einsamkeit.

Die Nerven sind zurück gebildet; verkümmert und senden Überreizung.
Die Psyche wehrt sich und man denkt
„JETZT will ich auch nicht mehr!!!!! Früher, hab ich noch darum gebettelt und geschrien. Da hab ich es nicht gekriegt. Und jetzt… jetzt will ich nicht mehr. Jetzt, jetzt bin ich eh schon kaputt.“

Und es fällt unendlich schwer,
sich nach und nach los zu lassen
Berührung zuzulassen
sich nicht mehr zu wehren
und es irgendwann sogar schön zu finden.
Berührungen ohne Gewalt. Echte Nähe.

Es tut zu weh.
Einsamkeit und Kälte.
Aus sich heraus
und Wärme hinein zu lassen.

Aber all das hat nichts mit (schnellem) Sex zu tun; Befriedigung; Orgasmen.
Auch sie sind in Wahrheit nur eine Flucht vor echter Nähe und Tiefe.

Sondern mit Menschlichkeit und Gefühl.
Mit Annäherung zu anderem Leben. Im Herzen.


Ich wünsche Euch einen schönen, erholsamen Tag.
Viel Kraft und Liebe ❤


Gebloggt am 06.03.2020

4.13h war ich wieder wach

07.03.2020

3.37h war es heute

Der Wert einer Frau

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9 Kommentare zu „Ich frage mich,

  1. Uff, irgendwie hat uns euer Text grade ziemlich „umgehauen“, bzw. das ist das falsche Wort. Aber irgendwas hat das ganz tief drin berührt…

    Wir wünschen euch auch noch einen guten restlichen Tag ❤

    Gefällt 1 Person

  2. Super Text!
    Ja genau die Freier die einem verklickern wollen, dass sie dich verwöhnen, dabei geht es nie um die Frau…und schon gar nicht um ihre Bedürfnisse…er wll das alles tun, weil er es geil findet….
    und ja das mit den *Berührungen nicht kennen* das hab ich schon vor 20 Jahren also vor all den Therapien so gesagt…ich kenn das nicht…und ja manchmal kommt die Sehnsucht mit Wucht um die Ecke…schwierig…
    und wenn ich in den Nachrichten höre: weiter Abstand halten usw…ich könnt nur noch schreien…schade alles…und so traurig….

    Gefällt 1 Person

  3. Echt witzig. Alte Männer brauchen Prostituierte weil die sonst keiner will? Was ist mit slten Frauen? Ich habe immer Spaß daran, den Spieß in Gedanken umzudrehen. Dann fällt auf, wie absurd die Welt nanchmal tickt.
    Herzliche Grüße unter Überlebenden

    Gefällt 1 Person

    1. Ja, das *ist* so.
      Es geht immer nur um die Bedürfnisse von Männern.
      Ich las noch nie davon,, dass 20-jährige, knackige Männer unbedingt 80-jährige Frauen schmusen müssen, damit sie länger und glücklicher leben können (also die Frauen).
      Das wär doch mal was Neues.

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