Alles so unwirklich

Guten Morgen, ihr Lieben 🙂

Was ist das bloß für eine Zeit zum Kotzen?
Ich mag langsam nicht mehr.
Ich weiß nur garnicht so genau, WAS eigentlich.

Mein „Loch“ innen jammert ewig vor sich hin, dass es sterben will.
In Gedanken schreibt man einen Abschiedsbrief ans OEG.

Weshalb????????
Hier WILL doch garkeiner sterben!!!!!
Nur ist das Leben im Moment sehr hart geworden, irgendwie.

Wir sind heute Früh glaub gegen 5 oder halb 6 wach geworden.
Ich weiß das gerade überhaupt nicht so genau.

Ich weiß nur, dass wir einen ganz grausamen Traum hatten.
Und als wir aufwachten, waren wir völlig neben uns.
Garnicht hier.
So, als sei das HIER der Traum – und der Traum das echte Leben.

Es ging uns nicht gut – und tut es noch immer nicht.
Es war so real; so echt.

Im Traum hatten wir einen Typen kennengelernt – keine Ahnung mehr, wie.
So einen Typen, der eigentlich garnicht schön war – der aber irgendwas in uns triggerte.
Jenes triggerte, das früher immer klappte.
Diese irre Anziehung; dieses automatische Hinlegen; dieses irre unbedingt ficken wollen.

Also schlief ich mit ihm.
Oder ließ mich vielmehr ficken.
Unaufhörlich und wild.
Ich wußte, dass ich das garnicht WILL.
Ich wußte, dass ich verheiratet bin mit dem Mann, den ich liebe.
Ich wußte, dass es Scheiße ist, was ich tue.
Ich wußte, dass es falsch ist und ich aufhören müßte – besser nie angefangen hätte.
Aber ich konnte nicht.

Ich weiß nicht mehr genau, wie das passierte – es ging irgendwie drum, dass er noch ein anderes Pärchen dabei haben wollte.
Es war fast ein bißchen wie Bingo. Ich sollte in einem Saal voller Leute Kugeln ziehen.
Aussuchen, wen wir mitnahmen.

In seiner Wohnung gab es einen Küchenschrank.
Über dem Kühlschrank eine Klappe.
Darin gab es einen riesigen Teller voller solcher Früchte, wie es sie in Kinderkaufläden gibt.
Aus Zuckerzeug glasiert und ganz klein.
Mit ganz viel Farbstoff.
In mir drin eine unheimlich große Freude.
Bananen!!!!!!
Er hat mir extra meine Bananen gekauft!!!!!

Und jemand aß sie mit ganzen Händen und vollgestopftem Mund.

Er erzählte irgendwas von Marzipan.
Und in mir dachte es, dass das doch garkein Marzipan ist.

Im Schlafzimmer verlor ich dann irgendwie das Bewußtsein.
Zumindest so weit, dass ich allenfalls schemenhaft begriff, dass mehr und mehr Leute kamen.
Ganz offensichtlich hatten die alle Sex mit mir.
Aber ich konnte nichts dagegen tun und war völlig weg getreten.

Später dann, als ich wieder einigermaßen zu mir kam, fragte ich diesen Typen, ob ich mir das eingebildet hab, oder echt passiert sei.
Er lachte nur.
Ich hätte doch Spaß gehabt.
Ich fragte ihn, ob er wenigstens aufgepaßt hätte, dass das alles nur mit Kondom gewesen sei?
Weil es so oder so schon furchtbar sei, was ich meinem Mann antue.
Aber ohne Gummi? Das geht GARNICHT.
Wenn ich dann Heim komme, wird er mich verlassen.

Der Typ lachte weiter sein fießes Lachen.
„Wer hat eigentlich gesagt, dass Du jemals überhaupt wieder Heim gehst?!“

Dann wachte ich auf.

Es war so grausam.
Dieses Ding zu spüren, das schon früher da war.
Früher, wenn ein Mann mich nur ansah.
Früher, wenn ein Mann womöglich gar an seine Hose griff.
Früher, wenn ein Mann sagte, dass er mich will.

Dieses Ding, wo es bei mir aufhörte,
ich zu sein.
Irgendwas zu wollen.
Irgendwas zu dürfen.
Irgendwas zu sein.

Dieses Ding, wo klar war,
dass ich zu tun hatte, wofür ich geboren bin.
Zu tun hatte, was er will.
Zu tun hatte, was meine einzige Aufgabe ist.
Und es mich ausknipste und weg machte.
Und es nur noch Fotze gab.
Nichts anderes mehr.

Was hat das nun mit Bananen zu tun?
Diesen kleinen Bananen im Kindersupermarkt?
Die ich immer zu Weihnachten in meinen Laden bekam?
Und die ich so gerne aß?

Oder was hat es mit Marzipan zu tun?
Den ich zwar esse, aber nicht unbedingt als Liebstes.
Außer Mozartkugeln.

Vorhin dachte ich an die Unmengen Bananenlikör, die ich Oma immer weg trank.
Oft direkt aus der Flasche.
Genauso, wie ihren Grand Manier; Orangenlikör vom Aldi.
Ich kriegte nicht genug davon.
Dieses klebrig-süße Zeug.

Warum trank ich schon als ganz kleines Mädchen so unsagbar gerne so viel Alkohol?
Und wie gut mein Körper doch sein muß im Beschützen, dass ich hiervon keinen Schaden nahm.

Ich bin traurig.
Es ist so grausam.
Was so viele Jahre lang derart normal gewesen war.

Irgendwie war ich unaufhörlich und immerzu unter Strom gestanden.
Immer auf der Suche; immer beim scannen meiner Umgebung, ob irgendwo wohl eben ein Mann *schnipps* macht.
Ob irgendwo gerade ein schwanz steht; ein Mann einsam aussieht oder geil.
Immerzu dieses Pochen im Schritt; das Lauern und Warten.

WAS HABEN DIE MIT MIR GETAN?

Wäre das alles wirklich ICH gewesen,
dann wäre es doch noch IMMER so.

Wäre ich schlicht und ergreifend ein geiles Weib,
dann hätte die Liebe meines Mannes hieran doch rein garnichts ändern können.

Wäre das nicht programmiert oder konditioniert gewesen,
dann hätte ich nicht derart darunter auch GELITTEN.
Wie gerne wollte ich oft AUFHÖREN damit – und konnte es nicht.
Wie oft weinte ich und war verzweifelt, weil ich das garnicht WOLLTE – und tat es doch.

Heute, wenn ich draußen unterwegs bin,
ich geb es zu,
dann schau ich hin und wieder absichtlich Männern auf die Hose.
Oder den Hintern.
Oder ins Gesicht.
Oder auf die Hände.
Oder von oben bis runter.
Und fühle in mir herum.
Suche in mir.
Ist da was?

Irgendwas?
So, wie früher?

Wie kann das sein?
Dass ich früher wirklich JEDEN Mann
sexy
attraktiv
anziehend
geil
erregend
fand?
Fast schon auslief, alleine davon, dass ein Mann in 10m Entfernung zu mir irgenwo im Laden rumlief?

Und heute?
Keine Ahnung….
Also, um heute für mich sexy zu sein,
da muß man schon ganz was Spezielles haben.
Wobei ich noch nichtmal sagen könnte, WAS.

Heute?
Gibt es eigentlich kaum noch Männer, die ich so interessant fände,
dass ich mehr sehen wöllte, als ich so schon sehe.
Überhaupt finde ich kaum noch irgendwen erotisch anziehend.
Also wirklich KAUM.
Vielleicht so 1 oder 2x im Jahr.
Wenn überhaupt.

Wie Dinge sich ändern.

Es ist bedeutungslos.
Inzwischen.
Es ist egal.

Es gibt keinen Grund mehr und keinen Anlaß.
Ich BRAUCHE niemanden mehr sexy zu finden.
Es kann mir wurscht sein.
Und anderen Menschen ebenfalls.
Es spielt keine Rolle mehr.

Nur jetzt, nach diesem Traum, frage ich mich, was für eine Brille ich wohl getragen habe?
Damals?
Als ich fast durchweg alle Männer begehrenswert fand?
Was hatte sie so schön gemacht? In meinen Augen?
So unwiderstehlich?

Es ist traurig und schlimm.
Wie sehr man Wahrnehmung verzerren kann.

Und die Täter laufen draußen frei herum.
Noch immer.
Ungestraft.

Ich wünsche mir so sehr, dass es tatsächlich am Lebensende sowas wie Abgeltung gibt.
Dass man vielleicht die Gefühle „der anderen“ fühlen muß.
Oder die Konsequenzen seines Tuns erkennen muß.
Dass man zu Erkenntnis gelangt.
Lernt.
Für das nächste Leben.
Was man in diesem Leben verdrängte.

Gut…
sollte es so sein,
dann wird es auch für MICH sicherlich noch genügend Erkenntnisse geben.
Solche, die ich in diesen Lebzeiten womöglich doch noch verpasse.

Meine Tochter lernt ebenfalls.
Wir hatten gestern noch ein Weilchen gechattet.
Sie hat sich tatsächlich krank gemeldet.
Schreibt nun Bewerbungen.
Und bemüht sich um einen Termin beim Arbeitsamt.

Manchmal ist es gut, los zu lassen.
Nur dann kann etwas Besseres nach folgen.
Es ist eine Chance.

Mein Tattooo juckt mich verrückt.
Ich hoffe, es wird bald weniger.
Sobald das Shirt Hautkontakt hat, könnt ich kratzen – und darf nicht.
Aber ohne Shirt ist es einfach zu kalt.
Gut, ich wollte es so 🙂

Ich wünsche Euch einen guten Tag.
Ganz viel Kraft und Liebe ❤


Gebloggt am 07.04.2020

Und ewig die Nachbarin

3 Kommentare zu „Alles so unwirklich

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