Es ist erst halb 8

und meine WaMa ist schon jetzt fast fertig.
Ich habe schon wieder an meinem „Lebenslauf“ herum gebastelt, den ich schreiben soll wegen der Adoption.
Und klar – mit meinem Spiel bin ich heute Früh auch schon längst soweit „fertig“ – so, wie man das morgens im ersten „Arbeitsschwung“ nur sein kann.

Guten Morgen, ihr Lieben 🙂

Auch der Mann hat uns schon wieder geschafft.
Es ist wieder eine harte Zeit.

Nein, nicht, dass wir streiten würden.
Oder dass er sich irgendwie gegen UNS richtet.

Aber er ist wieder so penetrant; so eindringlich.
Irgendwie fast so, als würden sich seine sexuellen Energien, die er nicht genital penetrieren kann,
in Worte und Gedanken wandeln,
welche er uns stattdessen in den Geist penetriert.
Nicht über Sex,
sondern über seinen Job; seinen Chef und all die Themen, die ihn dort eben so massiv umtreiben.

Er fängt immer ganz harmlos an.
Kommt irgendwie auf jenes, das gewesen war.
Oft abends, nach dem Feierabend.
Oder auch dann morgens (nochmal), bevor er los geht.
Meist sogar direkt, nachdem er aufgewacht ist – und wir.
Früh um 5 beim ersten Kaffee und bald die ersten Worte, die wir wechseln.

Und je länger er redet, desto lauter wird er.
Schneller.
Eindringlicher.
Aufgeregter, wütender, angriffslustiger.

Es geht um seinen Chef; auch um andere Vorgesetzte.
Wie sie mit Themen umgehen; mit Konfrontationen; mit Problemen, die meist erst dadurch entstehen, dass sein Chef als Chef versagt.
Weil sein Chef – wir schrieben schon drüber – allerhöchstwahrscheinlich ebenfalls Mißbrauch erlebte und hierdurch ein unsagbares Geltungsbedürfnis hat; geradezu eine Sucht nach (vor allem sexueller) Anerkennung
und hierdurch sämtliche Frauen im Betrieb als Freiwild betrachtet.
Außerdem entzieht er sich so gut es geht aller Verantwortung und schiebt diese gern an andere ab. An Untergebene, welche für solche Entscheidungen garnicht qualifiziert sind und bezahlt werden.
Er will nichts damit zu tun haben; beschäftigt sich auch nicht und weiß also oft über bestimmte Dinge garnicht Bescheid.
Sobald jedoch irgendwo eine Frau auftaucht, welche gerade als „Beute“ in Betracht kommt, nimmt er dann doch an Schulungen oder Sitzungen teil, obwohl er vom Thema garnichts weiß – nur, um in der Nähe dieser Frau zu sein.
Und entscheidet dann dort über Dinge, deren Zusammenhänge und Grundlagen er nicht kapiert – einfach mal so ins Blaue.
Während dann anschließend jene Mitarbeiter, die damit dann klar kommen und arbeiten müssen, schier verzweifeln.
Desweiteren hat der Chef derzeit solche Wutausbrüche, dass er im Büro Fenster und Türen mit derartiger Wucht zu knallt, dass sie fast bersten.
Wegen Pipimist.
Einfach, weil das wohl bloße Ventile sind für andere (private) Begebenheiten, über welche er sich jedoch weigert, nachzudenken.

Und so redet mein Mann hier also über Grenzverletzungen, Anmaßungen und Ungerechtigkeiten.
Und darüber, dass er sich unaufhörlich wehren und abgrenzen muß.
Gegen seinen Chef und all den Schwachsinn, den dieser tut.
Und er redet und redet und redet und steigert sich derart hinein, dass ich hier sitze und mich beworfen fühle mit kübelweise Durchfall.

Man stinkt hinterher förmlich.

Und es ist SCHEISSE!!!! Mit der Kacke vom Chef beworfen zu werden
wo wir ihn in Wahrheit sehr deutlich sehen
kapieren, was da mit ihm passiert
ER aber nichts dagegen oder damit tut.

Und so kann ich dem Mann immer nur wieder selbst Grenzen setzen.
Und ihn auffordern, dies auch bei seinem Chef zu tun und zu lernen.
Weshalb sollte der Mann dessen Scheiße mit nach Hause bringen?
Bloß, um dann damit MICH zu bewerfen?

Soll der Chef doch bitteschön seinen Dreck bei SICH behalten!!!!

Tja… dieser Lebenslauf…..
Eine Art Zeitleiste; … ich komm grad nicht auf das Wort….
wie heißt das? Wenn man Dinge der Reihe nach aufschreiben soll, wie sie passiert sind?

Und dann noch der Punkt, dass es darin ja nicht um MICH gehen soll, sondern die Tochter, ihren Vater und den Mann.
Mein Eigenes darf darin keine große Rolle spielen.
Andererseits kann ich nicht von der Tochter schreiben, ohne den Zusammenhang; die Entstehung.

Also fing ich damit an, dass ich im Heim war.
Dass ich erst heute durch die Therapie vieles verstehen kann, was ich damals nicht wußte, konnte oder möglich war.
Dass ich heute weiß, dass das Trauma dafür gesorgt hatte, dass es erst so sein konnte, wie es war.

Und ich schrieb von der Gewalt bereits im Vorfeld der Geburt.
Und warum ich dennoch blieb.

Danach versuchte ich bei jenem zu bleiben, das die Tochter erlebte.
Aber ja, die Tochter erlebte, dass sie zusehen mußte, wie ihre Mutter fast getötet und immer wieder vergewaltigt wurde.
Die Tochter sah dabei zu.
Die Tochter muß(te) dem Vater zuhören, wie er noch heute für alles MIR die Schuld gibt.
Es war hart, zu erinnern.

Ich schrieb gestern wohl gut 4 Stunden an inzwischen 6 Seiten word.
Ich versuchte, es so kurz wie möglich zu halten.
Und dennoch von den 34 Jahren so viel zu erzählen, dass ein ganzes Bild daraus entsteht.

Und selbstverständlich konnte ich auch die Prostitution nicht aussparen.
Auch wenn ich sie nur kurz anschnitt. Ihren Beginn.
Und es mir so unendlich peinlich ist; so beschämend.

Abends, als ich mit dem Mann TV guckte,
weinte es in mir.
„Ich hab doch nur gewollt, dass er mich lieb hat!!!!!!
Ich hab doch nur getan, was er verlangte!!!!!
Ich hab doch nur gehofft, dass er dadurch aufhört, so gemein zu mir zu sein!!!!!
Ich wollt doch nur, dass endlich alles gut wird!!!!“

So hab ich es in mir noch nie wahrgenommen.
Noch nie so viel Schmerz gefühlt.
Traurigkeit, Einsamkeit und Verzweiflung.

„Er war immer sooooo gemein zu mir!!!!!!!
Immer hat er mich ignoriert!!!!!
Tagelang!!!!
Nicht mal angesehn!!!!
Nur dann, wenn ich tat, was er verlangte. Dann war er wenigstens nicht gemein.“

Mein Gott, was hoffe ich von ganzem Herzen, dass der Richter die Adoption erlaubt.
Dass er erkennt – ANerkennt – wie heilsam es sein kann, diesen Mann aus unseren Leben zu tilgen.

Und ich merke plötzlich,
dass es garnicht nur um die Tochter geht.
Dass es garnicht nur IHR Thema ist.
Er ist IHR Vater, ja.
Und wir sind längst von ihm geschieden.

Aber dadurch, dass er IHR VATER ist,
scheinen auch wir noch immer mit ihm verbunden.
Trotz der Scheidung.
Trotz, dass wir ihn seit Jahrzehnten nicht gesehen haben.
Trotz, dass wir seitem rein garnichts mit ihm zu schaffen hatten.

Aber ja, natürlich…..
alleine durch ihre Erzählungen
alleine durch ihren Schmerz
alleine dadurch, dass er auch SIE ignoriert – so lange, bis er sie eben mal wieder GEBRAUCHEN kann; benutzen
alleine hierdurch, dass SIE mit ihm noch verbunden ist,
sind es auch WIR.

Je mehr wir uns darauf einlassen – ADOPTION
dass unser Mann dann ihr PAPA ist
10 Jahre älter, als sie selbst
dass unser Mann dann irgendwie Freund und Vater in einem für sie ist
väterlicher Freund?
freund(schaft)licher Vater?
desto mehr Tränen entstehen im Innen.

Sehnsucht?
Nach einem EIGENEN solchen Vater?
Nach Heilung?
Vom EIGENEN Weh?

Hoffnung?
Dass endlich alles gut werden darf?
Dass ein Loslassen passieren darf?
Von Altem? Schmerz? Altem Schmerz?

Wir arbeiten so hart daran.
Reflektieren, reden, streiten, diskutieren, sehen HIN, ertragen, fühlen, (durch-)schauen, ….

Es wäre ein wundervoller Lohn
Anerkennung
wenn der Richter es erlaubt und ermöglicht.

Loslassen.

Und Zusammenführung.
3 Menschen – 1 Nachname.
EIN Gutes.

Die Bedeutung einer Adoption ist in Worten nicht begreifbar.
Ihr Ausmaß ist lediglich im Fühlen umfassend erfaßbar.

Er wäre weg.
Aufgelöst in Nebel….
Weg geweht vom Wind der staatlichen Entscheidungsgewalt.
Im Guten.

Wenn ich erinnere, wie es sich anfühlte, als ich nach… hm…. 1995 – 2012? Oder war´s 2013? endlich, endlichh all die Schulden bezahlt hatte, die ich ihm abgelöst hatte?
Als ich ihn nach derart vielen Jahren abgearbeitet und weg getilgt hatte?
Aus MEINEM Leben?

Und nun?
Will auch SIE ihn tilgen.
Sie hat keine Schuld(en) bei oder für ihn/m zu tragen.
Sie war nie SCHULD.
An NICHTS.

Sie ist ihm nichts schuldig.
Schon garnicht, dass sie einen Vater „behält“, der sie nur benutzt. Der garkein VATER sein will; niemals gewesen war.
Der in ihr niemals eine Tochter sah.
Sondern lediglich, irgendein Weibsstück, das es nicht anders verdient hat.
Vermutlich, genauso wenig, wie es seine Mutter anders verdiente.
Als sein Vater sie tot schlug im Suff.

Oder irgendeine andere Frau jemals.
Weder seine 2. Frau,
noch ICH.

Was da noch alles lagert.
Bunkert.
In meiner Brust.
Kein Wunder… all der Schmerz.

Tja… und nun soll auch der Mann sowas schreiben – aus seiner Sicht.
Wie lernte er sie kennen?
Wie waren sie und er zu Anfang?
Und wie kam es,
dass sie heute so sind, wie sie sind?
Und wie SIND sie?

Der Mann HASST Schreiben.
Der Mann mag es nicht.

Auch die Tochter tut sich sehr schwer.
Sie erinnert sich kaum.
Das meiste verdrängt; abgespalten und dissoziiert.
Es bleibt nur ein Gefühl.
Kaum Wissen.

Sie strengt sich an, in sich zu graben.
Heraus kommen aber lediglich ein paar Worte der Beschreibung, voller Schreibfehler irgendwie hin gerotzt.
Innerer Kampf.

Auch deshalb habe ich entschieden, die ganze Geschichte zu erzählen.
In Bezug zu bringen.
Wie sonst könnte ein Richter das Bild erkennen?

Eben sah ich in den Kalender.
Es ist Wahnsinn irgendwie.
Der Termin beim Notar ist Ende September.
Warum bin ich heute schon fertig?
Warum beeile ich mich immer so?
Noch 8 Wochen mind.
Und doch will ich es gemacht haben.
So früh wie möglich.

Nun gut, ich glaub, das war wieder mehr als genug.
Ich guck jetzt nach meiner Wäsche.
Dann könnt ich duschen, wiegen und mal frühstücken.

Ich guck grad wieder Blacklist – die nächste Staffel kam ja raus.
Nur noch 5 Folgen, glaub.
Dann bin ich fertig.

Ah – kennt jemand von Euch „unbelievable“?
Eine Serie, in welcher es um Vergewaltigungen geht und ein System, in welchem keiner den Frauen glaubt?

Wir hatten rein gesehen, der Mann und wir.
In die 1. Folge.
Das war so unsagbar unerträglich.
Wie die Polizei und andere „Helfer“ mit dem Opfer umgehen.
All das Anzweifeln, all die Manipulationen; das Beeinflussen, Bedrängen und Erniedrigen.
Wir hatten 2x abgebrochen – und noch immer nicht zu Ende geguckt.
Weil man so unsagbar daran zugrunde geht.

Andererseits ist es aber DIE VERDAMMTE WAHRHEIT!!!!
Genau SO wird es gemacht.
Ganz in echt.
Und in Farbe.
Im wahren Leben.

DAS ist schlimm.
Schlimmer, als es im Film zu sehen.

Irgendwie denk ich, ich halt es nicht aus, es anzusehen.
Andererseits ist da wer, der WILL ABER!!!
Weil auch DAS Wertschätzung und Würdigung für Opfer ist.
Es zu sehen; zu glauben; zu fühlen; mit zu tragen; mit auszuhalten – was SIE erleiden.

Ich hab die Reihe noch nicht aus der Liste geworfen.
Egal, wie schwer sie zu tragen ist.

Ok – jetzt aber…..

Ich wünsche Euch einen schönen Tag.
Viel Kraft und Liebe ❤


Gebloggt am 29.07.2020

Es ist schon komisch

Geschafft

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