Heute Früh nun (Fortsetzung)

war ich gegen halb 6 aufgewacht.
Hab ein bißchen in den Blogs geguckt und gespielt,
bis dann auch der Mann aufstand.

Er kam ins Wohnzimmer mit seinem Kaffee ….
oh Mann… alles weg.
Ich hab grad echt keine Ahnung, ob er aus dem Bett kam und wir sprachen?
Oder, ob er schon im Bad gewesen war? Wir auf dem Clo nebenher? Und danach redeten?
Oder ham wir vorher geredet, dann Bad und dann danach nochmal?
Irre….
Dissos……

Aber im Prinzip ist es eh wurscht.
Weil Fakt ist ja, DASS wir geredet ham.
Fakt ist,
dass er irgendwann ins Wohnzimmer kam, um guten Morgen zu sagen.
Dass er *mich* umarmt hat und währenddessen schon so mitfühlende Geräusche machte.
So was Tröstendes; Liebevollverstehendes….
Er hatte schon gesehen, in den Augen, dass da Weh ist.

Und er kraulte tröstend den Rücken.
Hielt und umarmte.
„Soooo schlimm?“

Als er saß, sagte *ich*, dass es kein guter Zeitpunkt sei.
So früh am Morgen und gerade erst aufgestanden.
Dass es besser sei, *ich* würde erst versuchen, es zu sortieren; Blog schreiben.
Vielleicht heute Abend.

Aber,
es ist, wie es eigentlich immer ist.
Man fängt dann DOCH an.

Der wirkliche Unterschied
und etwas wirklich völlig NEUES ist,
dass heute die Wut weg war; der Zorn; das Agressive; das Anklagende; das Vorwurfsvolle,
das sonst beim Thema Sex immer irgendwie mit drin ist.

Heute,
da waren einfach nur die Tränen und der Schmerz.
Und die Ohnmacht.

Und auch der Mann schien irgendwie keinen Anlass zu haben, Verteidiger raus zu lassen.
Da war auch kein „Du doch auch nicht“ oder „Du doch genauso“ oder sowas.
Da war nicht das gewohnte „Ping-Pong-Spiel“, das sich sonst so oft entwickelt.

Da war einfach nur der Schmerz.

Er war sehr still.
Hörte zu.
Kurz mal glaubte ich, ihn zusammen sinken zu sehen.
Das ist sonst ein Zeichen, dass er aussteigt; sich weg macht, irgendwie.
Der Moment, in dem er beginnt, sterben zu wollen.
Resigniert und in Selbsthass.

Ich fragte nach.
Er war noch da.

Ich erzählte ihm ganz ruhig von der Nacht und dem Schmerz.
Und all den Gedanken.
Auch vom Callboy – und dass der aber nunmal keine LIEBE verkauft.
Sinnlos.

Stimmt – DANACH ging er duschen.
Wir mußten auf´s Clo.
Es schien, als würde er weinen.

Danach dann,
als er sich fertig machte für´s Büro,
saß ich auf seinem Bett und wir redeten.

Er sagte, dass es ihm manchmal lieber wäre, das Sexthema hätte ein Ende.
Irgendwer in ihm dachte, wenn ich nen Callboy hätte, dann hätte er endlich seine Ruhe.

Es quält ihn,
dass alles bei uns so unsagbar besetzt ist von Schmerz.
Gewalt, Grenzüberschreitungen und Wunden.
Bei uns BEIDEN.

Wie oft wird auch ER in irgendwelche Trigger befördert.
Er sagte, dass er manchmal, wenn ich morgens zu ihm ins Bad komme, was zum Glück eher selten passiert, absichtlich irgendwas beginnt, damit ich ihn NUR NICHT KÜSSEN kann.
Und dass er es nicht mag, berührt zu werden.

Ich bin froh, dass er es – erstmals – ausgesprochen hat.
Wir brauchen wohl BEIDE unsere Schutzräume.

Wir sind BEIDE sehr traurig,
dass jedes Mal, wenn wir doch etwas hingekriegt haben
wenn es doch mal schön war – für beide
und wir sagen, dass wir das nun öfter tun möchten
wir dennoch jedes Mal wieder damit aufhören.
Dass es niemals eine Wiederholung gibt.
Niemals ein Beibehalten oder Weitermachen dieses Guten.

Jedes Mal, wenn ich glücklich war, weil er so zärtlich gewesen war,
tut er das NIE WIEDER.
So, als hätte er Angst davor.
Oder will es boykottieren.
Verweigern.

So, als würde er sich heute in MIR
seiner TÄTERIN entziehen.

So, als würde er heute zu MIR,
statt zu seiner Täterin
NEIN sagen.

Er ist nicht dafür da, sie glücklich zu machen.
Er ist nicht dazu da, eine Frau zu befriedigen.
Er ist nicht dazu da, einer Frau gut zu tun.

ER DENKT JETZT ENDLICH MAL AN SICH SELBST!!!!!

Vielleicht ist es DAS.

Er übt sich in Abgrenzung; in Verweigerung.
Und darin, sich SELBST zu nehmen, was ER will.
Jetzt ist ER mal dran!!!!!

Und ja, so in etwa ist das ja auch bei UNS.

Man hat lange genug getan, was ANDERE wollten!!!!
Jetzt will man SELBST auch mal was.

Am Ende zieht man sich völlig vom Partner zurück.
Verweigert alles Geben.
Aus Schutz.
Auch aus Trotz.
Auch aus Wut.
Schmerz, Traurigkeit, Ohnmacht.

Man weiß nicht, wie es geht.

Wie soll man *auf* machen, um etwas zu bekommen?
Wenn dann doch nur wieder „Selbstbedienung“ kommt?

Und wie soll man bekommen, was man sehnt,
wenn man eigentlich garnicht weiß, was das IST.

Und wenn man bisher garnicht annehmen DURFTE.
Nur geben.

Ich hab dem Mann vorgeschlagen, dass wir vielleicht klein anfangen?
5 Minuten?
Jede/r von uns bekommt vom anderen 5 Minuten streicheln.
Zärtlichkeit am Körper – exclusiv der Geschlechtsmerkmale.
Liebevolle Zuwendung.

BEIDE.
Damit keiner das Gefühl hat, nur ER müsse geben.
Damit wir auch BEIDE etwas bekommen.

Wenn wir zulassen,
dass wir uns mehr und mehr verschließen
resignieren und aufgeben
und es sein lassen,
uns zu berühren
dann kann niemals irgendetwas Schönes auf die andere Waagschale geraten.
Niemals positive Erfahrungen und schönes Fühlen.

Und ohne Liebe
geht das nicht.
Uns nutzen gewiß BEIDEN keine gekauften Dienstleister.
Wenn es GUT werden soll und heil.

Ist es nicht DAS?
Was so viele andere Ehepaare vermeiden?
Solche Gespräche und solches Fühlen?
Lieber schweigen?
Lieber flüchten zu anderen?
Verhältnisse?
Huren?

„Ach, mit dir ist es soooooooo schön unkompliziert“ – höre ich sie alle noch sagen.

Unkompliziertes Ficken.
Nur kein Gefühl.
Nur keine Achtsamkeit; kein Einfühlen; kein Mitfühlen; kein DU.
Immer bloß ein ICH.

Egal, wie grausam schmerzhaft das auch sein mag, zwischen dem Mann und uns.
All diese Gewalt, Grenzüberschreitungen, Schmerz und Trigger.
So vieles, das Nähe in dir weckt.
Auslöst, hoch holt, zu Tage bringt.
Ich will nicht aufgeben.
Ich will nicht „den einfachen Weg“ beschreiten.
Ich will nicht wegsehen; wegfühlen; weg gehen.

Auch wenn der Mann vorhin gesagt hat,
dass er manchmal nicht mehr will.

Was? – willst Du nicht mehr?

Dieses Leben.
Diese Beziehung.
Diesen Sexscheiß.
Alles.

Ja, so geht es uns AUCH.
Manchmal will man nicht mehr.
Manchmal wär man lieber tot.
Oder allein.

Und dann?
Denkt man nach.
Stellt sich vor.
Und innen fängt es an zu weinen, zu schreien und zu heulen.

Nein, ein Leben OHNE den Mann will ich nicht.
Alleinesein? will ich nicht.
Tot sein? will ich nicht.

Also, geht es am Ende immer weiter.
DOCH immer weiter.
Irgendwie.

Euch einen schönen, sonnigen Tag.
Viel Kraft und Liebe ❤


Gebloggt am 22.11.2020

Nix

4 Kommentare zu „Heute Früh nun (Fortsetzung)

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