Womöglich muß man sich abfinden….

das leidige Arzt-Thema läßt mich ohnmächtig fühlen.

Guten Morgen, ihr Lieben 🙂

Es ist doch echt irgendwie kaum auszuhalten, oder?
Wo sind sie?
Die Hausärzte, die zumindest ein klein wenig Wissen – oder Erfahrung – mit Trauma haben?

Ich find sie einfach nicht.

Schon mein komplettes Leben geht das nun so.
52 Jahre.
Ein halbes Jahrhundert.

Es ist doch irre, oder?

Ich mein, ich sag mir das immer selbst
dass das mit der Trauma-Forschung ja nach wie vor „am Anfang“ steht.
Anfang…. klar, wenn man denkt, dass die erst 2004 rum endlich mal damit angefangen haben, um dieses Thema zu forschen.
Dass es noch garnicht viele Menschen gibt, die sich intensiv mit Trauma befassen.

Wie sollen da Ärzte das auf dem Schirm haben?
*Ältere Ärzte* noch dazu?
Womöglich ist das selbst jetzt noch in keinem normalen Arzt-Studium enthalten.
Gerade so, als GÄBE ES UNS NICHT.

Trauma-Patienten – EXOTEN????
Bei derartigen Zahlen, die vermutet werden bzgl. Mißbrauch und Gewalt?
Das sollte an und für sich doch nun wirklich zum STANDARD gehören bei Ärzten.
Aber ich denke auch oft, dass wir ein Stückweit auch bissi mitverantwortlich sind.
Weil würden tatsächlich ALLE Gewaltopfer ihren Hausärzten auch SAGEN, dass sie Gewalt erlebt haben; dass sie traumatisiert sind
dann wären Ärzte bei der vermuteten Anzahl von Gewaltopfern doch auch wirklich GEZWUNGEN, sich endlich mal mit diesem Hintergrund zu befassen.
Dann kämen sie da nicht ungeschoren raus.
Wenn jeder 2. – 5. Patient hiervon sprechen würde.

Aber so?
Ich hab immer das Gefühl, ich solle mich schämen.
Was hab ich mich auch so wichtig?
Was kann ich auch nicht einfach so sein wie *alle*?
Was will ich auch ständig Extrawürste und Sonderbehandlungen?
Was fasle ich auch immer von Triggern und von Angst? Und fehlendem Vertrauen?

Gestern – oder vorgestern – kam mir das in den Kopf.
Das allererste Mal.
Ich hatte immer gedacht, dass ich einen Arzt suche, dem ICH vertrauen kann.
Aber was, wenn es in Wahrheit drum geht, dass ich einen Arzt brauche, der MIR vertraut?

Womöglich ist das Kernproblem doch,
dass Ärzte MIR nicht vertrauen.

Weil die immerzu glauben, sie wüßten *mehr*
Oder *besser*
Sie haben *Erfahrung*.
Ich komme mir bei Ärzten immer so vor, als wollen sie über mich bestimmen.
Als könnten die *besser* fühlen, was ich fühle.
Als würden DIE mir erklären wollen, was in mir los ist.
Und als sei ich ein undankbares, stets nörgelndes und jammerndes Kind, das einfach bloß nie mit irgendwas zufrieden ist.

Aber das Problem liegt wohl darin,
dass die mir meist erst garnicht wirklich ZUHÖREN.
Die interessieren sich nicht.
Sie sind nicht offen für individuelle und persönliche Empfindungen.
Die glauben immer, man müßte so sein, wie *alle*.
Und wenn das nicht klappt, dann ist man halt ein besonders *schwieriger* oder *anstrengender* Patient.

Dabei wäre das so einfach.
Wenn ich endlich bei einem Arzt mal fühlen dürfte, dass er sich selbst als mein Helfer empfindet.
Der mir zuhört und versucht, nachzuempfinden.
Der sich mit meiner Lebenswahrnehmung auseinandersetzt; sich einläßt auf MICH.
Statt zu erwarten, dass ICH funktioniere in *seiner* Welt.

Die kapieren nicht, dass Trauma dieses *Funktionieren* zerstört hat.
Zumindest bei mir.
Ich bin nicht wie ALLE.
Und ich kann das auch nicht.

Hey, ich bin derart selten beim Arzt, weil ich ansich ja eh kaum krank bin.
Das könnten die doch eigentlich hin kriegen.
Naja…..

Ich hatte jetzt 2 Tage lang auf Jameda Hausärzte durch studiert.
In einem Radius bis 20km.
Und ich hatte 2 (!!!!), wo mir wirklich ALLES gefallen hätte.
Und?
Dann rufste an und die sagen dir, dass sie Aufnahmestop haben.
Als könnten sie das nicht gleich auf ihre Homepage schreiben – so, wie zuvor noch 2 andere, die mir auch gefallen hätten.

Und das kostet derart viel Kraft und Mut, dort anzurufen – und dann wirste angeblafft.

So kam ich nicht umhin, heute in der -meiner – Praxis den Blut-Kontroll-Termin wahrzunehmen.
Und da war wieder soooo viel Angst.
Der Mann hatte heute früh nochmal gesagt, dass ich das ruhig und unbedingt sagen soll, dass ich rechts gepiekt werden will.
Das war echt lieb von ihm und gut.
Wir ham immer so Schiß, sowas zu sagen.
Aber ist halt echt immer blöd, dass die links immer vorziehen – keine Ahnung, warum.
Und bei uns links halt die Kinders sitzen.
Dann hamwer immer noch mehr un ganz dolle Angschd.

Am Ende war´s sogar richtig gut.
Weil da war heute die ganz liebe Frau.
Mit der ham wer dann noch ewig über Tattoos geredet.
Die sticht auch gut.
Und es war garkein Problem, dass wir den rechten Arm wollten.
Die Jungs stecken das dann auch viel besser weg.

Wir ham so überlegt,
weil wir ja an sowas glauben,
dass es womöglich einfach nicht Zeit ist, sich wieder zu verpissen.
Womöglich ist es *dran* – sich auseinander zu setzen.
Dort – in dieser Praxis.
Uns durchsetzen zu lernen und andere Möglichkeiten dort zu nutzen.
Womöglich ist der Arzt, den der Mann dort oft jetzt hat, tatsächlich nett.
Wir kennen bisher nur andere Ärzte in der Praxis.
1 Mann und 3 Frauen.
Womöglich ist es auch ein Frauen-Ding.
Frauen-ÄrztINNEN mögen wir ja auch nicht.

Der Mann macht uns nächste Woche bei seinem Arzt einen Termin.
Der war das ja auch, der gesagt hatte, dass das mit dem Muskelrelaxans nicht gut gelöst ist.
Womöglich weiß er für mich ja auch was besseres.

Aber es nimmt uns echt ganz schön mit, dieses Arzt-Thema.

Gestern ham wir mal wieder groß geputzt.
Betten bezogen und viel gewaschen.
Womöglich sollten wir hier öfter saugen – wir ham ja eigentlich fast nur Feinstaub hier, weil durch diese Pollen-Fliegenfenster kaum was Größeres durch kommt.
Und wir ham sowas von genießt die Tage.

Als der Mann dann auch angefangen hat, hatten wir erst Schiß, dass wir schon wieder Corona haben.
Die Tests sind negativ.
Womöglich haben wir uns erkältet, als wir letzte Woche beim Tattoo nur mit Trägershirt und Strickjacke waren.
Uns war tooootal warm gewesen – aber eigentlich wars kalt.

Und der Mist ist immer nur morgens nach dem Aufstehen und abends dann ab so 8 rum.
Den Tag über is nix mit niesen oder husten.
Komisches Zeug.

Hoffen wir mal, es ist weg bis zum Wochenende.
Da fahren wir ja zur Tochter.
Und Sonntag ist wieder Tattoo.
Schon völlig irre irgendwie….

Nachher muß ich den Zahnarzt nochmal anrufen wegen der Unterlagen, die die Versicherung ja noch wollte.
Keine Ahnung – womöglich hat er es auch längst direkt dorthin geschickt.
Und wenn wir Dusel haben, kriegen wir den Monat auch bissi Steuer zurück.
Dann wird es leichter.

Ich denk so oft, dass ich eigentlich total glücklich sein könnte.
Es hat sich derart vieles zum Guten entwickelt und verändert.
Dann aber kommen diese „Zwischenmenschlichkeiten“ derart quer,
dass man sich innendrin wieder total ohnmächtig fühlt, ausgeliefert, unverstanden, abgelehnt und kaputt.
Das tut dann wieder so elends weh.

Es gibt einfach zu wenig Menschen mit Herz und Hirn.
Zu wenig Menschen, die gut sind im Herz.
– oder zumindest zu wenige dieser, die ich kennenlerne.

Naja…..
Aber es wird schon gut werden….
immer besser.

Alles Liebe Euch ❤
Und viel Kraft 🙂

3 Kommentare zu „Womöglich muß man sich abfinden….

  1. Wir denken ja, dass es am Gesetz des Minimums liegt.
    Wir sind ja auch Gärtner und da lernt man das.
    Es bedeutet (bei Pflanzen), dass es nix nutzt, wenn fast alles gut ist, solange auch nur ein Wachstumsfaktor im Minimum ist.
    Beispiel:
    Die Pflanze hats passend warm, kriegt Wasser und Dünger, steht aber dauerhaft im Dunkeln.
    Dann geht die ein.
    Gießt du nich, aber alles andere stimmt – geht die ein.
    Fehlt der Dünger – kümmert die Pflanze.
    Wir glauben halt, dasses bei Menschen ähnlich is.
    Klar isses gut, wenn schon was tutti is.
    Aber wenn trotzdem noch was im argen is, geht’s einem halt immer noch nich wirklich gut.
    Dann weiß man, dass man noch an was zu arbeiten hat.
    Leider…
    Aber es hat nix mit: Nu stell dich ma nich so an! zu tun.
    Und wir glauben auch, dass die Ärzte nur lernen können, wenn sie wissen, wo das Problem ist.
    Schwierig wird es wohl leider, wenn man selber unsicher ist.
    Zumindest behauptet das meine Freundin 🙂
    Wenn man sich seiner Sache sicher ist, dann kommt man anscheinend anders über.
    Ham wir selber auch schon fest gestellt.
    Wenn das ma bloß nich immer so schwierig wär…

    Gefällt 1 Person

    1. Ja, das stimmt irgendwie.
      In den 90gern, als wir das erste Mal gehört hatten, dass die Gewalt bei uns keineswegs „normal“ sei, da hatten wir TROTZDEM keine Worte und kein Fühlen und konnten uns in keinster Weise ausdrücken oder begreiflich machen.

      Wir hatten immer gehofft, es gäbe irgendwo Menschen, die uns helfen würden, diese Lücken zu erklären oder zu schließen. Die uns helfen würden, Worte zu finden.
      Aber die haben uns einfach bloß niemals verstanden.

      Jetzt, ganz langsam, wo wir selbst zunehmend Worte haben, die wir uns hart selbst erarbeiten mußten,
      können wir zumindest besser erklären; auch nein sagen oder Grenzen setzen.
      Jetzt, zumindest manchmal, gibt es Menschen, die uns zuhören (z.Bsp. die PsychSozFrau, die immer sagte, sie lernt so viel von uns. Die Thera; der Mann; die Tochter; …) – bloß das mit dem Hausarzt will halt noch immer nicht recht klappen.

      Ist aber eben auch so irre angstbesetzt.
      Und dann sind Kleine da.
      Denen fehlen eh die Worte und sie sind unterwürfig.
      Klar, dass manche Ärzte da denken, sie stünden drüber; seien besser, als wir.
      Die lassen immer solch riesige Zweifel fühlen – die Ärzte. Als würden sie uns nicht glauben.
      Dabei ham die selbst bloß keine Ahnung.
      Und klar, das triggert und macht alles bloß schlimmer.

      Der Zahnarzt z.Bsp. hat von Trauma auch keine Ahnung, oder der Osteopath.
      Aber die diskutieren nicht.
      Die wollen *wissen* – die *erklären* nicht.
      Damit können wir dann gut leben.
      Die brauchen nicht „perfekt“ zu sein.

      Die Theorie mit den Pflanzen leuchtet natürlich voll ein.
      Weshalb sollte das bei anderen Leben dann nicht so sein….
      Man weiß ja auch, dass Babys sterben, wenn sie alles perfekt bekommen – außer Berührung.

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