Ich bin ja jetzt langsam ein altes Mädchen….

hat sie gesagt.
Schon letzte Woche.
Die Thera.

Hallo, ihr Lieben 🙂

Auch hier bei uns, geschieht Veränderung.
Ständig und ganz viel.

Die Thera hatte gesagt, sie will kürzer treten.
Sie will ihre halbe Praxis abgeben.
Zumindest in absehbarer Zeit.
Sie kann die Belastung nicht mehr aushalten – nicht in diesem Maß.
Die ganze Bürokratie; die Berichte, Anträge und den Mist mit Krankenkassen und Computern, die immer nicht funktionieren.

Und bei uns hätte sich doch so viel verändert.
Wir seien doch so stabil.
Es sei doch alles auf so guten Wegen.
Und sie denkt, dass ich sie eigentlich garnicht mehr so dringend brauche.
Ich soll doch mal überdenken, ob es nicht völlig ausreichend sei, nur alle 2 Wochen Termine zu machen.
Weil dann, wenn bald die Krankenkasse wieder dran sei – und nicht mehr das OEG – dann fingen ihre Kämpfe wieder an.
Und wenn wir seltener machen, dann käme sie schon mit einer Kurzzeittherapie recht gut zurecht.
Da müsse man nicht kämpfen.
Und später dann könnte man „Nachbahandlung“ machen.
Das muß man GARNICHT beantragen.
Das ist dann noch 1x im Monat.
Das würde ihr sehr helfen.

Außenwahrnehmung vs. Innensein.

Klar, dass sie das denkt.
Klar, dass sie das (so) sieht.

Schon seit Jahren wissen wir, dass auch sie Viele ist.
Gewaltopfer.
Traumatisiert.
Schon seit Jahren hat man innen die Befürchtung, sie zu überfordern.
Womöglich nimmt man sich zurück.
Womöglich wird einfach nur das Gute kommuniziert.
Womöglich kriegt sie garnix mit.
Von all den Höllen, Tiefen und Schmerzen innen.

Erst letzt hatte sie gesagt, wie gut es ihr tun würde,
bei *mir* zu sehen,
dass Therapie auch anders sein und helfen kann, als bei ihr.
Bei ihr früher.
Ihre eigene Traumatherapie; Konfrontation.
Dass es ihr gut tut, sehen zu dürfen, dass Therapie nicht zwingend heißen muß,
in Tiefen und Höllen gestoßen werden zu MÜSSEN.
Zu SOLLEN.
Dass es nicht notwendig sei, vom Therapeuten in die Scheiße getunkt zu werden, um zu SEHEN; zu FÜHLEN – um Heilung zu finden.

Ich würde da einen sehr sanften Weg gehen.
Einen sehr eigenen, persönlichen.
Weil ja, wir hatten das zu Anfang damals besprochen,
ich wünschte mir von ihr Begleitung.
Einen Menschen, der an meiner Seite meinen Weg begleitet; der mitgeht, wohin auch immer ich gehe.
ICH bin der Bestimmer meines Weges.
Und sie meine Sicherheit; mein Halteseil.

Und wir hielten es auch so.
Sie hat niemals etwas gesagt, das ich tun solle oder müsse.
Oder mich vom Weg abgeleitet.
In unbekannte Schluchten.

Manchmal frage ich mich, ob unser „Verhältnis“ nicht viel zu sehr einer Art Freundschaft ähnelt.
Ob wir uns nicht viel zu sehr darum kümmern, wie es IHR geht – statt uns.
Andererseits…. hat uns nicht erst DAS dazu hingeführt,
nicht immerzu und ausschließlich an UNS zu denken?
Unser Leid, unseren Schmerz, unser nicht-gesehen-Fühlen;
unsere Bedürftigkeit, unser Unsichtbarsein, unsere Verletztheit, …..

Am Ende denken wir oft, dass wir womöglich oft auch deshalb nicht „gesehen“ wurden,
weil wir SELBST garnicht bereit waren, auch ANDERE zu sehen.
Weil man immerzu BRAUCHT – aber nichts gibt (vor allem sich SELBST nicht).

Oder, weil die Bedürftigkeit wie der Gestank von Fäkalien um einen herum wabbert in giftgrünen Wolken.
Man aber garkeine Worte hat, um anderen zu erklären, weshalb es so wabbert.

Keine Ahnung.
Jedenfalls haben sich Dinge ja verändert – das ist Fakt.

Es ist so unentschieden innen.
Manche denken, dass es gut sei, seltener Thera zu haben. Weil man doch ohnehin nur ganz selten weiß, was man ihr überhaupt erzählen soll.
Und weil es nun, nach 7 Jahren, ja auch gut mal Zeit ist, sich nach und nach aus der Therapie auszuschleichen.
Sie sagte ja garnicht „von heute auf morgen“.
Es geht ja lediglich um Reduktion der Stunden.

Andere innen sagen (und weinen), dass sie ja nie die Chance hatten, Vertrauen zu lernen.
Weil man sich ja garnicht auf sie stützen konnte; sie belasten; sich festhalten.
Weil man ja immerzu Angst hatte, sie hielte das Tragen nicht aus.
Sie würde ohnehin zusammen brechen.
Würde man erzählen.
Das Echte und Wahre.

Die gut 4 Jahre damals mit dem Mann, ganz am Anfang, hatte sie ja nicht mitgekriegt.
Das war ja „vor ihrer Zeit“.
Und auch die vielen Momente, die auch heute noch öfter passieren, in welchen wir uns gegenseitig triggern und völlig abschießen,
da ist sie ja garnicht dabei.
Oft haben wir das längst verdisst – oder haben nicht die Worte, die inneren Höllen klar zu beschreiben.
Es wird womöglich kurz bemerkt; als eine Art „Randnote“.

Ich habe große Zweifel,
bzgl. ihrer Einschätzung,
dass unser Weg SANFT sei.

Aber nein, natürlich nicht.
Ich habe absolut rein garkeine Ahnung, was es bedeutet.
Konfrontations-Therapie.

Manchmal frage ich mich,
ob es tatsächlich so gut, sanft und hilfreich ist,
Therapie so zu machen, wie WIR das tun.
Ob es nutzt.
Ob es sinnvoll ist und reicht.
Oder, ob wir nur einfach feige sind.
Oder zu bescheuert, weil wir mehr an die Thera denken und deren Belastbarkeit, als daran,
womöglich mit einer anderen Thera auf anderem Weg weiter zu kommen.
Haben wir womöglich 7 Jahre Therapie verschenkt???

Und dann?
Denkt wer anderes innen,
dass das alles doch Blödsinn ist.
Weil hey… da hat sich SOOOOOOO VIIIIIEL verändert in unserem Leben.

Ist es denn wichtig, wodurch?
Durch wen?
Weshalb?

Wir haben in jedem Fall sehr viel über *Beziehung* gelernt in diesen Jahren.
Nähe, Verständnis, Geduld, Hin- und Zuwendung.
Verläßlichkeit, Beistand, Wärme, Vertrautheit, Ehrlichkeit, Menschlichkeit,
– auch Schwäche und Verletztheit; Frau-sein.
Bedürftigkeit und Grenzen.
Und noch ganz viel mehr.

Die Beziehung zum Mann ist hierdurch vermutlich völlig anders geworden,
als hätten wir die Thera nicht gehabt.
Auch jene zur Tochter.

Dann ist da noch O., wo wir so mutig waren, hin zu gehen.
Oder jetzt eben auch, NICHT hin zu gehen.
Weil wir merken, dass es nicht UNSER Job ist, den sie uns da gerne auf´s Auge drücken mag.
Dass wir sie „raus holen“, aus ihrem Funktionieren und Alltagstrott.
Dass wir sie „erinnern“, auch mal Pause zu machen und an sich selbst zu denken.
Oder, dass wir ihren Plan erfüllen, „zu allem JA zu sagen, das andere an sie heran tragen an Vorschlägen der Freizeitaktivitäten; dem Wann, Was und Wo“.
Sie ist der Meinung, auf diese Weise neue Erfahrungen machen zu können und Dinge zu erleben, auf die sie selbst nicht käme.
Ok. – kann man so betrachten.
Was wäre, wenn ich ihr vorschlüge, mit mir in den Swingerclub zu gehen?
Würde sie das dann auch bejahen? Um neue Erfahrungen zu machen?
Ist es mein Job, ihr Angebote zu machen und dann nie zu wissen, ob sie fähig wäre, auch NEIN zu sagen?
Ich warte inzwischen schon etliche Monate, ob nicht doch SIE mal wieder Lust hat, mich zu sehen.
Aber da kommt nichts.
Muß immer ICH ihr nachlaufen?
Aus Verständnis dafür, dass sie so kurz nach dem Ende all der Gewalt in ihrem Leben so einen Menschen braucht?

Anfangs hatte ich das ja getan.
Dann, als wir mal einen Nachmittag auf ihrem Balkon verbrachten sagte sie, dass sie eigentlich garnicht gerne läuft.
Dabei waren wir bis dahin mehrfach gelaufen.
Ich hatte geglaubt, sie findet das schön.

Schwierig.

Das mit dieser Frau mit den unerzogenen Hunden konnte ich ja schnell und gut wieder beenden.

Und Sonnenblume?
Wir haben regelmäßig, manchmal mehrfach die Woche zumindest online Kontakt.
1x die Woche haben wir uns bislang auch getroffen.
Und es ist schön 🙂
Unkompliziert und gut.
Wir verstehen uns; einander.
In unseren Befindlichkeiten und Bedürfnissen.
Das ist schön 🙂

Kontakt zu anderen Menschen verändert sich.

Ist überhaupt möglich.
Erst letzt, als der Mann und wir wieder Essen waren – wir versuchen das, als Ritual einzuführen, 1x die Woche Essen zu gehen – kam mir wieder in den Kopf,
wie das immer gewesen war, im Restaurant.
Wie sehr da immer die Anspannung kam; die Angst.
Auch völlige innere Verkrampfung und ein Stressbeben in jedwelcher Zelle.
Es war immer viel zu laut; zu viele Menschen; viel zu nah.
Man brauchte einen Tisch mit großem Abstand zu anderen; bestenfalls in einer Ecke, damit Wände von hinten schützten.
Und es war meist vielmehr ein „schnelles Essenfassen und hektisch flüchten“,
als ein entspanntes, womöglich romantisches Zusammensein.

Erst durch das Muskelrelaxanz einst, gelang es tatsächlich, ganz viel dieser Anspannung garnicht erst aufzubauen.
Unser erster Restaurantbesuch mit Muskelrelaxanz schien eine Offenbarung; ein völliger Durchbruch zu sein.
Das allererste Mal, dass ich nicht durch Überforderung und Stress wütend und agressiv wurde.
Das erste Mal, dass wir uns nicht beeilen mußten, dass wir schnell wieder weg kamen.
Das erste Mal, dass es egal war, wo wir saßen.

Jetzt haben wir sein einiger Zeit garkein Muskelrelaxanz mehr.
Und es geht trotzdem.
Auch *ohne*.

Veränderung.

Womöglich werden wir offener.
Vielleicht wirken wir freundlicher?
Nicht mehr so abweisend oder hart? – wie früher oft?
Aus purer Angst und Not.
Was aber ja keiner wußte.

Oft sinniere ich darüber nach,
wie oft das passiert, dass Menschen uns triggern.
Nerven, verängstigen, erschrecken, in Rückzug zwingen – innerlich zitternd vor Wut, Angst und Abscheu; Verzweiflung.
WIE KÖNNEN DIE NUR (so sein)????????

Umso schwieriger und härter,
die Aufgabe,
sich zu öffnen.
Zugänglich zu sein – zu werden.
Weich, warmherzig, zugewandt.

Und doch denke ich oft, dass es genau hierum geht.
Es TROTZDEM zu lernen.
Zu TUN.

Irgendwie, als gäbe es da eine Fehlkonstruktion.
Oder ein hart gewordenes Gummiventil.
Ein Ventil, das eigentlich dafür zuständig ist,
auf und zu zu machen.
Nähe und Abgrenzung zu regulieren.
Ja und Nein.

Ein Ventil, das durch all das Trauma und die Gewalt so verhärtet ist,
dass es nur noch ZU sein kann.
Keine Schmiere mehr hat; Beweglichkeit; eine Wahl.

Und man muß es nun entweder austauschen,
oder so oft bewegen und ölen, bis es wieder „flutschen“ kann.
Bis es wieder eine Entscheidung gibt; die Wahl.
Zwischen Nähe und Distanz.

Damit man nicht immerzu alleine bleiben MUSS.
Aus lauter Angst vor Wiederholung und Schmerz.

Nun gut.. ich fang glaub gleich noch einen 2. Beitrag an.
Dieser hier ist schon ziemlich lang und es ist so viel los hier und wir schreiben kaum.
Bis gleich dann *wink*

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2 Kommentare zu „Ich bin ja jetzt langsam ein altes Mädchen….

  1. Lustig, dass wir grade gedacht haben, dass wir so lange nicht von euch gehört haben und zack ist da ein Beitrag von euch.

    Da ist ja ganz schön viel los… Uiui.
    Schaut gut, was ihr von der Thera wollt und braucht, ob einmal in 2 Wochen wirklich OK ist usw.
    Klingt irgendwie schwierig….
    ❤️

    Gefällt 1 Person


    1. Naja… wir wissen ja oft selbst nich, was wir überhaupt mit ihr redn solln…..
      Is vielleicht des beste, wenn des langsam bissi weniger wird. Dann bleibt unser Kontakt bis 2024 vielleicht noch gut bestehen. Da ist dann Prüfung vom OEG und wir brauchen sie da auch ganz dringend.
      Wär ja Kacke, wenn sie irgendwann garnichtmehr könnte und sich völlig überlastet hätte…..

      Gefällt 1 Person

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