November…. – verändert (sich/mich)

Guten Morgen, ihr Lieben 🙂

Ich bin irritiert.
Fasziniert.
Überrascht.
Verwundert.

Dinge werden anders.

Bislang war es irgendwie immer total klar, dass der November KACKE ist.
Schwer, emotional, traurig, depressiv, hart, schwer, suizidal, erschöpfend, verbittert, ….
Das ist seit Jahrzehnten so.
Seit ich denken kann.
Schon immer irgendwie.

Man hat sich arrangiert.
Gewöhnt und abgefunden.

Schließlich weiß man ja – und tröstet sich damit – dass im nächsten Jahr, spätestens ab März, wieder alles gut wird.
Besser, schöner, heller, aktiver, bunter.

Und auch dieses Jahr schien es bereits im Oktober so, als sei einfach alles wie immer.
Herzlich Willkommen, alter Freund.
Rückzug und „Verpuppung“, wie bei einer Schmetterlingsraupe.
Oder auch ein Phönix – sterben und auferstehen.
Akzeptabel auch die Idee eines Winterschlafes. Mit schlechten Träumen.

Und jetzt??????
Heute? Gestern? Vorgestern? Überhaupt dieser November?????
Alles so anders.

Nein, ganz klar…. der November ist und bleibt grau und traurig.
In sehr vielen Momenten.
Heute gibt es hier sogar den allerersten Schnee.
Matschepampeschnee.
Mit Regen dabei.
So richtig ganzgrausigkaltundeklig.
So ganzundgarkeineschönewinterlandschaft.

Und hell wird es auch nicht.

Dennoch…
da ist so viel Veränderung.

Wir hatten am Sonntag die Tochter abgeholt.
Ursprünglich war da ja so ein Mama-Ding am laufen.
So ein „Das arme Kind!!! Jetzt hat sie sich eben von ihrem Typ getrennt und dann hat sie Urlaub. So GANZGANZALLEINE. Das kann man doch nicht machen!!! Das arme Kind in seinem Schmerz so völlig einsam in 25qm hocken lassen. Eine ganze Woche lang. So einsam, kalt und vergessen….“
Und so hat man sie aus dem Bauch heraus und ohne das mit dem Mann zu besprechen einfach eingeladen.
Wenigstens 4 Tage.
Wenigstens ein bißchen Mama-Liebe und Verhätscheln, verwöhnen und liebhaben.

Der Mann hatte gesagt, das sei ganz schön unüberlegt.
Ausgerechnet im November.
Ausgerechnet dann, wenn es uns beiden nicht gut geht.
Wenn wir schon als Paar öfter mall streiten.
Aus Erschöpfung, innerem Schmerz und Ichkannnichtmehr.
Wenn es schon bei UNS ewig Mißverständnisse gibt.
Und man eigentlich kaum reden mag.

Wir hatten das schlichtweg vergessen.
Nicht dran gedacht – vor lauter Mama-Ding.
Aber verdammt…., er hat Recht… aber jetzt gibt es kein Zurück mehr.
Versprochen ist versprochen.

Und so war sie dann hier.

Klar, über Nacht das Hotel haben wir bezahlt.
Genauso wie jenes, wenn sie dann an Weihnachten nochmal 2 Nächte hier ist.

Wir hatten das ja ausprobiert mit Luftbett im Wohnzimmer – aber es ist gut, wenn sie auch mal Zeit für sich alleine hat.
Und wir AUCH.
Und so muß man sie nun halt auch jeden Morgen dort abholen und abends wieder hin fahren.
Weil egal, wie oft wir schon gefragt hatten, ob sie nicht doch mal den Führerschein machen will?
Sie hat tausende Gründe, warum sie ihn weder will, noch braucht.
Und so sind halt WIR dran, sie herum zu fahren.

Sonntag waren wir dann direkt zusammen im Restaurant.
Hatten nach dem Essen noch ein Weilchen hier Zuhause und brachten sie dann ins Hotel.

Montag hab ich sie ganz früh abgeholt (so kurz vor 8), weil wir über Lieferservice einen Einkauf erwarteten.
Wir kochten dann gemeinsam einen Braten mit Möhren und Knödeln.
Während der kochte, wollte sie mit mir malen – und ich zeigte ihr, wie Neurographik funktioniert.
Aber das war ihr ganz schön anstrengend und überhaupt… weshalb soll man da alles abrunden? Und weshalb soll man das überhaupt machen? und meins ist ja viel schöner, als ihrs, und…..
Nachmittags habe ich ihr einen Termin bei unserem Osteopathen ergattert.
Da fuhr ich sie dann auch wieder hin.
Es hat ihr total gut getan und sie freute sich.
Er und ich uns auch.

Abends dann Essen und TV gucken und dann wieder gegen 9 ins Hotel.
Und ich wieder zurück.

Schon am Montag fühlte ich dieses innere Beben.
Das Zittern; die Erschöpfung und völlige Überladung an input.
Die Tochter redet nahezu ununterbrochen.
Sie will beschäftigt sein.
Und einerseits klagt sie darüber, dass sie hier bei uns immer sooooo viel raucht.
Weil ICH so viel rauche.
Andererseits läßt sie mich aber auch kein einziges Mal alleine auf den Balkon.

Dienstag fuhren wir in einen niedlichen Ort, gut 20km von hier, wo ich in all den Jahren hier aber doch noch nie gewesen war.
Sie wünscht sich zu Weihnachten einen Koffer. Ihr bisheriger ging kaputt.
Und ich dachte, es ist besser, einen Koffer „real“ auszusuchen, statt einen zu bestellen.
Und so waren wir den halben Tag in diesem Ort unterwegs; sahen uns niedliche kleine Lädchen an, tranken Kaffee und hatten einen total leckeren Kuchen.
Und ihr neuer Koffer gefällt ihr total super.
Da war uns dann auch der Preis piepegal.
Abends gab´s dann noch lecker Burger und wir fuhren sie etwas früher zurück.

Der Mann hatte im Büro solche Schmerzen gehabt, dass er mich bat, einen Arzttermin zu vereinbaren.
Dort fuhr er dann gleich Mittwoch früh hin und holte im Anschluß die Tochter im Hotel ab.
Sie war ein bißchen verschnupft, weil sie erst schon so früh abends hin sollte – und früh dann auch später geholt wurde.
Und dann kam auch noch dazu, dass wir sie Mittwoch früher Heim fahren wollten – nicht erst abends.

Also gab es ein Gespräch.
Über overload.
Über die Wichtigkeit des Alleinerauchens; Auszeit und Erholung; Ruhe.
Darüber, dass wir in unserem Urlaub das alles super hinbekommen hatten – aber da gab es auch kleine Pausen zwischendurch.
Alleine-Beschäftigung.
Rückzug.

Sie war der Meinung, dass ich doch „einfach bloß trainieren müsse“.
Das Rausgehen; die Menge an Eindrücken und Erlebnissen, die ich „aushalte“.
Es könne doch nicht sein, dass ich nach so vielen Jahren Therapie noch immer „so dahänge“.
Ich müsse doch was ändern; los gehen; wieder offener und aktiver sein.
Sie würde mir doch helfen!!!!
Ich sei ja nicht allein.

Sie bohrt und popelt und hinterfragt und triggert.
Weil BEI IHR KLAPPT DAS DOCH AUCH!!!!!

Als *ich* irgendwann geheult hab und verzweifelt war,
weil sie einfach nicht aufhört
einfach nicht locker läßt
einfach nicht AKZEPTIEREN kann
hat sie dann doch irgendwann Ruhe gegeben.
Aber nein, Trauma kapiert sie nicht.

Am Ende war es aber dann doch noch gut, dass wir sie früher zurück fuhren.
Wir waren in der Heimat dann nochmal Essen.
Haben weiter geredet.
Und hatten noch einen guten Tag mit ihr bis abends.
Ich hatte Pause – und mußte nicht hin und zurück am Stück fahren.

Am Donnerstag dann hatte ich Tattoo 🙂
Die Jungs freuen sich total.
Endlich Ragnar.
Es wird ein echt geiles Tattoo.
Nach etwa 3 Stunden Gepiekse hörte sie auf. Sie macht das immer so.
Zeit zum Heilen.
Im Dezember wird es dann fertig gestochen.

Und ja… irgendwie bin ich verrückt.
Nach 4 Tagen mit der Tochter; dem heftigen overload, der Erschöpfung und all dem Durcheinander dann noch zum tattoowieren zu gehen.
Aber auf den Termin wart ich schon fast 1 Jahr.

Gestern dann war Thera.
Sie meinte, ich müsse lernen, mich besser abzugrenzen.
Die Tochter braucht nicht immerzu alles zu verstehen.
Ich brauche nicht immerzu zu erklären versuchen.
Es reicht, dass sie akzeptiert.
Und das muß sie lernen.

Heute nun ist still.
Der Mann sitzt hinter mir und spielt Fußball.
Er hat Medikamente bekommen und ist Daheim die ganze nächste Woche.
Seine Schmerzen lassen langsam nach.
Auch er hat sehr spontan einen Tattoo-Termin bekommen für Montag.
Geil 🙂

Morgen ist wieder tanzen.
Die Tochter hatte eigentlich ganz unbedingt Sonnenblume kennenlernen wollen.
Aber das hab ich nicht zusätzlich auch noch untergekriegt.
Genauso wenig, wie ich mit ihr noch Wii machen konnte.
Auch deswegen hatte sie Frust.

Dafür bin ich sehr glücklich, morgen Sonnenblume wieder zu sehen.
Wir haben ge-whatsappt, nachdem die Tochter wieder Zuhause war.
Und es tat sooooo elends gut, dass sie mich vollkommen verstand.
Ohne Erklärungen, Rechtfertigungen oder irgendeinen anderen Scheiß.
Sie KENNT es einfach.
Sie WEISS.

Ich hatte echt überlegt, ob es nach dieser Woche überhaupt gut ist, zum Tanzen zu gehen.
Aber ich denke, das ist ja was zum GUTtun.
Zum Entspannen und zu sich selbst finden.
Auch das Thema dieses Mal wird schön.

Und ich bin echt völlig überrascht,
wie viele Dinge sich verändern.
Besser werden, oder anders.
Selbst mit der Tochter.
Weil am Ende sind wir ja NICHT verkracht oder enttäuscht oder böse auseinander gegangen.
Am Ende war es ja SCHÖN.

Gestern konnte ich auch meine Heißluftfritteuse verkaufen.
Obwohl ich die Frau echt kurz ganz schön angemeckert hatte per mail, weil sie gemeint hatte, sie könnte den Preis noch weiter drücken.
Am Ende hat sie wohl kapiert, wie neu und unbenutzt das Ding ist.
Und hat das auch spätestens beim Abholen gesehen.

Mit dem Geld haben wir jetzt eine schöne Brotschneidemaschine bestellt.
So eine mit Kurbel und viel Holz.
Weil wir ja nun mit dem Lieferdienst öfter auch gutes Brot von kleinen Bäckern bestellen – so gesundes; nicht diese Massenware.

Und der Mann läuft hier ziemlich oft in der Wohnung herum und strahlt vor Glück.
Weil er es sooooo schön hier findet.
Die Wohnung; die Liebe, die ich reingesteckt habe.
Und mit MIR.

Da ist so viel Glück im November.
Wärme, Liebe, Miteinander, Austausch, Gemeinschaft, Freude.
Es gibt auch so viel Leuchten und Farbe in diesem Jahr im November.
So viel mehr, als Grau und Schwarz.

Veränderung.

Wir freuen uns jedenfalls immer noch und weiterhin, wenn die Tochter an Weihnachten dann wieder kommt.
Ihr Koffer ist noch hier – der kommt dann unter den Baum.
Womöglich finden wir noch Dinge, die dann hinein können; als weitere Geschenke.

Jetzt sollte mir nur noch etwas einfallen für den MANN.
Für unseren Hochzeitstag vielleicht – das wäre das 1. mal, dass er was von mir bekäme.
Und auch für Weihnachten.
Mal sehn.

Schon komisch…… und auch irgendwie traurig.
Der Mann hat von uns noch kaum Geschenke gekriegt.
Schon garnicht zum Hochzeitstag…..
Keine Ahnung… hier denkt irgendwie keine/r an sowas.
Was soll oder kann man da schenken?
Wir kriegen immer Blumen von ihm.

Aber ich glaub, selbst schenken muß man üben.

Na gut, jetzt ist 12.
Wir sollten mal frühstücken.

Euch einen guten Tag.
Und viel Kraft und Liebe ❤

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