Was es für mich bedeutet, eine chronische, komplexe PTBS zu haben

Eben hatte ich in meinem vorherigen Blog diese, meine Seite gelesen und entschieden, sie auch hier in diesem neuen Blog dazu zu nehmen.
Sie ist zwar bereits 2 Jahre alt, aber noch heute gültig.


Für mich persönlich bedeutet, eine chronische, komplexe posttraumatische Belastungsstörung zu haben als allererstes, dass ich NICHTS habe.

Ich habe deshalb nichts, weil die chronische, komplexe posttraumatische Belastungsstörung im Katalog der Erkrankungen nicht anerkannt ist.
Für die Medizin ist sie schlicht und ergreifend als Krankheit nicht existent.

Man erklärte mir mehrfach, dass es wohl eine PTBS gäbe – diese jedoch lediglich ein einzelnes, kurzes, traumatisches Ereignis meint, welches leicht zu heilen sei.
Und diese ist durchaus im medizinischen Katalog existent und angeblich gut behandelbar.

So muß ich also leben damit, dass ich für Ärzte nichts habe.
Und genau so werde ich auch behandelt.

Egal, mit welchem Schmerz oder Befindlichkeit ich zum Arzt gehe – es heißt grundsätzlich „das ist psychisch“.
Eine Untersuchung meines Körpers findet nur äußerst selten statt.
Ein Suchen nach einer möglichen (anderen) Ursache scheidet aus.

So kam es, dass man mir bei meiner Blinddarm-Not-OP mitteilte, dass mein Blinddarm heftigst vernarbt gewesen war und dies gewiß nicht die erste Blinddarmentzündung gewesen sei. Ich hätte großes Glück gehabt.

Ich gehe bereits seit Jahrzehnten nicht mehr gerne zum Arzt, da es vollkommen überflüssig ist.
Den Satz „Das ist psychisch“ kann ich mir durchaus auch selbst sagen.
Und NICHT-untersuchen kann ich mich ebenfalls alleine.

Leider ist das nicht das Problem EINES Arztes.
Ich war in meinem Leben gewiß bei über 25 Haus-Ärzten; weiteren Fach-Ärzten (auch durch mein vieles Umziehen) und es bleibt doch immerzu gleich.

Man wird von Ärzten nicht ernst genommen.

Ein Orthopäde warf mich sogar einst wütend aus seiner Praxis.
Sagte, „In Ihrem Alter hat man noch keine Schmerzen!!!!! Sie simmulieren und stehlen mir meine Zeit!!!!!
Dabei starb ich damals fast vor Rückenschmerzen; konnte nicht schlafen, laufen oder leben damit.

Ich habe eine krumme Wirbelsäule, einen Hüftschaden und kaputte Knie.

Seit meiner Kindheit lebe ich mit einem sogenannten Reizdarm.
„Da kann man nichts machen – das ist psychisch“

Es bedeutet, dass ich abwechselnd Durchfall, Verstopfung oder auch grausame, wehenähnliche Zustände habe.
Auch, dass ich bereits von kleinster Kindheit an grausam pupse, sobald irgendetwas meine Seele zu belasten scheint.
Oft weiß ich selbst keinerlei Grund und würde mich an liebsten vor mir selbst verstecken.
Mein Bauch sieht ständig aus, als sei ich im 9. Monat schwanger; ist steinhart und heftigst schmerzend.
Und ich stinke oft grauenhaft.

Auch Magenschmerzen; Sodbrennen bis hinauf in den Rachen.
Mundgeruch von zu viel Säure.

Schuppenflechte als Reaktion auf länger anhaltenden Stress oder Konflikte.

Auch meine Augen machen mir laufend Probleme – weil ich mit meiner Brille mal gut sehen kann und mal schlecht.

Auch die ständigen Herzrhythmusstörungen; Stolpern, hustenähnliche Gefühle darin lassen Kardiologen doch nie etwas Körperliches finden.

Genauso, wie es für mein ständiges inneres Zittern, Beben oder Schwächeln keine Ursache zu finden gab.

Ich bin extrem schreckhaft.
Habe ewig Angst, mir vor Schreck in die Hose zu pissen.
Kann das Geräusch von Martinshörner kaum aushalten oder fange fast zu weinen an, wenn irgendwo ein Auto hupt.
Ich erschrecke bei der Türklingel, dem Telefon oder wenn mein Mann plötzlich in der Türe steht. Oder, wenn ich irgendwo einen Schatten huschen sehe.

Für Zahnärzte lagen meine schlechten Zähne meist an schlechter Pflege.
Dass diese jedoch durch die Gewalt und den Mißbrauch in der Kindheit entstanden, spielt für sie keine Rolle.

Ich habe beständig Probleme mit meiner Nase; der Atmung und Lunge.
Auch dieses kommt durch einen Nasenbruch und ständigen emotionalen Mißbrauch in der Kindheit.
Für HNO-Ärzte liegt es dennoch nur an meinem Rauchen.

Ich habe Hitzewallungen, Ängste und Wutausbrüche inzwischen – was daran liegen mag, dass ich endlich beginne, wieder fühlen zu können.

Ich bin heute 48 Jahre alt (aktuell 50) und beginne, wieder fühlen zu können.
All die Jahre zuvor war ich wie tot.
Wehrte mich nicht; kämpfte nicht; konnte mich nicht durchsetzen, mich nicht formulieren und hatte keine Worte für all die Gewalt und das Leid, das ich ertragen hatte.

Keiner hat es kapiert und keiner wollte es wissen.
„Das ist psychisch“ ist nur ein Satz, um NICHTS zu tun.
Aber niemals ein Satz, um zu helfen oder genau hinzusehen; weiter zu forschen.
Er ist das Elend, das Ärzte an uns weiter verbreiten und erhalten.

Eine komplexe, chronische PTBS bedeutet für mich ebenfalls:

  • Mein Gymnasium Anfang der 10. Klasse abbrechen zu müssen ohne Abschluß
  • Meine Lehre nach dem 1. Lehrjahr abbrechen zu müssen, ohne Abschluß
  • Niemals wirklich arbeiten zu können, wg. o.g. Krankheitssymptomen
  • Deshalb auch nie wirklich Geld zu haben.
    Eher Schulden zu haben – abgelöst aus „Gehorsam“ vom 1. Ehemann.
  • Auch hierfür keine Hilfe zu bekommen von der Schuldenberatung – weil „so schlimm ist es doch garnicht„.
  • Keine Freunde zu haben; nicht fähig zu sein zu sozialer Kompetenz
  • Seit frühester Kindheit konditioniert zu sein als sexuelle Dienerin. Dies mein Leben lang weiterhin geblieben zu sein. Weil kein einziger Mensch in fast 40 Jahren es für notwendig gehalten hätte, dieses zu hinterfragen.
    Mir zu erklären, dass Sex NICHT = Liebe ist.
    Weil es doch praktisch und gut zu gebrauchen ist, wenn eine Frau auf Zuruf willig scheint – zu jeder Tag- und Nachtzeit. Gut fickbares, totes Fleisch.
  • Heute nun, da ich um diese Konditionierung weiß, fast garkeinen Sex mehr ertragen zu können.
    Völlig ver- und gestört zu sein in meinem sexuellen Erleben.
  • Niemals geschafft zu haben, eine gute Mama zu sein.
    Zwangsgeschwängert zu sein – aber seelisch nicht bereit und vor allem ohne den Hauch einer Ahnung, wie es geht: GUTE Mama.
  • hierdurch nun ein sehr traurig-zerstörtes Verhältnis zur eigenen Tochter.
  • auch hier niemals Hilfe bekommen zu haben – obwohl Ämter und Behörden um all die erlittene Gewalt WUßTEN (vermutlich war auch das wieder „nicht so schlimm“).

Ich suchte mein Leben lang – seit meinem 6. Lebensjahr – unaufhörlich und beständig Hilfe.
Beim Jugendamt, der Diakonie, der Polizei, in Krankenhäusern, bei Lehrern, bei Eltern, anderen Behörden, Ärzten, Hilfsvereinen, ….
aber immer wieder hörte ich die selben Sätze:

  • Hierfür sind wir nicht zuständig
  • Es geht Ihnen doch garnicht so schlecht; das können Sie alleine
  • Hierfür sind wir nicht ausgebildet
  • Das ist zu groß; zu komplex; davon haben wir keine Ahnung
  • Das ist zu klein – wir kümmern uns nur um die, die völlig am Boden sind und Sie saufen ja noch nicht einmal….

So viele Hilfestellen in Deutschland – nur für MICH scheint kein einziger zuständig zu sein.
Auch für so viele andere.

Gerade, wenn man selbst doch eigentlich froh darüber ist, dass man es trotz all der Qualen über Jahrzehnte geschafft hat,
nicht zu trinken,
keine Drogen zu nehmen,
nicht akut suizidal
nicht kriminell zu sein;
Täter oder wie auch immer völlig zerstört
oder gar gefährlich
– dann wird man gerade deshalb niemals gesehen oder geholfen.
Alleine.

Ich fühle mich beständig ungesehen.
Nicht Ernst genommen
Nicht verstanden
Nicht geglaubt
Unerwünscht
Überflüssig
Lästig
Penetrant
– alternativ bin ich nicht deutlich genug.

Ich bin zu kompliziert
Zu anspruchsvoll
Habe zu hohe Erwartungen
Ich verstehe nicht (das System? Warum man mir nicht hilft? Warum ich nur das bekomme, was ich nicht brauche – aber niemals jenes, das nutzen würde?)

Noch immer sind es die selben Sätze wie damals:

Sei zufrieden, dass Du überhaupt was kriegst
Sei froh, wenn sich endlich einer irgendwie kümmert
Sei dankbar, dass man dir überhaupt zuhört

Um alles muß man kämpfen.
Über Jahre – Jahrzehnte hinweg.
Alleine – weil Hilfsvereine, Anwälte oder sonstwer existieren für den Kampf bei/mit Behörden kaum.

Wenn man dann etwas bekommt, muß man Angst haben, es gleich wieder zu verlieren.
Ständig wird man von Gutachtern bewertet und beurteilt.
Und meist doch nicht gesehen.

Diagnosen die man bekommt, fühlen sich falsch an.
Sie stimmen nicht.
Sind fehlerhaft oder unvollständig.

Immer geht es um´s Sparen.
Darum, möglichst wenig (Schaden) anzuerkennen.
Somit möglichst wenig (Hilfe) leisten zu brauchen.

Und immer wieder muß man ertragen, wie sich um Täter gekümmert wird; über sie geredet – aber nicht um Opfer.

Ich lebe sehr isoliert; hatte noch nie einen wirklichen Freund.
Allenfalls Menschen, welchen ich irgendwie „praktisch“ schien.
Die mich zu irgendetwas eben gebrauchen konnten
oder (auch sexuell) benutzen wollten.

Für Menschen scheine ich komisch zu sein. Ich mache ihnen Angst oder ein merkwürdiges Gefühl.
Ich bin ihnen anstrengend oder zu kompliziert.

Und ich selbst habe ebenfalls Angst vor Menschen.
Die Erfahrung sagt mir, dass sie mich ohnehin nur benutzen wollen.

Ich fühle jede Lüge; jede Manipulation und jede Unsicherheit will mich warnen.
Ich bin vorsichtig und zurückhaltend; unsichtbar.

Scheue mich, raus zu gehen; bin meist in der Wohnung.
WENN ich rausgehe, meide ich Orte mit vielen Menschen.
So gut es geht.
Keine Vereine, keine Schulungen oder Kurse, keine Gruppen.

Oft erlebe ich, dass Menschen meine Grenzen nicht respektieren.
Vielmehr versuchen, eben gerade diese absichtlich zu „bespielen“; absichtlich zu übertreten; zu experimentieren und meine Ohnmacht auszukosten.

Gerade so, als sei ich ein exotisches Versuchskarnickel, an dem man mal so herum probieren kann, was es wohl Merkwürdiges tut, wenn man ……

Ich kann nicht vertrauen
Ich kann Menschen nicht glauben (was sie sagen)
Ich kann mir oft selbst nicht vertrauen und glauben.

Ich kann nicht wirklich fühlen – dort, im Bauch.
Nicht mich selbst und auch nicht andere.
Und manches Mal dann doch – aber viel zu sehr.

Noch immer kann ich nicht; darf ich nicht; soll ich nicht.
Und wüßte doch garnicht, WAS.

Sehr oft bin ich traurig.
Verzweifelt
Einsam
Ohnmächtig und Auswegslos.

Und ich habe keine Ahnung, wie ich diese Lebensumstände, Schmerzen, somatischen Beschwerden oder mich und mein Verhalten – geschweigedenn jenes anderer Menschen – verändern könnte.

Aber Ihr wißt ja:

Eine komplexe, chronische PTBS gibt es doch garnicht.

So lebe ich mit der Diagnose „Angststörung“.

2 Kommentare zu „Was es für mich bedeutet, eine chronische, komplexe PTBS zu haben

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