Druck

Druck, Druck, Druck, Druck, ….
Ich glaube, das wird das Unwort von 2020.
Vielleicht ist es auch das Unwort durchgehend seit 2009.

Ich kann und will es nicht mehr hören.
Oder vielleicht sollte ich das Wort auch einfach und endlich mal zu MEINEM machen.

Es ist das Wort meines Mannes.
Und es KOTZT MICH AN!!!!!

Es ist sein Totschlag-Wort
Sein Argument
Sein Alles, das mich klein macht.
Klein hält.

Es ist zum Kotzen, zum Wüten, zum Schreien.

Eben – eine völlige Banalität.
Ein Mückenschiß.

Er schläft zur Zeit nicht gut.
Er ist seit 1 Woche wieder arbeiten.
Es kotzt ihn an im Büro.
Er hat Kack-Laune.

Über´s Wochenende ging es auch nicht weg.
Wenn er redet, schnauft er so laut.
So gepreßt.
So angestrengt, beim Reden, zwischen den Worten.

Schon alleine DAS triggert mich.
Macht mich wütend, stinkig, genervt.
Angeekelt.

Ich reiße mich zusammen.
Frage ihn, ob es ihm auffällt.
Sage ihm, dass es MIR auffällt.

Es ist angestrengt zwischen uns.
Bemüht streitvermeidend.
Balancierend.

Aber es ist immer sehr klar, dass sowas immer nur an MIR liegt.
ICH bin die mit Psycho.
ICH bin die, die *komisch* ist.

Er stand auf um halb 5.
Das ist eigentlich nicht seine Zeit.
Eigentlich ist er später.
Aber er schläft nicht gut.

Zeit, die MIR fehlt.
Alleine-Zeit.
Ruhe morgens für mich, das Schreiben, Spielen und Wachwerden.
Stattdessen sitzt er hier im Sessel und redet mit mir, als sei ich in der Küche.
Früh um halb 5 werd ich schon angeschrien.
Aber nein – er ist doch nicht laut.
*schnauf, schnauf, ächz*

Ich bremse mich runter.
Reiße mich zusammen.
Versuche, sanft zu bleiben.

Über´s Wochenende hatten wir vereinbart, dass ich heute Früh zum Obstmann fahre.
Weil wenn er montags immer exakt dort hin fährt zur Physio – wo auch der Obstmann ist, aber erst gegen viertel nach 5 –
sagt er immer, dass kaum noch Obst da sei. Und er nehmen müsse, was der Rest ist.

Spülen muß ich auch.
Zigaretten drehen vor dem Fahren.
Es ist jetzt halb 7.
Duschen wollt ich auch noch.

Ich hab ihn beiläufig gefragt, ob er noch Bargeld hat.
Weil man den Obstmann halt nur bar zahlen kann.
Und ich ansich immer bloß mit Karte zahle.

Da mault er mich an.
Dass wir doch gesagt hätten, wir KÜMMERN UNS SELBST.

Ich schau ihn an und sag: „Aha“

Und denk in mir drin an seine Wäsche
sein Dreckgeschirr
sein Essen, das ich einkaufe – auch dieses OBST.
Sein Bad, das er verdreckt
Seine Papiere und Briefe, um die ich mich kümmere
Sein….

Wenn er mir jetzt noch nichtmal mehr Geld gibt,
dass ich mich (auch) um SEIN Zeug kümmern kann
WOZU BRAUCHE ICH IHN EIGENTLICH??????

Die Stimmung war merklich geladen.

Und da erzählt er mir schon wieder,
ICH MACHE IHM DRUCK!!!!

Das sagt er laufend.
ICH MACHE DRUCK.

Und ich hab keine Ahnung, womit.

Ich hab bloß gefragt, ob er Geld hat.
Weil sonst müßte ich halt holen.

Aber es ist meist so.
Egal, was ich will, brauche oder frage
ICH MACHE DRUCK.

Wehe dem, ich will *IRGENDWAS* von ihm.
Wehe dem, ich hoffe, er verhält sich irgendwann mal ERWACHSEN.
Wehe dem, ich hoffe drauf, dass er VERANTWORTUNG übernimmt.

Es ist IMMER gleich DRUCK.

Früher hatte er Sport gemacht.
Vor Jahren dann hörte er damit auf wegen des Verletzungsrisikos.
Ich kann das nachvollziehen und find das auch klug.

Aber ich weiß noch, dass ich damals zu ihm sagte, er müsse sich um was Anderes kümmern.
Etwas ANDERES, das ihm Ausgleich schenkt.

Heute ISST er.
Anfangs hat er alles in sich hinein gefressen, was er finden konnte.
Inzwischen tut er das nicht mehr.
Nicht mehr SO.

Dennoch hat Essen einen hohen Stellenwert. Es ist Trost.

Nur ein anderes Hobby hat er sich bis heute nicht gesucht.
Er daddelt.
Aber das reicht nicht.

Druck….

Ja, er hatte gemeint, dass ich VERLANGE, dass er immer Geld hätte, um es mir geben zu können.
Dass ich ERWARTE und FORDERE.
– dabei hab ich bloß gefragt.

Es ist SEIN Ding.
Ganz alleine IN ihm.

Und es wird immer schlimmer.
Druck in ihm, den er sich selbst so denkt.
Für den er kein Ventil weiß.

Und egal, was ich sage – alles könnte diese Nadel sein, die ihn zum Platzen bringt.

Ich würde irgendwie am Liebsten ins Auto steigen und weg fahren.
Irgendwo hin.
Wieder für eine Woche oder länger.
Einfach mal weg.

Dann könnte er merken, dass der Druck in IHM ist – und nicht aus mir heraus.
Und er könnt gucken, wo er ihn hin tut.
Nicht zu mir.

Ihm die 40€, die er mir gegeben hat, einfach hin legen.
Da – kannst SELBST dein Obst kaufen.
SELBST deinen Scheiß machen.
SELBST spülen – dein Geschirr.

Eben war eine SMS gekommen. Ich hab sie noch nicht gelesen.
So, wie ich ihn kenne, entschuldigt er sich.

Verdammt nochmal!!!!
Und wen interessiert MEIN Druck?!
Ich kümmere mich darum SELBST.
Meist.
Außer, ich krieg wieder SEINEN Druck dagegen.
Und soll mich wieder um SEINEN Mist kümmern.

Meine Thera sagt so oft zu mir,
dass es wichtig wäre,
endlich Grenzen zu setzen.
Und ihm DEUTLICH zu vermitteln,
was SEINS ist.

Ich brauche mich nicht unablässig mit SEINEM Druck zu befassen.
Auch nicht mit ANDEREM Seins.

Beziehung bedeutet nicht,
alles des Partners zum Eigenen zu machen; machen zu LASSEN.

Eben, auf dem Balkon dachte ich daran,
wie lange ich schon warte.

Wartete, bis er von den Eltern weg ziehen konnte (5 Jahre)
Wartete, bis er dann von *2km von den Eltern* auf *20km von den Eltern* ziehen konnte (3 Jahre)
Und jetzt warte ich seit fast 4 Jahren, dass er von *20km von den Eltern* an die *Nordsee* ziehen kann.

Und dazu kommt dann noch das sich-nicht-lösen-Können
aus einem Job, der ihn kaputt macht.
Und das Argument, noch nicht fertig zu sein.
Noch Therapie weiter machen zu wollen.

Und gestern erst hatte er gesagt, dass er mir schon sehr weit entgegen käme.
Weil er ja schließlich mir zuliebe schon in 5 Jahren hier weg gehen mag.
Weil ich ja sonst zu alt werde für sowas.
Weil ich ja schließlich dann schon bald 60 sei.

ER würde das ja erst tun, wenn er so 55 wäre.
Aber dann wär ich ja schon fast 70.
Dann pack ich keinen Umzug mehr.
Er sieht es ja an seinen Eltern, wie schnell man abbaut.

Wenn ich das hier so schreibe und lese,
wird mir erst klar,
WAS er da eigentlich sagt.
Und wie sich das ANFÜHLT.

Wie lange soll ich denn auf ihn WARTEN?????

Und bei WAS ALLES?!

Er ist, wie ein Kind.
Das eine Mama braucht.
Und glaubt, sie in mir gefunden zu haben.

Ein mißbrauchtes Kind dazu.
Das glaubt, Brüste seien der Trost der Welt.
Und wenn es nur den Busen schnullen darf,
ist ALLES in Ordnung.

Manchmal krieg ich unbändige Angst davor, was ich getan habe.
Ich hab mich gebunden.
An einen Menschen, der nur AUSSIEHT, wie ein Mann.
Der aber in Wahrheit nicht erwachsen sein will.

Weil das macht ja DRUCK.
ICH mache Druck.

Aber hey, mein Schatz….
das bin nicht ich.
Das ist das LEBEN.

Ein Kommentar zu „Druck

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