„Ausgleichung“

denkt es eben beim Rauchen.
„Sollen wir mal wieder Karten legen?“ – fragt es.
Weil früher haben wir immer Karten gelegt; vor dem Mann.
Der Mann hatte dann irgendwann gesagt, er fände das gruselig.
Und beängstigend.
Und er befürchte, ich würde mein Leben zu sehr auf die Karten ausrichten.

Dabei hatte der garkeine Ahnung.
„Ausrichten“
Gerade so, als stünde in den Karten, wie ich meinen Tag gestalten soll; was zu tun sei HEUTE.

Wir haben´s dann trotzdem gelassen.
Ihm zuliebe wohl.
Weil wir immer getan hatten, was andere gut für uns fanden.
Lange ist es her.

Seitdem liegen sie hier.
Unberührt.

Ausgleichung – es gibt hier eine Karte, die so heißt.

Beim Duschen dachten wir darüber nach, dass wir tatsächlich lieber schenken.
IST das so?

Oder ist das nur wieder so ein Muster?
Dass wir GEBEN müssen – statt erwarten; erhoffen oder wünschen.
Statt sehnen, brauchen oder wollen.

Da schwingen wir große Reden, dass man es UNS überlassen muß, ob wir schenken möchten, oder nicht.
Und ja, das mag im Kern ja durchaus stimmen.
Schenken tut man freiwillig.
Aus eigenem Antrieb.
Und bestenfalls, um Freude zu schenken.
– nicht, um etwas zurück zu bekommen.

Und falsch ist das ja sicher nicht.

Andererseits ist es natürlich unfair; ungerecht und nicht wirklich richtig,
einem Anderen das Schenken unmöglich zu machen.

Ich fürchte, wir haben in unserem Leben OFT verunmöglicht, dass etwas zurück kommen durfte.
Vielleicht, weil wir ablehnten.
Weil wir verringerten, schmälerten, entwerteten.
Unseres.

Ja, ich fürchte, es fällt uns schwer.
Anzunehmen.

Vertrauen ist schwer.
Glauben und vertrauen, dass nichts zurück erwartet wird.

Wie oft im Leben waren „Geschenke“ bloße Vorauszahlung für eine Leistung, die ich dann zu erbringen hatte.
Oder die Möhre, dem man dem Esel vor die Nase hält, damit er geht.

Geschenke… das war nie etwas Gutes.
Entweder, sie wurden direkt wieder weg genommen.
Oder bloß in Aussicht gestellt und doch vorenthalten.
Versprochen und dann vergessen.

Geschenke…
das ist Manipulation und Schmerz.
Und ich fürchte, innendrin ein Trigger.
Etwas, das Angst macht, Vorsicht und Rückzug.
Abwehr und Ablehnung.
Weil Geschenke sind nichts Gutes.
Geschenke sind eingewickelte, verkleidete Bomben, die dann explodieren, wenn man nicht (mehr) damit rechnet.

Geschenke sind nichts zum Freuen.
Besser, man bekommt keine.
Besser, man braucht nicht dankbar sein.
Besser ist der Verzicht.
Verzicht auf ALLES, das Menschen geben.

Ja, beim Schreiben wird es bewußt.
Wie unsagbar viel Angst mit Geschenken verbunden ist.
Auch mit solchen, wie das OEG.
Oder dem Mann.
Oder dem Kind.

Irgendwer will lieber einsam sein.
Ein Eremit.
Alleine, zurück gezogen und mit NICHTS.
Weil NICHTS das ist, das ich brauche und kriege.
NICHTS ist das, was ich verdient habe.
Und NICHTS ist das, das bleibt.
Zuverlässig und beständig.

Wenn man NICHTS will und NICHTS braucht
und NICHTS zuläßt und an sich heran läßt,
dann gibt es auch keinen Schmerz, keine Enttäuschung und keinen Raub.
Es gibt NICHTS zu verlieren.

Ja, sagen andere….
dann gibt es kein Vertrauen, keine Nähe, keine Freude, keine Liebe, keine Freundschaft, keinen Reichtum, kein Überhaupt.
Dann bleiben nur die Traurigkeit und die Einsamkeit.
Weil sie sind die Freunde des NICHTS.

Manchmal braucht es Mut, um lebendig zu werden……
Manchmal müssen sich die Dinge auch ausgleichen dürfen, um in die Waage zu kommen; ins Gleichgewicht.

3 Kommentare zu „„Ausgleichung“

  1. Geschenke- wir haben früher sehr sehr viele Geschenke gemacht. Heute ist das deutlich weniger. Wir haben immer gern geschenkt, ohne etwas zu erwarten.
    Wenn wir heute darüber nachdenken, können wir sagen, dass wir unglaublich gern z. B. Teddys genäht haben, auch aus hochwertigen Materialien. Diese haben wir dann verschenkt an Menschen, die es auch Wert geschätzt haben. Es war unsere Freude am kreativen Gestalten und wir brauchten nicht 101 Teddybären.
    Als wir später zu unseren Enkelkindern gefahren sind, haben wir lange überlegt, ob wir Geschenke mitnehmen und haben uns dagegen entschieden. Wir wollten uns aufeinander freuen und haben dann gemeinsam etwas unternommen- Wildpark, Kino, Bowling.
    Heute wissen wir, dass Geschenke nicht nur aus „Dingen“ bestehen, sondern auch aus einer liebevollen Nachricht, Zeit und Aufmerksamkeit füreinander bestehen können.
    In diesem Sinne 💕

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..